SBO-Chef Grohmann: Aufträge reichen ins Jahr 2023

18. August 2022, Wien/Ternitz

Der österreichische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann Oilfield (SBO) profitiert davon, dass die Öl- und Gaskonzerne jetzt Investitionen nachholen, die sie in den letzten Jahren eingespart hatten. Im ersten Halbjahr hat SBO deutlich mehr Umsatz gemacht als vor einem Jahr, der Nettogewinn wurde auf 34,4 Mio. Euro verachtfacht. „In vielen Bereichen sind wir für 2022 schon ausgelastet und können gar keine Aufträge mehr fürs heurige Jahr annehmen“, sagt SBO-Chef Gerald Grohmann.

Der Umsatz stieg in der ersten Jahreshälfte im Jahresabstand von 129,5 Mio. auf 222,7 Mio. Euro, der Auftragseingang verdoppelte sich auf 271,5 Mio. Euro und das Betriebsergebnis (EBIT) stieg von 8,9 Mio. auf 44,8 Mio. Euro. Unterm Strich verdiente SBO 34,4 Mio. Euro, nach 4,2 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2021.

„Der Auftragseingang ist ein ganz wichtiger Indikator, wie es in der Zukunft weitergeht und wie vor allem unsere Kunden an die Zukunft glauben“, sagte Grohmann am Donnerstag zur APA. „Wir haben einen schönen Auftragsbestand, der in das Jahr 2023 hineinreicht. Das heißt, ich bin auch für das Jahr 2023 durchaus zuversichtlich.“ Bemühungen um Energieunabhängigkeit von Russland, die geringe OPEC-Produktionskapazitätsreserve, niedrige Rohölvorräte und eine steigende Nachfrage würden den positiven Ausblick der Branche unterstützen. Zusätzlich habe ab der zweiten Jahreshälfte 2021 – nach Jahren an Unterinvestitionen in die Exploration und Produktion von Öl und Gas – ein Aufholeffekt eingesetzt.

„Die Dynamik der Energiemärkte kurbelt die Investitionen in Exploration und Produktion außerhalb Russlands an“, sagte Grohmann. Die Energiepreise seien schon vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine deutlich gestiegen, „weil über viele Jahre, eigentlich seit 2015, zu wenig in Exploration und Produktion investiert wurde – weil die Saudis zuerst den Ölpreis gedrückt haben, dann ist Corona gekommen, wo die Nachfrage nach Öl und Gas eingebrochen ist“.

Nach Corona sei die Nachfrage nach Öl wieder deutlich gestiegen. „Wir sind derzeit bei rund 100 Millionen Barrel pro Tag, das ist genauso viel wie vor Corona.“

Dass Schoeller-Bleckmann von den hohen Öl- und Gaspreisen profitiert und seinen Gewinn vervielfacht hat, rechtfertigt nach Ansicht des Vorstandschefs nicht, von einem „Übergewinn“ zu sprechen. „Das geht definitiv an uns vorbei und betrifft uns nicht. Wir verkaufen keinen Strom und kein Gas an österreichische Konsumenten. Wir verkaufen kein Benzin oder Diesel an österreichische Pendler. Unser Erfolg kommt aus einem Business-to-Business-Geschäft mit großteils amerikanischen Kunden.“ SBO mache mit internationalen Kunden gute Geschäfte, erziele schöne Gewinne und bezahle dem österreichischen Staat viel Steuergeld. „Wir zahlen zum Beispiel im ersten Halbjahr viermal so viel Steuern wie im ersten Halbjahr 2021.“

Auf die steigende Nachfrage reagiert SBO auch mit der Erweiterung seiner Kapazität, und hat u.a. in seine Mietflotte investiert, „weil wir viele Gerätschaften ja auch an unsere Kunden vermieten“. Der Personalstand wurde von 1.267 im der ersten Jahreshälfte 2021 auf nun 1.417 Beschäftigte aufgestockt.

In seinem Geschäft gehe es vor allem um Energiesicherheit, also zur Zeit vor allem die Verfügbarkeit von Öl und Gas, sagte Grohmann. „Das wird natürlich vom Markt gesehen und honoriert.“ Daher wolle man die gute Position im bestehenden Geschäft behalten, „weil wir noch lange Öl und Gas brauchen werden“. Gleichzeitig sei man dabei, ein neues Geschäftsfeld im Bereich GreenTech und Energy Transition aufzubauen. „Da sind wir auf der Suche nach geeigneten Investitionen. Wir haben Gott sei Dank die Finanzmittel, wir haben fast 300 Millionen liquide Mittel, dass wir uns ein Investment in diesem Bereich leisten können.“ Langfristig sollen diese beiden Geschäftsfelder gleich groß sein.

Die SBO-Aktie reagierte auf die Ergebniszahlen mit einen Kurssprung um 6,5 Prozent und notierte gegen 11 Uhr bei 53,80 Euro.

APA

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