Von 2022 bis 2024 fiel die Menge an klimaschädlichen Gasen um 15 Prozent. Für 2025 zeigt eine Abschätzung des Umweltbundesamts wieder ein Plus von 1,5 Prozent. Der Kauf von Zertifikaten wird nicht ausgeschlossen.
Die ersten Einschätzungen deuten darauf hin, dass es 2025 einen leichten Anstieg der Treibhausgas-Emissionen um eineinhalb Prozent gibt“, sagt Umweltminister Totschnig (ÖVP) am Mittwoch. „Die Gründe dafür sehen wir vor allem im Bereich des Emissionshandels.“ Zum einen war der Heizbedarf aufgrund der kälteren Wintermonate höher. „Darüber hinaus hat es rund ein Viertel weniger erneuerbare Stromproduktion gegeben“, erklärt Totschnig. Hauptgrund dafür waren die Laufkraftwerke, die aufgrund niedriger Wasserstände nicht die volle Leistung bringen konnten. Um die Lücke zu schließen, mussten Gaskraftwerke mehr Strom liefern.
Damit zeichnet sich in der Treibhausgasbilanz eine Trendwende ab. Waren die Emissionen im Zeitraum von 2022 bis 2024 um insgesamt 15 Prozent zurückgegangen, so gab es im Vorjahr wieder ein Plus. Die Rede ist vom gesamten Treibhausgasausstoß. Dieser wird in der Klimapolitik in zwei verschiedene Bereiche untergliedert: In den Emissionshandel, der durch die EU geregelt wird und weite Teile des Industrie- und Energiesektors umfasst. Und in den Bereich, für den die EU-Mitgliedstaaten selbst verantwortlich sind – dazu zählen die Sektoren Verkehr, Landwirtschaft und Gebäude.
Damit die EU ihr Klimaziel erreichen kann, hat sie jedem Mitgliedsstaat ein Ziel bis 2030 vorgegeben. Österreich muss in den Sektoren, die nicht vom Emissionshandel umfasst sind, die Menge an klimaschädlichen Gasen von 2005 bis 2030 um 48 Prozent reduzieren. Schafft die Republik das nicht, muss sie dies mit Emissionszertifikaten ausgleichen. Diese müsste sie von Staaten zukaufen, die ihre Ziele übererfüllt haben. Laut einer Analyse, die das Finanzministerium in Auftrag gab, kann das bis zu 5,9 Milliarden Euro kosten.
Kauf nicht ausgeschlossen
Wie hoch der Preis sein wird, hängt auch davon ab, wie viele Emissionszertifikate im Jahr 2030 auf dem Markt sein werden. „Für den Zeitraum 2021 bis 2025 erwarten wir keine Notwendigkeit, Zertifikate zu kaufen“, sagt Totschnig. Allerdings wird erst 2030 abgerechnet. Über den gesamten Zeitraum bis 2030 schließt der Minister den Zukauf von Zertifikaten nicht mehr explizit aus. Er sagt lediglich: „Für den weiteren Zeitraum ist es unser Ziel, dass wir ausreichend Maßnahmen setzen, um keinen Zukauf tätigen zu müssen.“
Im Bereich abseits des Emissionshandels rechnet Totschnig im Jahr 2025 mit einem leichten Rückgang der Emissionen. Aber alles deutet darauf hin, dass diese Ersparnis viel zu klein sein wird, um auf dem Pfad für das Klimaziel 2030 zu bleiben. Vergangene Woche hat DER STANDARD über eine neue Vorhersage des Umweltbundesamts berichtet, die es im Auftrag des Finanzministeriums erstellte. Demnach wird Österreich das Klimaziel selbst dann verfehlen, wenn alle versprochenen Klimaschutzmaßnahmen des Regierungsprogramms umgesetzt würden. In dem Fall würde Österreich im Jahr 2030 noch immer 13,1 Millionen Tonnen CO2 zu viel ausstoßen.
Besser als erwartet fällt die Klimabilanz für 2024 aus. Im August ging das Umweltbundesamt noch von einem Minus von 2,7 Prozent aus. Laut der finalen Treibhausgasbilanz des Umweltbundesamts für 2024 beträgt das Minus nun drei Prozent.
Der Standard



