Netzagentur: Gasversorgungslage in Deutschland „angespannt“

17. Juni 2022, Berlin/Moskau/Paris
Das Gas wird knapp - Stuttgart, APA/dpa

Erstmals seit Ende März hat die Bundesnetzagentur in ihrem täglichen Bericht zur Gasversorgung in Deutschland die Lage als „angespannt“ bezeichnet. „Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment aber stabil“, schrieb die Behörde in ihrem am Freitagmittag veröffentlichten Bericht. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei derzeit weiter gewährleistet.

Grund für die Neubewertung ist die Reduktion der Gasliefermenge durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 in den vergangenen Tagen. Dabei hatte der russische Energiekonzern Gazprom die Gasflüsse auf 40 Prozent der Maximalleistung gedrosselt und dies mit Verzögerungen bei der Reparatur von Verdichterturbinen begründet. „Von dieser Reduktion ist seit Mitte der Woche auch die Weitergabe von Gas in andere europäische Länder wie zum Beispiel Frankreich, Österreich und Tschechien betroffen“, berichtete die Behörde. Die von den ausbleibenden Lieferungen betroffenen Unternehmen könnten die Gasmengen zurzeit anderweitig am Markt beschaffen.

Frankreich erhält unterdessen kein Pipeline-Gas mehr aus Russland. Die Lieferung von russischem Erdgas nach Frankreich über eine Pipeline aus Deutschland ist bereits am Mittwoch zum Erliegen gekommen. Die Gasversorgung werde dadurch nicht beeinträchtigt, und das Auffüllen der Speicher für den Winter gehe weiter, teilte der Gasnetzbetreiber GRTgaz am Freitag mit.

Angesichts eines ohnehin rückläufigen Gasverbrauchs sei die Einfuhr über die Pipeline seit Jahresbeginn bereits um 60 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Verstärkt werde Gas über eine Pipeline aus Spanien eingeführt. Für Frankreich spielt Erdgas aus Russland eine untergeordnete Rolle. Weniger als ein Viertel seines Gasbedarfs werden mit Gasimporten aus Russland gedeckt. Außer per Pipeline wird russisches Erdgas auch per Schiff eingeführt.

Auch nach Italien liefert Russland weniger Gas. Nach Angaben des teilstaatlichen Gasversorgers Eni sagte Gazprom am Freitag 50 Prozent der bestellten Liefermenge zu. Eigentlich habe Italien an diesem Tag 63 Millionen Kubikmeter Gas aus Russland bestellt. Schon in den vorigen Tagen waren die Gaslieferungen gedrosselt worden: am Mittwoch um 15 Prozent und am Donnerstag um 35 Prozent der bestellten Mengen.

APA/ag

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