EVN zieht beim Strompreis mit Verspätung nach

27. Jänner 2026

Nachdem der Verbund seine Preise gesenkt hat, kommt auch bei einigen Landesenergieversorgern Bewegung in die Preispolitik

Als Erster hat sich der Verbund bewegt, der mit seinem als „Österreich-Tarif“ den Strompreis im März um etwa ein Drittel auf weniger als zehn Cent pro Kilowattstunde senken wird. Dem Vernehmen nach hat diese Ankündigung für Unruhe in der Branche gesorgt. Es war eine Frage der Zeit, bis andere Anbieter nachziehen, denn das Angebot des Verbund gilt österreichweit und sowohl für Neu- als auch Bestandskunden – zumal auch die Preise auf den Terminmärkten nach unten zeigen. Nun hat auch die niederösterreichische EVN eine Preissenkung angekündigt.
Mit Anfang April kommen bei dem in Maria Enzersdorf ansässigen Landesenergieversorger die Preise ins Rutschen, Neu- und Bestandskunden will man einen Tarif von durchschnittlich zehn Cent verrechnen und im Sommer zusätzlich einen Rabatt während des Sonnenfensters zwischen zehn und 16 Uhr einräumen. Im Vergleich zum April des Vorjahres ergebe das für einen Durchschnittskunden (3500 kWh / Jahr) eine Ersparnis von etwa 190 Euro oder 15,5 Prozent niedrigere Stromkosten jährlich.


Allerdings gilt das Angebot nur für niederösterreichische Haushalte im Gebiet der EVN-Tochter Netz Niederösterreich GmbH. Unternehmenssprecher Stefan Zach erklärt das mit dem Zusammenschluss zur Energie Allianz, der auch Burgenland Energie und Wien Energie angehören. „Wir haben die Entscheidung getroffen, nicht außerhalb des eigenen Versorgungsgebiets anzubieten“, sagt Zach. Man wolle den Marktanteil in Niederösterreich von derzeit knapp 70 Prozent wieder ausbauen. „Jeder Energielieferant kann seine Angebote frei gestalten“, heißt es dazu aus der E-Control.


Die Neos fordern bereits länger, dass die Landesenergieversorger verpflichtet sein sollten, bundesweit ihre Produkte anzubieten, um den Wettbewerb anzufachen, sagt die Energiesprecherin der Regierungspartei, Karin Doppelbauer. Dass die großen Energieversorger sich querlegen, liege an den vielen problematischen Kreuzbeteiligungen in der Branche: Im Regelfall will keiner dem anderen wehtun, weil man sich damit selbst wehtun würde. Auch die Energie Steiermark will „im ersten Halbjahr“ die Preise dämpfen. Wien Energie und Kelag verwiesen auf erfolgte Senkungen.


Dass der Verbund vorgeprescht ist mit seiner Preissenkung, wirft die Frage auf, warum genau jetzt? Der Rückgang der Preise an den Strombörsen für 2027 kann nur einen Teil der Preissenkung erklären, sagt der Energiemarktexperte Lukas Stühlinger von Fingreen. Wäre für die Entwicklung allein der erwartete Marktpreis relevant, hätte der Verbund seine Preise schon früher senken müssen. Im Hintergrund dürften die Diskussionen über den Wasserzins eine Rolle gespielt haben: Die Regierung prüft die Einführung einer solchen Abgabe auf abgeschriebene Wasserkraftwerke. SPÖ und Neos sind dafür, ÖVP dagegen. Mit der Tarifsenkung dürfte der Verbund versuchen, solchen Plänen zuvorzukommen. Dem Beispiel folgen nun offenbar andere.


Höhere Heizkosten drohen


Während es bei den Stromkosten tendenziell nach unten geht, könnte der strenge Winter den Konsumenten einen Strich durch die Energiekostenrechnung machen. Obwohl die Energiepreise 2025 in Österreich vielerorts gesunken sind, müssen sich die Verbraucher aufgrund der eisigen Temperaturen auf höhere Heizkostenabrechnungen einstellen, prognostiziert das Techem Research Institute on Sustainability. Demnach dürften die Abrechnungen für das Jahr 2025 im Schnitt um 8,3 Prozent höher ausfallen als 2024. Der Serviceanbieter analysierte anhand von Wetterdaten die theoretische Heizbedarfsänderung der 45 größten Gemeinden Österreichs zusammen mit den Durchschnittspreisen der Energieträger.


Der höhere Heizbedarf „überkompensiere“ die gesunkenen Preise für Gas (minus 6,0 Prozent), Heizöl (minus 5,7 Prozent) und Fernwärme (minus 0,01 Prozent). In der Energieagentur verweist man darauf, dass der langfristige Trend bei den Preisen weiter bergab zeige. Aber mit dem kalten Winter steige der Verbrauch bei allen Heizsystemen. Den zuletzt deutlich gestiegenen europäischen Gaspreis spüren jene mit Floatertarifen gleich, sagt Lukas Zwieb von der Energieagentur. Und: „Bei all jenen, die mit Gas heizen, könnte nicht nur aufgrund eines zu niedrig eingeschätzten Verbrauchs eine höhere Nachzahlung drohen: Erstmals mit Jänner kommen auch die höheren Netzentgelte zum Tragen.“

Der Standard