Trump und langwierige Genehmigungen nerven Windkraft

23. Jänner 2026, Davos

Erneuerbare Energie. Windkraft-Verbände kritisieren Trumps Rede in Davos und drängen darauf, fossile Importe zu reduzieren.

„In Europa gibt es überall Windräder und sie sind Verlierer. Je mehr Windräder ein Land hat, desto mehr Geld verliert es.“ Bei der Rede von US-Präsident Donald Trump am Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos bekam eine ganze Branche gehörig ihr Fett ab. Der heimische Verband IG Windkraft und seine europäische Dachorganisation WindEurope wollen das aber nicht auf sich sitzen lassen.


Despoten-Tausch bei Gas


„Jede Kilowattstunde Wind ist eine kWh weniger Öl und Gas, die Trump gerne nach Europa exportieren würde“, sagt Florian Maringer, Geschäftsführer der IG Windkraft. Erneuerbare Energie senke den Strompreis und sorge für mehr Unabhängigkeit. Bei Erdgas hingegen sei Europa dabei, „einen Despoten durch einem anderen zu ersetzen“ (Putin mit Trump).
Das Gegenteil dessen, was Trump sagt, sei der Fall, meint auch Christoph Zipf von WindEurope. „Windenergie ist ein Garant für Energiesicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.“ 2024 gab Europa fast 400 Milliarden Euro für fossile Energieimporte aus. „Da wird viel Geld verschenkt“, sagt Zipf. Mit Windkraft erzeuge man dagegen Wertschöpfung am eigenen Kontinent.


Beschleunigungsbedarf


Der europäische Champion beim Windkraft-Ausbau sei eindeutig Deutschland, so Zipf. „Man sieht dort, was möglich ist, wenn politischer Willen da ist.“ Genehmigungen für Windkraftprojekte würden dadurch viel schneller „angeschoben“. In Österreich höre man laut Maringer oft: „Die Ausbauziele können wir gar nicht erreichen. Das ist so ein Austriacum. Vielleicht haben wir deshalb alle Fitnesscenter-Abos, die wir nicht nutzen.“


Tatsächlich stecke eine Vielzahl von Projekten in Genehmigungsverfahren fest. In Summe kämen sie auf eine Erzeugungsleistung von 3.405 Megawatt. Gemessen an rund 4.200 MW bestehender Windkraftleistung entspreche das mehr als drei Vierteln des heutigen Bestandes. Theoretisch gebe es viel verfügbare Kapazität für Projekte, auch in den Bergen im Westen des Landes. 2025 sind in Österreich 48 Windkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 285,3 Megawatt errichtet worden. 2026 werden 44 Anlagen mit 251 MW Leistung erwartet.
Neben langwierigen Genehmigungsverfahren seien der langsame Stromnetzausbau und die schleppende Elektrifizierung (etwa von Mobilität und Industrie) für die Windkraft problematisch.


Weniger Risikoaufschlag


Die Finanzierung von Projekten sei dagegen relativ unproblematisch. Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) schaffe in vielen Punkten Klarheit, für die es seitens Banken bisher Risikoaufschläge gegeben habe.
Zur Elektrifizierung werde die EU bald einen neuen „Electrification Action Plan“ hervorbringen, kündigt Zipf an. Er soll z. B. dafür sorgen, dass Industrieunternehmen ihre Prozesse von Öl und Gas auf Strom umstellen und dadurch den Stromverbrauch in Einklang mit dem Erneuerbaren-Ausbau bringen.

Kurier