Die Branche sieht keine unmittelbaren Auswirkungen durch den Iran-Krieg – und den Ausbau der heimischen Erzeugung als Schutz vor Krisen.
Nach der Regierung hat jetzt auch die E-Wirtschaft Entwarnung gegeben: An den Strompreisen der Haushalte wird der Krieg im Nahen Osten vorerst nichts ändern, schon gar nicht für jene, die eine Preisgarantie haben. Daher sei, entgegen manchen politischen Forderungen, in diesem Jahr kein staatlicher Eingriff notwendig – und auch nicht im nächsten.
Sollte der Konflikt länger dauern, wird sich das aber in den Preisen niederschlagen. Und dagegen hilft nach Ansicht der Stromwirtschaft am besten der Ausbau der eigenen Ressourcen. Der Ruf nach zusätzlicher Erzeugung aus Wasser-, Wind- und Solarkraft habe nicht nur mit Klimaschutz zu tun, sondern vor allem seine Begründung in Resilienz und Preisstabilisierung, betont Michael Strugl, Präsident des Branchenverbands Oesterreichs Energie und Chef des teilstaatlichen Stromkonzerns Verbund. Er wundere sich, warum das noch immer so wenig thematisiert werde. „Man sagt immer, das ist ein grünes Argument, aber das ist ein rot-weiß-rotes Argument. Wir brauchen mehr eigene Erzeugung.“
Die Verdoppelung der Gaspreise und erhöhte Ölpreise schadeten der Volkswirtschaft, so Strugl. Österreich werde nie völlig unabhängig von Importen sein. Die rund 10 Mrd. Euro, die jährlich für Öl- und Gasimporte ausgegeben werden – und in einem Jahr mit Krisen noch mehr –, könnten besser eingesetzt werden. Hierzulande gebe es nicht viel Öl- oder Gasvorkommen, aber wir hätten viele Möglichkeiten der Stromerzeugung.
Wie groß das Potenzial und der Bedarf bis 2040 sind, hat Oesterreichs Energie vom Beratungsunternehmen Compass Lexecon neu errechnen lassen. Denn die große Steigerung der Nachfrage habe sich noch nicht eingestellt, weil die schwache Konjunktur und die höheren Netzkosten den Druck erhöhten.
Das Ergebnis in aller Kürze: Der Strombedarf wird von derzeit 80 auf 115 Terawattstunden steigen und damit weniger als in der letzten Studie angenommen. Dafür verantwortlich sei vor allem das langsamere Wachstum der Wasserstofferzeugung. „Wenn man Planung an die Realität anpasst, bedeutet das auch, dass man weniger investieren muss“, so Strugl. Das werden auch die Stromkunden positiv spüren. „Wir können nicht ein Stromsystem für Pfingstsonntag bauen.“ Daher sollte auch die offizielle Planung, also der „Integrierte österreichische Netzinfrastrukturplan (ÖNIP)“ angepasst werden, der immer noch von einem Erzeugungsziel von 135 TWh bis 2040 ausgeht.
Der Fokus muss laut dem Branchenverband künftig stärker auf den Ausbau der Windkraft gelegt werden und auf Anreize für systemdienliches Verhalten, insbesondere für Betreiber der Hunderttausenden Photovoltaikanlagen. Dazu müssten unter anderem die im neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz vorgesehene Spitzenkappung – für neue Anlagen – konsequent umgesetzt, die Netzkosten nach der Leistung statt nur nach dem Verbrauch berechnet und die Einspeistarife an die tatsächlichen Marktpreise angepasst werden. Deutschland zahle mittlerweile bei negativen Strompreisen nicht mehr.
„Es geht um eine kluge, integrierte Art des Ausbaus und um einen ausgewogenen Mix“, betont Strugl. „Das haben wir nicht optimal hingekriegt bis jetzt.“ Beim Ausbau der Wasserkraft sieht die E-Wirtschaft Österreich auf einem guten Weg. Probleme bereiteten aber lange Genehmigungsverfahren. „Jede Verzögerung kostet uns Geld“, sagt der Chef des größten Stromkonzerns des Landes. Im Rahmen der Industriestrategie hat das Wirtschaftsministerium auch eine Potenzialanalyse zur Wasserkraft in Auftrag gegeben, sie soll bis Ende des Jahres fertig werden.
Bei der Windkraft liegt der Zubau weiter hinter den Ausbauzielen. Es gebe viele Projekte, aber „wir kriegen die nicht schnell genug in die Umsetzung“. 2025 und der Jahresbeginn 2026 seien dramatische Beispiele, wie wichtig Windkraft wäre, um die Winterlücke zu schließen.
„Ich hoffe, dass diejenigen, die jetzt nach Krisenmechanismen schreien, umdenken“, betont Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Sie appelliere daher an die Ländervertreter, Wasserkraft und Windkraft zu unterstützen. Sollte es tatsächlich wieder zu Eingriffen in die Strompreise kommen, sollten diese temporär und zielgerichtet sein und in den EU-Ländern ähnlich, fordert der Verband. Bisher gebe es viele verschiedene Vorschläge, aber keine Lösung. Was immer es ist, es darf nie wieder so sein wie 2022, sagt Schmidt.
Monika Graf
Salzburger Nachrichten





