
Der russische Ölkonzern Lukoil verkauft seine in Wien ansässige internationale Zentrale an den US-Finanzinvestor Carlyle. Der Kaufvertrag wurde bereits unterzeichnet, damit geht die Lukoil International GmbH mit Sitz am Schwarzenbergplatz, die als operative Drehscheibe für Assets von Europa bis Mexiko fungiert, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen in US-amerikanische Hände über. Der Transaktionswert wird von Branchenexperten auf 22 Mrd. US-Dollar (19 Mrd. Euro) geschätzt.
Die Lukoil International GmbH ist eine 100-Prozent-Tochter des Mutterkonzerns und steuert von Wien aus knapp 30 Tochterfirmen in rund 20 Staaten. Im österreichischen Firmenbuch wies die Gesellschaft zuletzt ein Anlagevermögen von mehr als 16 Mrd. Euro aus. Zu den Assets gehören Raffinerien in Bulgarien, Rumänien und den Niederlanden sowie ein weltweites Tankstellennetz.
In Wien selbst sind laut Wirtschaftscompass zuletzt über 200 Mitarbeiter beschäftigt gewesen – davon entfiel der Großteil (142 Mitarbeiter) auf die Lukoil Lubricants Europe GmbH in der Donaustadt und 67 Mitarbeiter auf die Holding am erst kürzlich für 30 Mio. Euro renovierten Standort am Schwarzenbergplatz.
Sicherung des Standorts
Mit dem Einstieg von Carlyle könnte eine monatelange Hängepartie für die österreichischen Töchter enden. Seit die US-Regierung unter Donald Trump im Oktober 2025 Sanktionen verhängt hatte, drohte den Wiener Gesellschaften die operative Handlungsunfähigkeit. Experten warnten vor dem Verlust von Bankverbindungen, da heimische Institute Sekundärsanktionen fürchteten. Das österreichische Wirtschaftsministerium beobachtete die Causa zuletzt „sehr genau“ und drängte auf „rasche Klarheit“, da europaweit rund 10.000 Arbeitsplätze und die Versorgungssicherheit an der Lukoil-Infrastruktur hingen.
Erste wirtschaftliche Folgen waren in Österreich bereits spürbar: Sponsoring-Partner wie der Fußballklub Austria Wien und der Österreichische Tennisverband hatten ihre Verträge mit Lukoil bereits kurz nach Bekanntwerden der Sanktionen gekündigt.
Dritter Anlauf für einen Verkauf
Der Deal mit Carlyle ist nicht der erste Versuch, das Auslandsvermögen zu retten und die Auflagen des US-Finanzministeriums zu erfüllen, das den Verkaufserlös auf ein gesperrtes Treuhandkonto lenken will.
Im November scheiterte ein Verkauf an den Schweizer Rohstoffhändler Gunvor. Das US-Finanzministerium blockierte den Deal und bezeichnete Gunvor als „Marionette des Kremls“, da der als Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin geltende Mitgründer Gennadi Timtschenko einst an der Firma beteiligt war – obwohl er sich längst zurückgezogen hatte. Im Dezember sorgte das Interesse des österreichischen Geschäftsmanns und ehemaligen Pornhub-Eigentümers Bernd Bergmair für Aufsehen. Er hatte die Wiener Holding als „großartige Investition“ bezeichnet, kam aber nicht zum Zug.
Kasachstan ausgenommen
Vom Verkauf an Carlyle explizit ausgenommen sind die Lukoil-Beteiligungen in Kasachstan, darunter Anteile am riesigen Tengis-Ölfeld. Hier verhandelt die kasachische Regierung über eine separate Lösung. Der Carlyle-Deal steht noch unter dem Vorbehalt einer Buchprüfung und der Genehmigung durch die US-Behörde OFAC.
Aus dem Kreml gab es am Donnerstag nur eine knappe Reaktion. Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete die US-Sanktionen zwar erneut als „illegal“, wollte die spezifische Einigung mit Carlyle jedoch nicht kommentieren. Man bestehe aber darauf, dass die Interessen des russischen Unternehmens gewahrt blieben.
APA/dpa-AFX/Reuters



