Österreichs größter Stromerzeuger hat eine Preissenkungsrunde eingeläutet. Haushalte müssen selbst aktiv werden, um Preisvorteile nutzen zu können. Ein Blick in den Tarifkalkulator der E-Control bringt Orientierung.
Guter Rat ist teuer, heißt es oft. Teuer war in den vergangenen Jahren vor allem die Energie. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, der sich am 24. Februar zum vierten Mal jährt, sind zuerst die Gas- und dann auch die durch sie beeinflussten Strompreise in nie zuvor gesehene Höhen geschnellt.
Die inzwischen erfolgte Diversifizierung der Bezugsquellen von Gas, das vor allem im Winter für die Stromerzeugung relevant ist und über weite Strecken auch dessen Preis bestimmt, sowie der Ausbau der Erneuerbaren haben dazu geführt, dass es wieder günstigere Angebote am Markt gibt. Als einer der ersten großen Player hat Verbund einen „Österreich-Tarif“ unter zehn Cent je Kilowattstunde (kWh) angekündigt. Viele Haushalte tun sich schwer mit der Einordnung und der Frage, ob man aktiv werden soll – und ob es möglicherweise noch bessere Angebote gibt. DER STANDARD hat Beispiele rechnen lassen.
Frage: Ab wann wird es den „Österreich-Tarif“ von Verbund geben?
Antwort: Der teilstaatliche Konzern hat einen Tarif „unter zehn Cent je kWh“ für März angekündigt. Beobachter gehen von 9,5 Cent netto aus, den Verbund als Arbeitspreis kommunizieren wird. Das Unternehmen will im Februar seine 440.000 Kunden und Kundinnen anschreiben und deren Zustimmung einholen, in den neuen, besseren Tarif zu wechseln.
Frage: Wie hoch ist der Tarif derzeit?
Antwort: Bestandskundinnen und -Kunden von Verbund zahlen aktuell 15,6 Cent je kWh. Dazu kommen noch Steuern und Abgaben sowie Netzgebühren. Letztere werden von der zuständigen Netzgesellschaft eingehoben, wobei die Höhe von der Regulierungsbehörde E-Control festgesetzt wird.
Frage: Wieso „Österreich-Tarif“?
Antwort: Weil dieser in ganz Österreich und nicht nur in einzelnen Bundesländern angeboten wird und auch Neukunden offensteht, die bisher von einem anderen Lieferanten beliefert wurden.
Frage: Warum haben sich die Stromanbieter bei den Preisen lange Zeit kaum bewegt und plötzlich gibt es deutlich günstigere Angebote?
Antwort: Verbund könne diesen Schritt machen, „weil im Zuge der Normalisierung der Strompreise uns auch die Beschaffung diesen Spielraum gibt“, hat Verbund-Chef Michael Strugl argumentiert. Man liegt aber wohl nicht ganz falsch in der Annahme, dass sowohl das Wirtschaftsministerium, das für den Strommarkt zuständig ist, als auch das Finanzministerium, das über die Beteiligungsholding Öbag 51 Prozent an Verbund hält, indirekt sanft Druck gemacht haben, dass es zeitnah zu einer Preissenkung kommt.
Frage: War es das – oder werden Landesenergieversorger nachziehen mit den Preisen?
Antwort: Dem Vernehmen nach hat die angekündigte Preissenkung von Verbund für Unruhe in der Branche gesorgt. Noch hat kein anderes Unternehmen eine konkrete Ankündigung gemacht. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass andere Energieversorger dem Verbund-Beispiel folgen und ebenfalls Preissenkungen ankündigen, um im Wettbewerb mithalten zu können. Außerdem zeigen die Preise auf den Terminmärkten nach unten.
Frage: Wie attraktiv ist der „Österreich-Tarif“ im Vergleich zu den Tarifen für Neukunden und -kundinnen von Verbund bzw. von Wien Energie?
Antwort: DER STANDARD hat das arbeitnehmernahe Momentum Institut um eine Berechnung gebeten. Demnach kann sich ein Zwei-Personen-Haushalt im ersten Jahr 55 Euro ersparen, wenn er statt eines Neukundenvertrags bei Wien Energie einen Vertrag bei Verbund im „Österreich-Tarif“ abschließt. Ab dem zweiten Jahr kann sich derselbe Haushalt sogar 130 Euro ersparen. Bei einem Drei-Personen-Haushalt macht die Ersparnis laut den Berechnungen 74 Euro aus, ab dem zweiten Jahr sogar 308 Euro. Das deshalb, weil Wien Energie für das erste Jahr noch einen Rabatt vergibt.
Frage: Was gilt es zu beachten?
Antwort: Im ersten Jahr gibt es laut Momentu- Institut keinen Vorteil für potenzielle Neukunden von Verbund im „Österreich-Tarif“, weil der teilstaatliche Konzern schon jetzt einen Wechselrabatt anbietet, nämlich „5 Monate Gratis Strom“. Bleibt die Grundpauschale unverändert, würde sich sogar ein finanzieller Verlust von 60 (Zwei-Personen-Haushalt) beziehungsweise 72 Euro (Drei-Personen-Haushalt) ergeben, hat das gewerkschaftsnahe Institut festgestellt. Ab dem zweiten Jahr bringt der „Österreich-Tarif“ einen deutlichen Preisvorteil, der in den nachfolgenden Jahren bleibt. Er macht für einen Zwei-Personen-Haushalt 197 Euro aus, für einen Haushalt mit drei Personen 403 Euro pro Jahr. Der Verbund-Tarif bringt daher vor allem langfristig eine hohe Kostenersparnis.
Frage: Geht es noch günstiger?
Antwort: Es gibt kleinere Anbieter, die schon länger ähnliche Preise wie Verbund mit seinem „Österreich-Tarif“ bieten – oder sogar darunter liegen. Am besten ist ein Blick in den Tarifkalkulator der E-Control, auf den von Gesetzes wegen ab sofort auch auf allen Stromrechnungen hingewiesen werden muss.
Der Standard





