Erdgasleitungen neu genutzt

30. Jänner 2023

„HyGrid2“. Erstmals wird eine österreichische Erdgasleitung umgewidmet, um reinen Wasserstoff zu transportieren

Klimaneutraler Wasserstoff kann in Europa einen wichtigen Beitrag liefern, damit bis 2050 beim Treibhausgasausstoß das angestrebte Netto-Null-Ziel erreicht wird. Wasserstoff soll dann in vielen Bereichen fossile Energieträger ersetzen. Beim Transport von Wasserstoff wird die bestehende Erdgasinfrastruktur eine bedeutende Rolle spielen. Über Leitungen, die bisher für Erdgas genutzt wurden, soll in Zukunft Wasserstoff zu den Verbrauchern gelangen. Auch die European Hydrogen-Backbone-Initiative hat ein Umsetzungskonzept für die Wasserstoff-Pipeline-Infrastruktur erarbeitet, das sich weitgehend auf umgewidmete Erdgaspipelines stützt.

Umwidmung für H2-Transport

Das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützte Projekt „HyGrid2“ führt seit Oktober 2022 Untersuchungen durch, um den Transport von reinem Wasserstoff in gebrauchter Erdgasinfrastruktur zu ermöglichen. Ein Konsortium aus der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW), Forschungseinrichtungen sowie dem Industriedienstleister Bilfinger will unter der Leitung der Energienetze Steiermark GmbH bis 2025 mit den bei „Hy-Grid2“ gewonnen Erkenntnissen offene Fragestellungen beantworten, die eine zukünftige Umwidmung ermöglichen sollen. Hierzu zählen die Inspektion und Reinigung der Pipelines, die Qualität des transportierten Wasserstoffs, die anwendungsorientierte Aufreinigung von sowie die -Verträglichkeit der verwendeten Einzelkomponenten und Materialien. Im Zuge des Projektes wird der erste österreichische Erdgas-Stahlleitungsabschnitt im Netzgebiet der Energienetze Steiermark für den Wasserstofftransport umgewidmet und gemeinsam mit der österreichischen Bilfinger Tochtergesellschaft Bilfinger Industrial Services GmbH zu einer Demonstrationsanlage ausgebaut. Die ehemalige Erdgasleitung wird mit reinem Wasserstoff unter realen Bedingungen betrieben, um Erkenntnisse für die Praxis zu gewinnen.

Wichtige Details

Die besondere Herausforderung bei der Umwidmung liegt unter anderem in den Anforderungen an die Reinheit der Rohrleitungen. Bereits untersucht wurde, welche Verunreinigungen im Wasserstoff auftreten können, wenn dieser durch Rohrleitungen fließt, die von Erdgasleitungen auf reine Wasserstoffleitungen umgewidmet wurden. Wichtig ist auch die Werkstofftauglichkeit der vorhandenen Infrastruktur für den Wasserstofftransport. Mit den Ergebnissen soll ein Handbuch für die erfolgreiche Umwidmung von Erdgasleitungen als Leitfaden erstellt werden.
Das Projekt HyGrid2 wird vom Klima- und Energiefonds gefördert und innerhalb der Programmlinie „Vorzeigeregion Energie“ von WIVA P&G abgewickelt.

Projektkonsortium: Bilfinger Industrial Services GmbH, ÖVGW, DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH, Energienetze Steiermark GmbH, Materials Center Leoben Forschung GmbH, HyCentA Research GmbH, Montanuniversität Leoben – Lehrstuhl für Allgemeine und Analytische Chemie, WIVA P&G.

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