Ein Salzburger Forschungsprojekt nutzt Smart-Meter-Daten für stabilere Netze.
Der Photovoltaik-Boom bringt Salzburgs Stromnetz an seine Grenzen. „Durch den starken Ausbau der Photovoltaik sind unsere Niederspannungsnetze wesentlich höher ausgelastet als vor fünf Jahren“, erklärt David Grubinger vom Kompetenzcenter Strom der Salzburg Netz. „Viele Stränge in den Ortsnetzen müssen für den Anschluss weiterer PV-Anlagen verstärkt werden.“
Ebenhier setzt das Forschungsprojekt DAWN (Data-driven Analysis and Optimization of Low Voltage Networks) an. Unter der Leitung von Salzburg Research arbeiten die FH Salzburg, Salzburg AG, Salzburg Netz und die Innsbrucker Kommunalbetriebe bis Ende 2026 an einer Lösung. Das Ziel: aus vorhandenen Smart-Meter-Daten zusätzliche Informationen gewinnen, um teuren Netzausbau zu vermeiden, wo er nicht nötig ist.
„Momentan liefern Smart-Meter-Daten bestenfalls im 15-Minuten-Intervall-und diese werden erst am Ende des Tages übertragen“, erläutert Günther Eibl, Projektleiter an der Fachhochschule Salzburg. „Für die Netzplanung braucht es aber genauere Einblicke.“ Bei Engpässen müssen Erzeugungsanlagen begrenzt werden-dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz zufolge muss die Salzburg Netz dafür zusätzliche Signale senden. Mit voranschreitendem PV-Ausbau wird sich dieser Umstand verstärken.
Das DAWN-Team entwickelt Verfahren, die aus bestehenden Messdaten mehr herausholen. Durch Analyse von Verbrauchsmustern können die Forscher etwa erkennen, ob ein Haushalt eine PV-Anlage, eine Ladestation oder eine Wärmepumpe betreibt-ohne explizite Meldung. „Wir nutzen zusätzliche Informationen wie Wetterdaten und Modelle über das Verhalten von Batterien“, ergänzt Eibl. Denn besonders im Winter sei die Identifikation schwierig, sobald Eigenverbrauch die Einspeisung überlagert. Ein Schwerpunkt liegt auf Batteriespeichern. Viele private Batterien laden „egoistisch“: Sie füllen sich, sobald die PV-Anlage Überschuss produziert-und sind zu Mittag voll. „Dann können sie nicht mehr während der Mittagsspitze laden und den Peak verringern“, erklärt Günther Eibl. Intelligentere Steuerungen könnten das Netz entlasten, etwa durch angepasste Tarife als Anreiz.
Die Salzburg Netz hat vorgesorgt: Für PV-Anschlüsse gibt es eine automatisierte Beurteilung, die innerhalb von Minuten Rückmeldung gibt. „Mit den Erkenntnissen aus den Lastprofilen soll es künftig möglich sein, den zusätzlichen Leistungsbedarf nicht immer zu 100 Prozent berücksichtigen zu müssen“, erklärt Salzburg-Netz-Experte Grubinger. Wenn Verbrauchsspitzen zeitlich auseinanderfallen, kann auf teuren Netzausbau verzichtet werden.
Für die Energiewende rüstet Salzburg auf: Die 380-kV-Salzburgleitung schafft eine dritte Übergabestelle, zehn Umspannwerke entstehen innerhalb von zehn Jahren. „In vielen Netzteilen ist die Integration von Ladestationen und Wärmepumpen ohne Netzausbau möglich“, versichert Grubinger. „Die anderen Netze bauen wir bedarfsgetrieben weiter aus.“ Datenschutz hat im Projekt Priorität. „Wir haben als Organisation eine ganze Liste an Kriterien erfüllen müssen“, betont Eibl. Die Daten werden pseudonymisiert und dürfen nur im Projektrahmen verwendet werden.
Salzburger Nachrichten




