Risikofaktor Gas lässt Preise weiter steigen

22. Juni 2022, Wien

In Österreich stieg die Inflation im Mai auf 7,7 Prozent, den höchsten Wert seit April 1976. Neben Sprit steigen die Preise für Lebensmittel stark.

30 Prozent höhere Preise für Butter, 10,7 Prozent teurere Milch, kräftige Preissteigerungen auch bei Mineralwasser (15,1%), Fleisch (11,3%) oder Gemüse (12,5%) – der tägliche Einkauf geht für die Österreicherinnen und Österreicher mittlerweile ordentlich ins Geld. Und auch an der Tankstelle liegen die Preise für Diesel und Benzin weiter über zwei Euro.

Die Inflation in Österreich stieg im Mai auf 7,7 Prozent – und damit auf den höchsten Wert seit April 1976. In der gesamten Eurozone lag der Wert mit 8,1 Prozent noch darüber. Erste Schätzungen hätten auch für Österreich einen Wert von 8,0 Prozent ergeben, so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas, der jedoch durch die Reduktion der Energieabgaben auf Strom und Gas etwas geringer ausgefallen sei. Die steuerliche Entlastung wirkte sich laut der Statistikbehörde stärker bei den Strom- als bei den Gaspreisen aus. Bei letzteren lag die Teuerungsrate im Mai für Haushalte bei über 70 Prozent, Strom verbilligte sich sogar leicht um 0,1 Prozent. Beim Heizöl ist die Inflation mit plus 97,8 Prozent weiter hoch.

Die Kosten für Verkehr legten im Schnitt um 19,1 Prozent zu. Dominanter Preistreiber waren hier die Treibstoffpreise, die um 50,5 Prozent stiegen. Flugtickets wurden im Jahresvergleich um 57,3 Prozent teurer.

Bei Nahrungsmitteln stiegen die Preise im Schnitt um 8,8 Prozent an. Hotels und Restaurants erhöhten ihre Preise im Schnitt um 7,3 Prozent. Für Beherbergungsdienstleistungen mussten 11,8 Prozent mehr bezahlt werden. Bewirtungsdienstleistungen wurden im Jahresabstand um 6,7 Prozent teurer.

Der tägliche Einkauf, der vor allem Lebensmittel umfasst, wurde damit um 8,4 Prozent teurer. Der Wocheneinkauf, zu dem auch Spritpreise und Dienstleistungen zählen, verteuerte sich um 15,4 Prozent.

Die SPÖ forderte am Freitag erneut, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, Strom, Gas und Sprit befristet auszusetzen. Mieterhöhungen sollen rückgängig gemacht, die Kategorie- und Richtwertmieten bis 2025 eingefroren werden.

Wirtschaftsforscher rechnen vorerst mit weiter steigenden Inflationszahlen. Der Höhepunkt könne im Herbst erreicht sein. Der größte Unsicherheitsfaktor ist derzeit die Entwicklung der Gaspreise. Weit stärker als in Österreich stiegen die Preise im Europa-Vergleich in Estland (20,1%), Litauen (18,5%) oder Tschechien (15,2%). Die niedrigste Rate gab es in Frankreich (5,8%). Das mittelfristige Inflationsziel der EZB von zwei Prozent wird damit weit überschritten. sam

Salzburger Nachrichten

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