EVN: PV-Flächen-„Verstaatlichung“ wäre ein Rückschritt

23. Oktober 2020, Wien/Maria Enzersdorf
EVN-Manager Franz Mittermayer
 - Ma

Wie der Dachverband der heimischen E-Wirtschaft lehnt auch der niederösterreichische Versorger EVN Pläne auf Bundesländerebene ab, Freiflächen für die Errichtung von PV-Anlagen nur noch vom Land nutzen zu lassen und Private auszuschließen. „Das wäre ein Rückschritt, wenn es dazu käme“, sagte EVN-Vorstandsdirektor Franz Mittermayer am Freitag zum Entwurf eines Raumplanungsgesetzes, den Burgenlands LH Hans Peter Doskozil laut Medien aber möglicherweise noch überarbeitet.

Die EVN ist an der Energie Burgenland beteiligt – „aber auch abgesehen davon“ lehnt Mittermayer solche Pläne ab. Freiflächen für PV-Anlagen müssten jedem zugänglich sein, der solche Anlagen errichten wolle. Wenn jemand Kapital aufbringe, müsse er dafür die Chance haben. Der Markt sollte liberal sein, wolle man die Klimaziele für die nächsten zehn Jahren erreichen – ganz unabhängig von der Frage, ob solche Limitierungen überhaupt verfassungskonform seien.

Die EVN verfüge bisher nur im kleinen Rahmen über Photovoltaik, von den Ausbauzielen für ganz Österreich von 11 Terawattstunden (TWh) würden aber wohl 2.000 bis 3.000 Megawatt (MW) auf NÖ, entfallen, so Mittermayer auf der Gewinn-Messe. Bei Windkraft habe die EVN die installierte Leistung in den vergangenen zwei Jahren um 100 auf 370 Megawatt (MW) aufgestockt, in den nächsten Jahren könnte man auf 500 bis 600 MW kommen. Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019/20 (per 30. September) will die börsennotierte EVN am 16. Dezember vorlegen.

Weil das Stromangebot durch die vermehrte Erneuerbaren-Erzeugung künftig volatiler ist, benötige man zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit auch Reservekapazität. „Es muss Backup-Leistung geben, die mit schnell startenden Gasturbinen, vergleichbar Flugzeugturbinen, bewerkstelligt werden könnte. Wir bereiten uns darauf vor“, so Mittermayer. Man verfüge über Kraftwerksstandorte, an denen man, falls wirtschaftlich, solche Turbinen errichten könnte.

Für eine sichere Gasversorgung denke man auch an die Speicherung – bis hin zu Wasserstoff oder Biogas, das schon eingespeist werde. Mit der Mehrheitsbeteiligung an der RAG (früher Rohöl-Aufsuchungs AG) sei die EVN gut aufgestellt. Man prüfe die Speicherbarkeit von Wasserstoff und mögliche Mischgrade mit Methan. Für eine Wasserstoff-Belieferung an die Industrie wolle auch die EVN in die Wasserstoffproduktion gehen, aber erst wenn es einen Markt dafür gebe.

APA

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