Windräder sollen so normal sein wie Lifte

2. November 2022, Salzburg

Die neue Grünen-Chefin will kein Nein hinnehmen, auch nicht aus dem Alpenverein. Und die Salzburg AG müsse schneller raus aus Gas und Öl.

Mit knapp 90 Prozent haben die Grünen-Mitglieder am Samstag Martina Berthold zur Landessprecherin gewählt. Das war nötig, weil Heinrich Schellhorn im Zuge der Pflegemisere in einem privaten Seniorenwohnhaus seinen Platz an der Parteispitze und bald auch im Amt als Landeshauptmann-Stellvertreter zur Verfügung stellt. Schellhorn wirkte bei der Landesversammlung in Salzburg-Parsch trotzdem gut aufgelegt, zumindest ließ er sich nichts anmerken.
Im Gegensatz zu Josef Scheinast. Der wollte seinen Frust, dass er „nicht auf Martinas Wunschliste steht“ für einen vorderen Listenplatz, erst gar nicht verbergen. Er hat sich zunächst für die zweite Stelle präsentiert, dann aber seinen Verzicht bekannt gegeben. „Pfiat eich“, sagte Scheinast trotzig und verließ die Bühne.

Somit war der Weg frei für Bertholds Kernteam mit den Arrivierten Simon Heilig-Hofbauer und Kimbie Humer-Vogl sowie einem Neuling, dem Grödiger Umweltaktivisten Thomas Rewitzer. Inhaltlich prangerte Berthold Profitgier im Tourismus an – etwa in Form von Chaletdörfern, von denen es keine neuen im Land geben dürfe. „Das geht sich einfach nicht aus.“ So selbstverständlich, wie lange Lifte und Speicherteiche gebaut worden seien, sollten künftig Windräder in den Bergen entstehen. Dafür will Berthold auch jene Stimmen im Alpenverein auf Linie bringen, die bisher dagegen mobilmachten.

Wie steht sie zu neuen Seilbahnprojekten? Berthold verweist auf eine Schneedeckenstudie der ZAMG. „Da sieht man, dass es Bereiche gibt, die nur noch mit extremem technischen Aufwand zu führen sind.“ Gaißau-Hintersee sei da so ein Fall. Dass das Land dort Investitionen mit zwei Millionen Euro fördern will, sieht sie zumindest in Zusammenhang mit Beschneiungsanlagen „sehr kritisch“.

Akzente will Berthold noch im Aufsichtsrat der Salzburg AG setzen, in dem sie auf Schellhorn folgt. Sie fordert mehr Tempo bei Fernwärme-Dekarbonisierung. „Da muss mehr Zug dahinter kommen.“ Sie erwarte sich bei Energiepreisen mehr Fokus auf das Gemeinwohl und dass das Unternehmen künftig von beiden Vorständen auf Augenhöhe geführt werde. Das sei bisher nicht der Fall gewesen. Und: Der öffentliche Verkehr müsse einen höheren Stellenwert kommen.
Beim Kraftwerk Stegenwald, das Salzburg AG und Verbund planen, sind für Berthold die Würfel gefallen. „Das ist durch. Da braucht es keine politische Entscheidung mehr.“ Bei der Energiewende dürften Natur- und Klimaschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Salzburger Nachrichten

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