Urbantschitsch – Preisdeckel sollte Preissprünge verhindern

2. November 2022, Wien
E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch
 - Wien, APA/ROLAND SCHLAGER

E-Control-Chef Wolfgang Urbantschitsch hat seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine in einigen Punkten umdenken müssen. Vor einem Jahr noch hätte er nicht gedacht, dass ein Eingriff in den Strommarkt nötig sein könnte. Nun habe sich aber herausgestellt, dass die Preisbildung nicht krisenfest ist, räumte Urbantschitsch am Mittwoch im Club der Wirtschaftspublizisten ein. Vor allem müsse man den Strompreis vom Gaspreis abkoppeln.

Angesichts der sprunghaft gestiegenen Energiepreise stünden auf der einen Seite Maßnahmen, um die Auswirkungen der hohen Kosten für Verbraucher und Unternehmen abzufedern. Dazu gehören die Senkung von Abgaben und Steuern aber auch Gutscheine und Preisstützungen. Hier könne man die Treffsicherheit diskutieren. Eine der Lehren aus der Krise ist daher für den E-Control-Chef, dass es in Österreich eine Stelle brauche, wo die Daten über Einkommen, Haushaltsgrößen, Transferleistungen und ähnliches verknüpft werden, damit künftig die Politik entscheiden könne, wer wie viel Unterstützung erhält.

Auf der anderen Seite stehen für Urbantschitsch Markteingriffe. Etwa der auf EU-Ebene beschlossene aber noch nicht wirklich definierte „Gaspreisdeckel“. Das in Spanien und Portugal eingeführte „iberische Modell“, das eine Subventionierung des für die Stromproduktion verwendeten Erdgases vorsieht, funktioniere im Wesentlichen, wenn man darauf achte, dass trotzdem Strom gespart und der subventionierte Strom nicht in andere Regionen verkauft wird.

Das auf europäischer Ebene diskutierte Modell, Gewinne über 180 Euro je MWh abzuschöpfen „kann ich zumindest nachvollziehen“, so Urbantschitsch. Die Maßnahme sei allerdings eine „politische Antwort“ auf die hohen Gewinne der Unternehmen und habe nichts mit Preisbildung oder Marktmechanismen zu tun. 180 Euro seien auch eher hoch angesetzt – Windräder erhielten zuletzt Einspeistarife von gut 90 Euro.

Dem von der Burgenland Energie vorgestellten Modell, Strom einfach nur um maximal 180 Euro je TWh zu verkaufen, kann der E-Control-Chef hingegen nichts abgewinnen. Es sei auch „originell“, dass ein Energieversorger so einen Preisdeckel vorschlage.

Auf europäischer Ebene sei es wichtig, Preissprünge wie heuer im Frühjahr zu verhindern. Daher solle Europa auch weiter am Gaspreisdeckel arbeiten, auch wenn im Augenblick die Gaspreise wieder deutlich unter den Spitzenwerten des Sommer liegen. Im Laufe des Winters sei wieder mit einer Erhöhung zu rechnen.

Innerhalb Österreichs sieht Urbantschitsch die großen Unterschiede zwischen West- und Ostösterreich wie auch zwischen Bestands- und Neukunden als Problem. Während in Tirol teilweise noch 9 Cent je KWh gezahlt werden, müssen Neukunden im Osten auch schon über 40 Cent zahlen. Für Neukunden wäre es angesichts so hoher Angebote wohl interessant, sich auf den Grundversorgungs-Tarif zu berufen. Auf diesen, der die Kosten der Mehrheit der Kunden eines Anbieters abbildet, hat laut Gesetz jeder, unabhängig vom Einkommen, Anspruch. Bisher sind zwar nur sehr wenige Menschen in der Grundversorgung, die Nachfrage könnte aber steigen. E-Control forciere das zwar nicht, gehe aber doch allen Fällen nach, wo der Einstieg in die Grundversorgung von einem Anbieter abgelehnt werde.

Die aktuelle Preisstruktur wird wohl auch dazu führen, dass nur sehr wenige Menschen heuer den Anbieter wechseln werden, erwartet Urbantschitsch. Die Angebote seien nicht attraktiv. Zugleich kritisiert der E-Control-Chef die Kommunikationspolitik der Energieversorger. „Transparenter ist es nicht geworden“, sagte er. Die Anfragen der Haushalte hätten sich verdoppelt. Bei Preiserhöhungen zu einem Stichtag empfiehlt er den Verbrauchern, den Zähler selber abzulesen und dem Betreiber den Zählerstand mitzuteilen.

Schwierig ist es abzuschätzen, wie viel Gas in Österreich tatsächlich eingespart wird. So war der Verbrauch im September etwas höher als im Vorjahr, aber etwas niedriger als im Fünf-Jahre-Schnitt, wie viel dabei vom Wetter abhängt und wie viel echte Substitution oder Einsparung durchschlägt, sei aber kaum zu beantworten. Die E-Control versuche gerade, dazu genauere Daten zu erheben.

Das Um und Auf sei jedenfalls, Energie zu sparen. Global müsse man sehen, ob die USA den Export von Flüssiggas (LNG) einschränken falls die Gaspreise auch dort steigen. Aus Russland wiederum sieht Urbantschitsch den Gasimport langfristig sinken, denn das Vertrauen in das Land als verlässlichen Exporteur sei „auf Jahrzehnte“ gestört. Selbst Österreich würde einen Stopp von russischen Gaslieferungen heute deutlich besser verkraften als zu Beginn des Jahres, als noch 80 Prozent des Energieträgers aus Russland kamen. Jedenfalls sieht Urbantschitsch, wie viele andere Experten auch, den heurigen Winter dank gut gefüllter Gasspeicher als halbwegs abgesichert. Problematischer sei der nächste Winter, 2023/24.

APA

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