„Wasserkraft ist die Schlagader unserer Energieversorgung“

20. September 2022
Wasserkraftwerk am Rhein - Iffezheim, APA/dpa

Mitten in einer Zeit der Energie- und Blackout- Sorgen geht im Lungau ein neues Kraftwerk ans Netz. Rotgülden hat nicht nur Bedeutung für die Elektrizität.

Christian Sprenger Muhr. Der Generator war stumm, auch die Turbinen drehten sich ausnahmsweise nicht. Die Geräuschkulisse wäre mit feierlichen Ansprachen auch nicht in Einklang zu bringen gewesen. In der 500-Einwohner-Gemeinde Muhr im Lungau war an diesem Freitag dennoch einiges los. Die Salzburg AG eröffnete das neue Kraftwerk Rotgülden, und zwar feierlich mit Bierzelt, Musik und dem Segen des Dorfpfarrers Peter Schwaiger.

Das Kraftwerk befindet sich in Hintermuhr auf gut 1200 Metern Höhe, 200 Meter weiter oben liegt der Stausee Plölitzen, dessen Wasser nach 2,3 Kilometern Fahrt durch eine Druckleitung die Turbinen antreibt.

Der Wasserspiegel in diesem See ist am Vormittag fast einen Meter niedriger als normal. Auch das ist dem kurzen Betriebsstillstand während der Eröffnungszeremonie geschuldet, „aber am Abend ist der See dann eh wieder voll“, sagt Kraftwerkstechniker Christian Rheinfrank bei einem Rundgang.

Rotgülden liefert zehn Gigawattstunden Strom pro Jahr. Das sind fast zwei Drittel mehr, als das alte Kraftwerk erzeugen konnte. Das erneuerte Kraftwerk versorgt nun insgesamt 3000 Haushalte mit Strom.

Fast eineinhalb Jahre wurde an dem neuen Kraftwerk gebaut. Es ist nicht nur für die regionale Stromerzeugung wichtig. Bürgermeister Hans-Jürgen Schiefer freute sich, dass auch örtliche Firmen beim Bau zum Zug kamen. Und er erinnerte daran, dass die Staumauern des Plölitzensees und des weiter talauswärts liegenden Öllschützensees auch bei Starkregenereignissen Wirkung gezeigt hätten – indem sie Hochwässer verhindert hätten. Schiefer sagte bei seiner Rede im Bierzelt: „Das Kraftwerk hat uns schon mehrmals den A… gerettet.“

Ein Kraftwerk als Retensionsbecken – da passte es bestens, dass auch Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) zur Eröffnung kam. Viel hat er ja derzeit mit Hochwasserabwehr in Gebirgsregionen zu tun, in sein Ressort fällt aber auch das Thema Energie. Schwaiger: „In diesem Land haben alle immer erwartet, dass es leistbaren und verfügbaren Strom gibt. Jetzt leben wir aber in Zeiten, in denen wir sehen, dass dies nicht ganz so einfach ist. Wasserkraft ist die Schlagader unserer Energieversorgung. Und wenn wir nicht das Beste aus dem machen, was wir haben, geben wir ein Stück Zukunft aus der Hand.“

Auch der scheidende Salzburg-AG-Chef Leonhard Schitter sah dies so: „Je regionaler wir unsere Energie erzeugen können, desto unabhängiger sind wir.“

Die Salzburg AG hat sich das neue Kraftwerk Rotgülden insgesamt 11,5 Millionen Euro kosten lassen. Nun ist auch die Zufahrtsstraße in das schmale Tal neu asphaltiert, die hangsichernden Stahl- und Betonbewehrungen wurden begrünt und dort, wo einst das alte Kraftwerkshaus im Jahr 1956 errichtet wurde, befindet sich nun ein Biotop. Die Druckleitungen, die für den grünen Strom notwendig sind, sieht man nicht.

Salzburger Nachrichten

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