Strom. Auf den Boom folgt der Kater: Laut Daten der Kreditschützer hat sich die Zahl der Insolvenzen in der Solarbranche mehr als verdoppelt. Mitauslöser ist die Förderkürzung. Wer für sein Kraftwerk am Dach noch Geld will, sollte sich beeilen.
Die letzte Sterbemeldung kam aus Tirol: Vor wenigen Tagen wurde am Landesgericht Innsbruck das Insolvenzverfahren gegen die Fusionlights Energiesysteme GmbH eröffnet. Das Unternehmen hat sein Geld mit dem Handel und der Montage von PV-Anlagen verdient – oder zuletzt eben nicht mehr verdient. Fusionlights konnte seinen Zahlungsverpflichtungen nicht länger nachkommen und ist damit bei weitem kein Einzelfall in Österreich.
Jahrelang war die heimische Solarindustrie eine regelrechte Boombranche. Üppige Förderungen und ein hoher Strompreis haben das eigene Sonnenkraftwerk am Dach zum scheinbar idiotensicheren Investment gemacht. Frühere Ausbauzahlen wurden pulverisiert, haufenweise neue Unternehmen sprangen auf die Welle auf – und werden gerade unsanft abgeworfen.
Der große Hype ist vorbei
Wenn man so will, wurde die Solarbranche Opfer ihres eigenen Erfolgs. In den Jahren 2022 und 2023 wurden so viele neue Photovoltaikanlagen im Land installiert, dass die Netzbetreiber auf die Bremse steigen mussten und immer mehr Solaranlagen den Zugang zum Netz verweigerten. Zudem ist Strom auf den Märkten heute wieder deutlich billiger zu haben und auch die Politik hat bei den Subventionen den Rotstift angesetzt.
Kleine Solaranlagen würden sich auch ohne staatliche Förderung rechnen, gab E-Control-Chef Wolfgang Urbantschitsch schon vor einem Jahr zu Protokoll. Die Regierung sieht es ähnlich, strich die Mehrwertsteuerbefreiung für Private und kappte das Fördervolumen. Das Ergebnis: Im Jahr 2025 wurden mit rund 1500 Megawatt (MW) etwa ein Viertel weniger Solaranlagen neu installiert als 2024, schätzt der Bundesverband Photovoltaic Austria. Der politische Zielwert von 2000 MW im Jahr wird damit klar verfehlt.
Das spüren auch die vielen Solarunternehmen, die im festen Glauben, dass der Boom ewig weitergehe, ihre Lager und Mitarbeiter stark aufgestockt hatten. Immer mehr von ihnen werfen das Handtuch. Darunter auch bekanntere Namen wie 10hoch2, die gemeinsam mit Burgenland Energie die größte Dachanlage Österreichs errichtet hat, oder der ehemalige Voestalpine-Partner Sun Contracting. Aber auch Firmen wie Profi-PV-Anlagen, Meine Heimenergie, Ökovoltaik GmbH, Sun PV oder H+S Solartechnik sind in den letzten Monaten verschwunden.
Die anekdotischen Einzelfälle zeigen auch in der Insolvenzstatistik des KSV1870: Einen eigenen Branchencode für Solarunternehmen gebe es zwar nicht, sagt Experte Markus Hinterberger zur „Presse“. Viele würden sich aber im Bereich „Elektroinstallationen“ wiederfinden. Im Jahr 2022 gingen dort nur 58 Unternehmen pleite. 2024 und 2025 waren es mit jeweils rund 120 mehr als doppelt so viele. Die Passiva sind im selben Zeitraum von 24 auf 68 Millionen Euro angestiegen. „Rund ein Viertel der insolventen Unternehmen waren aus der Solarbranche“, schätzt Gläubigerschützer Hinterberger. „Tendenz steigend.“
Natürlich seien die Insolvenzen in der gesamten Wirtschaft zuletzt gestiegen, aber gerade das Interesse an Photovoltaikanlagen auf dem Dach „geht derzeit stark zurück“, sagt Vera Immitzer, Geschäftsführerin des Bundesverband Photovoltaic Austria zur „Presse“.
Firmen haben sich verschätzt
Viele junge Unternehmen hätten „unterschätzt, wie volatil der PV-Markt sein kann“. Auch die Tiroler Fusionlights war erst 2022 – mitten in der Energiekrise – gegründet worden. Damals kostete eine Kilowattstunde aus der Steckdose schon einmal 50 Cent. Eine eigene Solaranlage hat sich rasch gerechnet. Heute muss knapper kalkuliert werden und nicht jedes Projekt ist rentabel.
Dazu kommen die Förderkürzungen, deren wahres Ausmaß erst seit Kurzem bekannt ist. Über Weihnachten hat die Koalition die neuen Fördertarife in Begutachtung geschickt und am Freitag final veröffentlicht. Statt die Subventionen wie angekündigt auf dem Niveau von 2025 zu lassen, schrumpft der Topf nun um zwei Drittel auf knapp 60 Millionen Euro. „So geht man mit einer Branche nicht um“, ärgert sich Immitzer. Alle Unternehmen müssten ihre Projekte nun neu planen – und nicht wenige wohl auch einstampfen.
Voller Fördertopf im Frühling
Die Änderungen treffen auch Haushalte mit kleineren PV-Anlagen. Diese erhalten fixe Investitionszuschüsse nach Anlagengröße (kWp). Bis zehn kWp sind das 150 Euro/kWp, bis zwanzig kWp 140 Euro/kWp. 2025 gab es um je zehn Euro je kWp mehr. Für 2026 sind drei Förder-Calls geplant: vom 23. April bis 11. Mai, vom 16. bis 30. Juni und vom 8. bis 22. Oktober. Wer dabei sein will, sollte sich beeilen. Mit 40 Millionen Euro wird der Großteil der Mittel im Frühling verteilt. Im Juni und Oktober kommen nur noch zwölf bzw. acht Millionen Euro frisch in den Topf.
Von Matthias Auer
Die Presse



