Deutsche Regierung sieht Gasversorgung in Deutschland gesichert

24. September 2021, Berlin

Die deutsche Regierung sieht derzeit keine Engpässe bei der Gasversorgung in Deutschland. Die Gasspeicher seien auch im internationalen Vergleich gut gefüllt, zum Beispiel viel mehr als in Großbritannien, sagte am Freitag eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin.

APA/dpa

Versorger zögern mit Gaspreiserhöhungen

24. September 2021, Wien
Preise ziehen momentan nicht an
 - Vluyn, APA/dpa

Nach der Ankündigung einer kräftigen Gaspreiserhöhung durch den Anbieter Montana setzt der niederösterreichische Energieversorger EVN hinsichtlich einer möglichen Anhebung auf Abwarten. In Oberösterreich verwies der Landesversorger Energie AG auf die noch bis Anfang 2022 geltende Preisgarantie. Die Salzburg AG hat den Gaspreis erst Anfang August sogar gesenkt. Bei der E-Control erwartet man aber insgesamt doch 20 bis 30 Prozent Preiserhöhung.

APA

Montana erhöht Gaspreis in Österreich

24. September 2021, Wien
Montana erhöht Gaspreis um 67 Prozent
 - Würzburg, APA/dpa

Als erstes Unternehmen in Österreich hat der aus Deutschland stammende Energiehändler Montana eine Erhöhung der Gaspreise angekündigt - per Anfang November. Das berichtet der "Standard" in seiner Freitagausgabe. Der Arbeitspreis verteuert sich demnach um 67 Prozent. Die Arbeiterkammer (AK) hält diesen Schritt für nachvollziehbar, wenn man sich die Preisentwicklung der letzten Monate am europäischen Gasgroßhandelsmarkt vergegenwärtige.

APA

DIW kritisiert Politik für Abhängigkeit von russischem Gas

24. September 2021, Berlin/Moskau
Teil der Gaspipeline Nord Stream 2
 - Lubmin, APA/AFP

Angesichts gestiegener Gaspreise hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Kritik an der Politik geübt und das Problem als "hausgemacht" bezeichnet. Deutschland habe sich zu sehr von russischem Gas abhängig gemacht und gleichzeitig die erneuerbaren Energien nicht schnell genug ausgebaut, sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert Donnerstag dem Fernsehsender Phoenix.

APA/ag

Teurer Winter für Gasverbraucher

24. September 2021

Die Gaspreise, die im Vorjahr Corona-bedingt stark gefallen sind, haben zu einem Höhenflug angesetzt. Die Speicher in Europa und auch in Österreich sind vergleichsweise schwach gefüllt, in Deutschland gibt es schon erste Preisanhebungen.

Es sind noch immer gut 900.000 Haushalte, die in Österreich mit Gas heizen, und noch etliche mehr, die auch mit Gas kochen. Auf sie kommen harte Zeiten zu, spätestens dann, wenn es um die Begleichung der Gasrechnung geht. Denn diese wird im Schnitt um einiges deftiger ausfallen als bisher gewohnt. Dafür ausschlaggebend sind die seit Monaten steigenden Gaspreise im europäischen Großhandel, die wiederum maßgeblich sind für die dazwischengeschalteten Händler und heimischen Gasversorger.

„Noch sind uns keine Ankündigungen von Preiserhöhungen bekannt geworden“ sagt Carola Millgramm, Leiterin der Gasabteilung bei der Regulierungsbehörde E-Control, im Gespräch mit dem STANDARD. Anders sei es in Deutschland, wo bereits einige Gasversorger Preiserhöhungen von zehn, elf oder mehr Prozent angekündigt haben, teilweise schon ab Oktober. Abhängig davon, wer wann und zu welchen Konditionen Gas eingekauft habe, müsse dies frühe oder später wohl in Form höherer Preise weitergeben.

Der Standard

Gaskrise trifft britisches Königreich hart

24. September 2021

Die stark steigenden Preise für Erdgas bedrohen kleinere Energieanbieter – die ersten Anbieter sind schon pleite

Die Gaskrise beschäftigt ganz Europa, aber Großbritannien trifft sie besonders hart. Wegen der stark gestiegenen Preise für Erdgas droht vielen britischen Energieversorgern die Insolvenz. Seit August gingen schon sieben kleinere Energieunternehmen pleite. Über die nächsten Monate könnten dutzende folgen. Doch der britische Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng will „schlecht geführten Unternehmen nicht helfen“ und „Versagen nicht belohnen“.
Kommentatoren nennen es den perfekten Sturm, der sich für Großbritanniens Energiesektor zusammengebraut hat. Die Gasförderung in der Nordsee hat seit den 1980er-Jahren, als man noch Nettoexporteur war, stark nachgelassen. Heute muss das Königreich rund die Hälfte seines Bedarfs importieren.

Mit dem Abebben der Corona-Pandemie ist die weltweite Nachfrage nach Erd- und Flüssiggas stark gestiegen. Das Königreich besitzt die niedrigsten Lagerkapazitäten in Europa und hat seinen Energiemix vor allem auf Gas, Atom und erneuerbare Energien ausgerichtet. Doch der Wind blies in den vergangenen Monaten viel schwächer, drei Nuklearreaktoren mussten wegen Reparaturen abgeschaltet werden, und ein Brand hat in der Vorwoche bei einer Versorgungsstation in Kent das Kabel beschädigt, das die Stromversorgung aus Frankreich sicherstellte.

Die Presse

Milliarden gegen die Gaskrise

24. September 2021

Drohende Versorgungsengpässe und leere Speicher: Überall in Europa steigen die Gaspreise auf Rekordwerte. Jetzt reagieren die EU-Staaten mit Hilfszahlungen.

In ganz Europa sind die Gaspreise sprunghaft gestiegen. In Italien müssen Kunden im Oktober 31 Prozent mehr für Gas bezahlen als noch vor vier Monaten. In Frankreich kletterten die Preise - trotz staatlicher Regulierung - im Jahresvergleich um rund zehn Prozent. Und in Deutschland warnte die Industrie zu Wochenbeginn, der Gaspreis sei um mehr als 200 Prozent auf ein Rekordhoch gestiegen. Der griechische Energieminister Kostas Skrekas spricht bereits von einer "internationalen Energiekrise". Grund für die steigenden Preise sind drohende Versorgungsengpässe und leere Gasspeicher.

Die hohen Strom- und Gaspreise könnten Rückschläge bei der wirtschaftlichen Erholung nach der Coronakrise auslösen. Europas Regierungen fürchten zudem Proteste ähnlich denen der "Gelbwesten", die 2018 in Frankreich gegen hohe Benzinpreise auf die Straße gingen. Mit Hilfspaketen - mal aus Steuererleichterungen wie in Spanien, mal durch direkte Zuschüsse wie in Frankreich - versuchen Politiker, die Folgen der Preissteigerungen zu lindern. Die Regierung in Rom könnte bereits an diesem Donnerstag Energiesubventionen von vier Milliarden Euro für Verbraucher und Unternehmen beschließen.

Handelsblatt

Unternehmen fordern Drosselung der Gasexporte

24. September 2021

Auch in den USA sorgt sich die Wirtschaft, dass der Winter die Gaspreise noch weiter in die Höhe schnellen lässt.

Nicht nur in Europa, sondern auch in den USA geht die Angst vor steigenden Energiepreisen im Winter um. Die Industrie fordert bereits, die Exporte von Flüssiggas (LNG) aus Amerika zu drosseln. In einem Brief an die Energieministerin Jennifer Granholm schreibt der Verband der energieverbrauchenden Industrie, Industrial Energy Consumers of America (IECA): "Wir fordern Sie auf, sofort nach dem Erdgasgesetz zu handeln, um eine Angebotskrise und Preisspitzen für die Verbraucher in diesem Winter zu verhindern, indem Sie die Exportquoten für die Flüssiggas-Exporteure senken." Damit sollten die US-Lager das Niveau des Fünf-Jahresdurchschnitts erreichen.

Die USA sind zwar weniger abhängig von Importen als die meisten europäischen Länder. Aber die Angst vor einem kalten Winter und hohen Gaspreisen macht auch hier die Runde.

Bei einem Besuch in Polen versicherte US-Ministerin Granholm jedoch, die USA würden mit den europäischen Partnern eng zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass im Winter genügend Gas zur Verfügung stehe. Die gestiegenen Gaspreise hätten ernsthafte Fragen zur Versorgungssicherheit in Europa aufgeworfen. Die USA und Europa müssten sich zur Wehr setzen, wenn energieerzeugende Länder "das Angebot manipulieren, um davon zu profitieren", sagte Granholm mit Blick auf die Vorwürfe, Russland beliefere Europa absichtlich nicht mit mehr Gas.

Handelsblatt

Treibt Moskau Europa in die Krise?

24. September 2021, Wien

Energie. Die Explosion der Gaspreise schürt Ängste vor einem drohenden Energieengpass im Winter. Die Verunsicherung ist groß und Hauptlieferant Gazprom spielt ein heikles Spiel.

Europas beginnende Energiekrise zieht erste Furchen durch die Wirtschaft. Seit Jahresbeginn hat sich der Gaspreis verdreifacht und der Strompreis verdoppelt. Einzelne Industriebetriebe zwingt das bereits dazu, die Produktion zu stoppen. In den Wintermonaten dürfte sich die Lage weiter verschärfen, warnen Beobachter. In manchen Teilen Europas werde es eine veritable Gasknappheit geben, prognostiziert etwa Amos Hochstein, US-Präsident Joe Bidens oberster Sicherheitsberater in Energiefragen. Die energieintensive Industrie und die Konsumentenschützer sehen das ganz ähnlich und rufen Europas Regierungen zu Hilfe. Schlittert die EU tatsächlich in eine Versorgungskrise? Und wer ist schuld daran?

Tatsache ist: Die Gasspeicher in Europa sind knapp vor Beginn der Heizperiode so leer wie selten zuvor (siehe Grafik). Und das verfügbare Erdgas sucht derzeit eher den Weg nach Asien als nach Europa, weil China bereit ist, bedeutend mehr Geld zu bezahlen, um in den kommenden Monaten ausreichend mit dem Rohstoff versorgt zu sein. So machen die Tanker voll amerikanischem Flüssiggas seit Wochen einen Bogen um Europa. Und auch die russische Gazprom steht bei ihren Lieferungen in die EU seit einiger Zeit auf der Bremse. Während China und die Türkei aus Moskau Rekordmengen erhalten, lässt Europas wichtigster Gaslieferant die bestehenden Pipelines durch Weißrussland und die Ukraine weitgehend ungenützt.

Hintergrund ist die Debatte um die umstrittene Nord Stream 2. Die Rohre der Ostseepipeline sind zwar seit einigen Tagen fertig verlegt, doch bevor Gas aus Russland nach Deutschland fließen kann, muss erst noch die deutsche Bundesnetzagentur mit dem Kopf nicken. Die Behörde hat zu prüfen, ob die Pipeline die Souveränität oder Energiesicherheit von EU-Staaten gefährden könnte. Außerdem geht es um die Frage, ob die von Gazprom installierte Nord Stream 2 AG das gewünschte Zertifikat als "unabhängiger Netzbetreiber" erhält oder nicht. Nur dann könnte Gazprom im Einklang mit den EU-Regeln die Leitung sowohl betreiben als auch mit Gas beschicken. Vier Monate hat die Bundesnetzagentur Zeit, um zu entscheiden. Moskau aber drückt aufs Tempo.

Die Presse