Thunberg und Co. warfen EU Schönrechnerei vor

5. Oktober 2020, Stockholm

Führende Klimaschützerinnen um die Schwedin Greta Thunberg werfen der EU Schönrechnerei bei ihren Klimazielen vor. Da das vorgeschlagene Ziel einer Emissionsverringerung um 55 Prozent auf dem Vergleichsjahr 1990 basiere, würden dabei die territorialen Rückgänge der vergangenen 30 Jahre – etwa 23 Prozent – miteingerechnet, schrieben Thunberg, ihre deutsche Mitstreiterin Luisa Neubauer und die beiden Belgierinnen Adelaide Charlier und Anuna de Wever auf der Plattform „Medium“.

Damit sei das 55-Prozent-Ziel der EU-Kommission gemessen an den Werten von 2018 in Wirklichkeit eher ein 42-Prozent-Ziel. Hinzu komme, dass bei den vorgeschlagenen Emissionsminderungen nicht der internationale Flugverkehr, die Schifffahrt und auch nicht die Herstellung von Gütern außerhalb der EU dazugezählt werde, schrieben die vier Aktivistinnen in dem am Sonntagabend veröffentlichten Meinungsbeitrag.

Große Teile der CO2-Verringerungen seit 1990 seien darauf zurückzuführen, dass europäische Fabriken und ihre Ausstöße in andere Weltteile exportiert worden seien. Ob ein in China hergestellter Laptop oder eine Jeans aus Bangladesch: Die bei der Produktion solcher Produkte entstandenen Emissionen tauchten überhaupt nicht auf EU-Seite auf, kritisierten sie. Und eine kurze Zugfahrt von Köln nach Aachen resultiere in mehr Emissionen in der EU-Zählung als ein Hin- und Rückflug nach Buenos Aires oder Bangkok.

„Die EU mogelt mit den Zahlen – und klaut unsere Zukunft“, erklärten Thunberg und ihre Mitstreiterinnen. Die Ziele und Statistiken der EU müssten letztlich alle EU-Emissionen beinhalten. Zugleich sei die Zeit der kleinen Schritte lange vorbei: Die vorgeschlagenen 55-, 60- und 65-Prozent-Ziele der EU bis 2030 entsprächen in keiner Weise den Zielen des Pariser Weltklimaabkommens.

APA/dpa

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