Deutschland soll Gasfluss durch Nord Stream 1 stoppen

27. Mai 2022, Kiew (Kyjiw)/Moskau

Der staatliche ukrainische Gaskonzern und Netzbetreiber fordert von Deutschland, die Erdgas-Lieferung über die Pipeline Nord Stream 1 einzustellen oder stark zu drosseln. Eine entsprechende Bitte sei der deutschen Regierung zugestellt worden, erklärte Serhij Makogon im ukrainischen Fernsehen. Deutsches Recht erlaube einen Betrieb der Pipeline unter der Bedingung, dass dadurch die Gasversorgung Europas gesichert werde. Russland habe jedoch "diese Prinzipien verletzt".

APA/ag

Unsicheres Erdgas: Jetzt boomt die Nahwärme

27. Mai 2022

Nahwärme in Vorarlberg

Schwarzach Biomasseheizwerke waren in Vorarlberg schon einmal in Mode, jetzt feiern sie ein Comeback, das dem Klimawandel und dem Gasentpass und dem Wunsch nach Versorgungssicherheit Rechnung trägt. Nach einer anfänglichen Euphorie kam für viele Betreiber von Blockheizkraftwerken und den dazugehörigen Nah- und Fernwärmenetzen in den letzten Jahren oft die Ernüchterung: Das Geschäft mit regional produzierter Energie rechnete sich in vielen Fällen nicht.

Investitionen

Ein entsprechend großes Netz mit vielen Abnehmern aus der Wirtschaft wie privat macht die Sache lukrativer, allerdings sind dafür auch die Investitionen beträchtlich. Um das zu stemmen, suchten sich in Vorarlberg schon mehrere Fernwärme-firmen und -genossenschaften Partner unter den Energieerzeugern und wählen dabei nicht unbedingt die naheliegendste Lösung.

Das tut auch die Gemeinde Lustenau nicht, die heute, Mittwoch, ihre Biofernwärmepläne vorstellt. Die Kelag, Kärntner Gegenstück zu illwerke vkw, baut in Lustenau ein Biomasseheizwerk und das Fernwärmenetz, die Rauch LFL als hiesiger landwirtschaftlicher Dienstleister beschafft auf lokalem Weg die Biomasse. Die Kelag ist im Land nicht unbekannt. Sie hält seit 2021 bereits 75 Prozent an der Bionahwärme Lauterach. Das Unternehmen betreibt in Österreich 85 Fernwärmenetze und rund 900 Heizzentralen und  verkauft pro Jahr rund 1,8 Milliarden kWh Wärme.

Vorarlberger Nachrichten

Tauziehen um russisches Gas geht weiter - Moscow, APA/AFP

Industrie fordert konkrete Pläne für den Gasstopp

27. Mai 2022

Wie sehen die Notfallpläne für den Fall des Ausbleibens russischen Gases aus? Und wer bekommt dann wie viel? Österreichs Wirtschaftstreibende fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Von der Stahl- über die Glasindustrie bis hin zu den österreichischen Lebensmittelversorgern: Wichtige Teile der Wirtschaftswelt wissen derzeit nicht, wie es im möglichen Fall des Ausbleibens russischer Gaslieferungen weitergehen soll. Die Produktion müsse eingestellt werden, darin sind sich viele Wirtschaftstreibende einig. Von der Politik fühlen sie sich im Stich gelassen und nicht ausreichend in Krisenpläne eingebunden.

Die Debatte angestoßen hat die Voestalpine, größter heimischer Stahlkonzern mit Sitz in Linz. Ein Ausfall der Gaslieferungen wäre „dramatisch“ und „nicht oder schwer managebar“, sagt Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner am Montagabend. Und: Gespräche mit der Regierung über die Krisenlage gebe es nur „sporadisch“. Mit dieser Einschätzung steht der Voestalpine-Chef bei weitem nicht allein da, wie ein Rundruf des STANDARD unter Unternehmen zeigt, die besonders energieintensiv produzieren.

Da wären etwa die Lebensmittelversorger. Im Fall eines Komplettausfalls „fehlen uns immer noch die konkreten Notfallpläne“, kritisiert Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Verbands der Lebensmittelindustrie. Ihre Branche müsse sich im Falle eines Embargos auf Szenarien vorbereiten können. Aber: „Wir haben Vorlaufzeiten. Wir müssen intensiver in diese Planungen eingebunden werden.“

„Ein Gasembargo wäre für unsere Branche eine Katastrophe“, sagt Koßdorff. Bis auf wenige Ausnahmen sei die gesamte Nahrungs- und Genussmittelindustrie zu 100 Prozent von russischem Erdgas abhängig. Das gelte für Obst und Gemüse ebenso wie für Milch und Fleisch. Viele Unternehmen aus der Branche rüsteten vor Jahren von Öl auf Gas um. Zwar sei in der Vergangenheit vermehrt auch in alternative Energien wie Photovoltaik und Biogas investiert worden. Diese dienten aber vor allem der Beheizung und Kühlung von Produktionen oder dem Betrieb von Dienstflotten. Alles Gas ersetzen zu können, das einen Drei-Schicht-Betrieb am Laufen halte – davon sei man weit entfernt, zieht Koßdorff Bilanz.

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ihre Industrie deshalb die Regierung und die Regulierungsbehörde E-Control immer wieder auf die komplexen Zusammenhänge in der Wertschöpfungskette hingewiesen. Bisher sei aber nur zaghaft signalisiert worden, dass man diese Probleme im Blick habe. Den Nahrungsmittelherstellern vor- und nachgelagert sind Produzenten von Glas und Papier – und hier klingen die Klagen ganz ähnlich.

Der Standard

Verbund gibt Kunden ab Juli einen Energiebonus

27. Mai 2022, Wien

Einem guten Teil der rund 500.000 Kunden der Verbund AG winkt ab Juli eine Erleichterung für die gestiegenen Strom- und Gaspreise. Wer von den jüngsten Preiserhöhungen betroffen war, bekommt zwei Monate Gratisstrom (exklusive Netzkosten und Abgaben), kündigte der teilstaatliche Stromkonzern am Dienstag an. Für Menschen, die auf staatliche Unterstützung wie Mindestsicherung angewiesen oder von GIS-Gebühren befreit sind, gibt es zwei zusätzliche Monate Gratisenergie. Zudem winkt Bestandskunden, deren Strompreis sich aufgrund der indexbasierten Preisänderung besonders stark erhöht hat, ein vergünstigter Bonustarif.

Verbund hatte mit Anfang Mai die Preise erhöht. Ein Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt seither um 250 Euro im Jahr mehr (bei Gas sind es 900 Euro im Jahr) – abzüglich einer einmaligen Gutschrift von 30 Euro, die mit der nächsten Jahresabrechnung abgezogen wird.

Für einen Durchschnittshaushalt macht der Energiebonus in etwa 90 Euro aus. Die Vorschreibungen werden dementsprechend ab Juli reduziert, „um sicherzustellen, dass die Entlastung möglichst rasch spürbar wird“, betonte der Konzern. Außerdem werden die Indexklauseln in den allgemeinen Geschäftsbedingungen „evaluiert“, weil diese aufgrund der hohen Strompreise zu weiteren Erhöhungen geführt hätten. Nun werden alternative Klauseln geprüft.

„Wir versuchen die Kunden bestmöglich zu unterstützen, wo immer wir können“, betont die Verbund AG. Österreichs größter Stromkonzern sponsert auch den Stromhilfefonds der Caritas, der allen bedürftigen Stromkunden offensteht. mg

Salzburger Nachrichten

Gas: Volle Speicher reichen nicht

27. Mai 2022, Wien

Energie. Komme kein Gas mehr, drohe Österreich ein Produktionseinbruch wie in der ersten Coronawelle, sagen Forscher. Die Regierung müsse rasch handeln — und auf Hilfe der EU bauen.

Gute Nachrichten: Langsam, aber doch nimmt die eiserne Gasreserve des Landes Gestalt an. Die Bundesregierung habe um 958 Millionen Euro die ersten 7,7 Terawattstunden (TWh) Erdgas für die strategische Reserve aufgekauft, vermeldete das Klima- und Energieministerium am Dienstag. Damit kommt Österreich immerhin über einen kalten Wintermonat. In Summe will der Staat 20 TWh Gas selbst einlagern, mithilfe der Versorger sollen die Gasspeicher im Herbst zu 80 Prozent gefüllt sein. Vergangene Woche verfügte die Koalition zudem, dass der Gasspeicher Haidach, der bisher nur Deutschland versorgt hatte, auch an das österreichische Netz angebunden werden soll. Die Vorbereitungen für den Ernstfall eines Stopps russischer Gaslieferungen laufen also.

Aber all das sei nicht genug, warnen die Forscher des Complexity Science Hub Vienna (CSH), die zuletzt in der Coronapandemie viel an Aufmerksamkeit gewonnen haben. Sie haben sich angesehen, wie das Land und seine Industrie im Detail betroffen wären, wenn plötzlich kein Gas mehr aus Russland käme — und wie sich die Regierung heute schon idealerweise auf dieses Szenario vorbereiten sollte. "Ohne geeignete Gegenmaßnahmen drohen substanzielle wirtschaftliche Schäden", warnt CSH-Leiter Stefan Thurner. Auf gut gefüllten Gasspeichern darf sich Österreich jedenfalls nicht ausruhen. Im Ernstfall könnte es die bessere Wahl sein, das gebunkerte Gas mit dem Rest der EU zu teilen.

Modelliert haben die Komplexitätsforscher einen Stopp russischer Gaslieferungen ab Juni. Österreich kämen schlagartig 80 Prozent seiner Gasimporte abhanden, Haushalte und Stromversorger wären zwar noch versorgt, die Industrie aber käme rasch in Bedrängnis. Die betroffenen Unternehmen würden mehr als fünf Milliarden Euro an Bruttoproduktion im Monat verlieren. "Das ist in etwa dieselbe Größenordnung wie in der ersten Coronawelle", so Thurner. Alle Überlegungen, wie die restlichen Mengen am besten auf die Branchen verteilt werden sollten, seien in seinen Augen zweitrangig. Entscheidend sei vielmehr, dass die Politik schon jetzt gegensteuere, um den möglichen Gasschock so klein wie möglich zu halten.

Die Presse

Voestalpine kann das Erz aus der Ukraine ersetzen

27. Mai 2022

Energieversorgung. Gas-Embargo würde Ende der Stahlproduktion bedeuten

Der Krieg in der Ukraine hält den Stahltechnologiekonzern voestalpine auf Trab. Die für die Hochöfen benötigte Kohle aus Russland und die Erz-Pellets aus der Ukraine werden seit Kriegsbeginn ja nicht mehr geliefert. Sie müssen ersetzt werden. Durch Lieferanten aus Europa (Schweden etwa) oder Übersee (Brasilien z.B.). Weil das andere Konzerne auch tun müssen, treibt das natürlich den Preis. Vor dem Krieg hat die voestalpine immerhin rund ein Drittel aller Erz-Lieferungen aus der Ukraine bezogen.

„Dann und wann kommt noch ein Zug an“, sagt Vorstandschef Herbert Eibensteiner. Mehr nicht. Aber man kriege das Problem in den Griff.

Ohne Gas kein Stahl

Sollte es jedoch zu einem Ausfall der Gaslieferungen kommen, wäre dies „dramatisch“ und „nicht oder schwer managebar“, so Eibensteiner: „Ohne Gas keine Stahllieferungen.“ Generell würden dann wesentliche industrielle Prozesse zum Stillstand kommen.

Spüren würden das alle, weil Lieferketten zusammenbrechen würden und es wohl zu einer hohen Arbeitslosigkeit käme. Vor allem, weil der Ausfall von Erdgas länger anhalten würde. „Das kann man nicht von heute auf morgen wieder hochfahren“, so der voestalpine-Chef.

Mit der Regulierungsbehörde E-Control sei man laufend im Austausch, mit der Regierung gebe es aber nur „sporadisch“ Gespräche zur Gasversorgung, so Eibensteiner im Gespräch mit Journalisten.

Kurier

Brüssel prüft Pipeline zwischen Spanien und Italien

25. Mai 2022, Madrid/Brüssel

Beim Versuch, Europa unabhängiger vom russischen Gas zu machen, rückt Spanien immer mehr in den Fokus. Wie die spanische Tageszeitung "El Pais" am Mittwoch berichtet, prüft die Europäische Kommission derzeit den Bau einer Offshore-Pipeline zwischen Spanien und Italien.

APA

Unterstützung aus Afrika

25. Mai 2022

Auf der Suche nach neuen Gasquellen klopft Europa im Süden an.

Im Senegal herrscht Goldgräberstimmung. Denn vor der Küste des westafrikanischen Landes soll bald Gas in großen Mengen gefördert werden. Bereits 2018 einigte man sich mit dem nördlichen Nachbarn Mauretanien, das große Gasvorkommen Greater Tortue Ahmeyim-Projekt (GTA) vor der Küste der beiden Länder gemeinsam auszubeuten. Senegals Präsident Macky Sall hat nun große Pläne. Bis 2035 soll der massive Ausbau des Energiesektors zu einer treibenden Kraft des Landes werden. Vor allem auch weil die zahlungskräftigen Kunden aus Europa Interesse zeigen.
Am Sonntag besuchte der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz den Senegal. Die Gasquellen sind sehr attraktiv geworden, nachdem die Europäer nach dem russischen Angriff in der Ukraine händeringend Ersatz für russisches Gas und Öl suchen.

Nur könnte sich jetzt rächen, dass gerade die Europäer und auch Deutschland auf der Klimakonferenz in Glasgow im November 2021 darauf gedrungen hatten, die Finanzierung und Erschließung neuer fossiler Vorkommen deutlich zu erschweren. Dabei hatte Senegals Präsident Sall damals ausdrücklich davor gewarnt, dass dies „fatale Kosten“ für die Entwicklung etwa seines Landes habe. Die Regierung in Dakar hat bereits klargemacht: Gas bekommt, wer sich bei der Erschließung engagiert.

Mittlerweile räumt auch die deutsche Bundesregierung einen Trend zum Umdenken ein. „Sie wissen ja, dass die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Entwicklungsbanken dazu eine restriktive Haltung haben“, sagte ein Regierungsvertreter zu Projekten mit fossilen Energieträgern. Aber der Druck zur Diversifizierung der Lieferquellen sei durch den russischen Angriff „noch einmal akuter“ geworden. Jetzt heißt es zu einer möglichen Finanzierung: „Wir sehen das durchaus als eine Möglichkeit an.“ Einige deutsche Firmen seien auch an der Explorationen beteiligt. „Insofern wollen wir offen darüber sprechen, ob und wie wir dabei zusammenarbeiten können, aber dabei sind wir noch nicht in der Phase der Vertragsreife.“ Zugleich betont man die Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien, etwa der Photovoltaik.

Wiener Zeitung

Gas für Reserve stammt zum Teil auch aus Russland
 - Stuttgart, APA/dpa

Österreich kauft erstes Erdgas für Gasreserve an

24. Mai 2022, Wien/Moskau

Die Bundesregierung hat die ersten 7,7 Terawattstunden (TWh) Gas für die strategische Reserve angekauft und dafür 958 Mio. Euro bezahlt. Die Ausschreibung wurde am Montag beendet, wie das für Energie zuständige Klimaministerium am Dienstag mitteilte. Die Summe umfasst auch die Speicherkosten. Woher das Gas stammt, ist unklar, da es am Gasmarkt keine Herkunftsnachweise gibt. Es müsse davon ausgegangen werden, dass auch russisches Gas darunter sei, erläuterte ein Sprecher.

APA

Forscher: EU muss bei Gasversorgung zusammenarbeiten
 - Mallnow, APA/dpa-Zentralbild

Forscher: Gas-Lieferstopp durch EU-Solidarität beherrschbar

24. Mai 2022, Wien/Kiew (Kyjiw)/Moskau

Österreich könnte auch einen Totalausfall russischer Gaslieferungen vergleichsweise glimpflich überstehen, sagen die Forscher des Complexity Science Hub Vienna - Voraussetzung dafür ist aber eine EU-weite Zusammenarbeit, um das russische Gas zu ersetzen. Ohne Kooperation mit den anderen EU-Ländern wäre der Schaden für Österreichs Wirtschaft um ein Vielfaches größer.

APA

„Wir ermitteln gegen Gazprom“

24. Mai 2022

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager plädiert angesichts der Energiekosten für Steuern auf Übergewinne und für Sozialleistungen. Ihre Gesetzesvorhaben zur Reglementierung von Tech-Konzernen stehen kurz vor dem Abschluss.

Margrethe Vestager wirkt entspannt, als sie Donnerstagabend den Festsaal der Oesterreichischen Nationalbank betritt. Mit dem Digital Markets Act und dem Digital Services Act stehen zwei Großprojekte der EU-Wettbewerbskommissarin zur Reglementierung von Tech-Konzernen kurz vor dem Abschluss. Für ihre Bemühungen um faire Marktbedingungen und Steuergerechtigkeit erhält sie in Wien den Schumpeter-Award.

STANDARD: Der Energiemarkt ist seit zwanzig Jahren liberalisiert. In der Krise sind die Preise nun höher, als sie sein müssten. Haben Markt und Wettbewerb versagt?

Vestager: Das liberalisierte System hat uns die letzten Jahrzehnte gute Dienste geleistet, wir hatten sehr lange niedrige Preise. Die Gründe für die Energiekrise liegen außerhalb des Markts. Zum einen haben wir nach wie vor Aufholeffekte nach der Pandemie, die zu einer erhöhten Nachfrage führen. Hinzu kommen niedrige Lieferstände in den Gasspeichern. Der Wettbewerb an sich ist unserer Ansicht nach nicht das Problem, einzelne Akteure fallen aber mit spezifischem Verhalten auf. Ein Teil davon ist politisch motiviert, und wir untersuchen mögliche Wettbewerbsverstöße.

STANDARD: Ermittelt die EU-Kommision gegen Gazprom?

Vestager: Ja, wir untersuchen das Verhalten ganz genau. Es fällt auf, dass die Gasspeicherstände sehr niedrig sind. Das hat enorme Auswirkungen auf den Markt und ist vor allem im Hinblick auf die nächste Heizsaison problematisch. Deshalb wollen wir Eigentümer von Gasspeichern dazu verpflichten, ihre Speicherstände bis November auf 80 Prozent zu erhöhen.

Der Standard

Russland dreht nun auch Finnland den Gashahn zu

24. Mai 2022
Die Strompreis-Diskussion dreht sich weiter - Leipzig, APA/zb

Reaktion auf Nato-Beitrittsansuchen – Österreichs Gasbranche verweist auf viel ungenutztes Potenzial an Biomethan im Land

Vorige Woche hat Russland die Stromleitung nach Finnland gekappt, heute, Samstag, wird auch der Gashahn zugedreht. Das hat Gazprom Export den finnischen Importeur Gasum Oy wissen lassen. Vordergründig wird der Schritt mit der Weigerung von Gasum begründet, die Gasrechnung in Rubel statt in Euro zu begleichen. Auch dürfte der angestrebte Nato-Beitritt Finnlands eine Rolle spielen. Moskau hat mit Vergeltung gedroht.

Damit ist Finnland das dritte Land nach Polen und Bulgarien, dem Russland kein Gas mehr liefert. Finnland kann das verschmerzen. Die Gasimporte aus Russland sind seit 2018 rückläufig, durch Lieferungen von Flüssiggas (u. a. aus dem litauischen Klaipeda) und dem Anfang 2020 fertiggestellten sogenannten Baltic Connector kommt Gas abseits der russischen Route ins Land.

Spannend bleibt es auch in den kommenden Tagen. Noch im Mai muss auch OMV Geld für russisches Gas überweisen, gemäß Sanktionen nicht, wie von Putin verlangt, in Rubel, sondern so wie bisher in Euro.

Die Kunden aus dem Westen zahlen in Euro oder Dollar auf ein Konto bei der hauseigenen Bank des russischen Energiekonzerns Gazprom ein. Seit geraumer Zeit laufen im Hintergrund Verhandlungen der EU mit Moskau. Als Kompromiss gelten nun sogenannte K-Konten: Kunden wie OMV zahlen in Euro auf ein Konto bei der Gazprombank ein. Diese tauscht den Betrag in Rubel um und überweist ihn auf das eigentliche Geschäftskonto. Auf diese Weise kann die EU behaupten, sie habe in Euro oder Dollar gezahlt – und der Kreml kann sagen, die Zahlung sei in Rubel angekommen. Ob dies tatsächlich so ist, wird man spätestens übernächste Woche wissen.

Der Standard