RWE fordert Schadenersatz von Gazprom

5. Dezember 2022, Essen/Moskau

Nach dem deutschen Energiekonzern Uniper fordert auch der weitere deutsche Versorger RWE wegen ausbleibender Gaslieferungen Schadenersatz von dem russischen Gazprom-Konzern. Der Konzern, der in Kärnten maßgeblich an der Kelag beteiligt ist, habe deshalb ein Schiedsverfahren gegen Gazprom eingeleitet, berichtete das "Handelsblatt" am Montag unter Berufung auf einen Konzernsprecher.

APA/ag

Umstieg könnte teuer werden
 - Hannover, APA/dpa

Ausstieg aus Gasheizungen kostet 84 Mrd. Euro

5. Dezember 2022, Wien

Der von der Politik geplante Ausstieg aus Gasheizungen in Wohnungen und Wohnhäusern bis zum Jahr 2040 würde die rund 910.000 betroffenen Haushalte bis zu 84 Mrd. Euro kosten - das hat die Wirtschaftsforscherin Anna Kleissner von Econmove berechnet. "Das sind ab sofort bis 2040 jedes Jahr Belastungen von jedenfalls 5 Mrd. Euro", sagte Kleissner am Montag bei einer Pressekonferenz mit Bundesinnung der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker.

APA

Gas-Pipelines für LNG Flüssiggas-Schwimmterminal
 - Brunsbüttel, APA/dpa

D – Bund übernimmt Kreditgarantie für LNG-Lieferungen

5. Dezember 2022, Berlin

Deutschland unternimmt weitere Anstrengungen, um Flüssigerdgas (LNG) zu importieren und so russische Gaslieferungen teilweise zu ersetzen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums garantiert der Bund einen Deal des Energiehändlers Trafigura zur Lieferung von LNG an das deutsche Unternehmen Sefe. Die Kreditgarantie sei bereits im Oktober übernommen worden, hieß es am Montag auf Anfrage.

APA/dpa

Strompreisbremse ja, Gaspreisbremse nein

2. Dezember 2022

Die Strompreisbremse wird für Mehrpersonenhaushalte noch stärker angezogen, gegen einen Gaspreisdeckel, wie ihn immer mehr Stimmen fordern, legt sich Finanzminister Magnus Brunner aber quer. Er sinniert über intelligentere Wege.

Viele Stromkunden in Österreich haben schon Bekanntschaft gemacht mit den exorbitant gestiegenen Preisen für elektrische Energie, in einigen westlichen Bundesländern stehen Preiserhöhungen Anfang 2023 an. Dann aber soll bereits die Strompreisbremse wirken. Diese tritt heute, Donnerstag, in Kraft. Sie soll, und das ist neu, eine höhere Bremswirkung dort entfalten, wo mehr als drei Personen zusammenleben.

Das ist die Antwort der Regierung auf die Kritik, Haushaltsgrößen seien gar nicht berücksichtigt worden. Nun kommt zum Grundmodell, von dem alle Strombezieher und Strombezieherinnen bis zu einer gewissen Höhe profitieren, ein Top-up-Modell. „Damit haben wir die Möglichkeit einer zusätzlichen Entlastung, wo auch die Haushaltsgröße berücksichtigt ist“, sagte Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) bei der Präzisierung des Pakets am Mittwoch.
Für Haushalte mit mehr als drei Personen soll für jede zusätzliche Person ein Kontingent von weiteren 350 Kilowattstunden (kWh) bis zu 30 Cent gefördert werden. Das bringe eine zusätzliche Ersparnis von 100 Euro pro Person und Jahr, ergänzte Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne). Das Grundmodell, bei dem die Regierung den Strompreis für die ersten 2900 kWh bei zehn Cent deckelt und maximal 30 Cent drauflegt, bringe 500 Euro Einsparung pro Haushalt und Jahr, erinnerten beide Minister. Die 2900 kWh entsprechen etwa 80 Prozent des Jahresverbrauchs eines Durchschnittshaushalts in Österreich.

Die Strompreisbremse soll vom 1. Dezember 2022 bis 30. Juni 2024 wirken. Dafür muss weder ein Antrag gestellt noch ein Formular ausgefüllt werden. Einzige Voraussetzung ist, dass es einen aufrechten Stromliefervertrag gibt und einen Zählpunkt. Die Abwicklung erfolgt über den Stromlieferanten.

„Wir setzen das ab 1. Dezember um“, sagte der Präsident von Österreichs Energie, Verbund-Chef Michael Strugl.

Der Standard

Gaspreisdeckel – Striktes Nein der Vorarlberger Grünen

1. Dezember 2022, Bregenz

Vorarlbergs Grünen-Chef und Energie-Landesrat Daniel Zadra (Grüne) spricht sich vehement gegen einen Gaspreisdeckel nach deutschem Vorbild aus. "Das wäre eine absolute Sackgasse für Österreich", sagte er am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Zadra sah in der Gaspreisbremse gleich drei negative Aspekte: Es handle sich um ein Gießkannensystem, die verschiedenen Energieträger würden ungleich behandelt und der Deckel wäre "unglaublich teuer".

APA

IEA warnt vor Fracking in Deutschland

1. Dezember 2022, Berlin/Paris

Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht eine Ausweitung des Einsatzes der umstrittenen Fracking-Technologie zur Erdgasförderung in Deutschland kritisch. "Wenn Deutschland heute mit dem Fracking beginnt, wird es ewig dauern, bis das erste Gas daraus auf den Markt kommt. Ich wäre da sehr vorsichtig", sagte IEA-Chef Fatih Birol dem Nachrichtenportal Table.Media (Donnerstag). "Das Risiko, dass diese Investition nicht genutzt werden kann, ist groß."

APA/ag

Internationales Griss um Öl- und Gasgeschäft der OMV

1. Dezember 2022

Carlyle. US-Finanzriese war schon 2021 interessiert und soll jetzt Angebot prüfen

Das derzeit äußerst lukrative, milliardenschwere Öl- und Gasgeschäft der teilstaatlichen OMV, dessen weitere Zukunft ungewiss ist, stößt nicht nur in Norwegen auf großes Interesse. Der US-Finanzriese Carlyle prüft laut einem Bericht von Bloomberg ein Angebot für einen großen Teil von E&P (Exploration & Production) der OMV. Die Agentur beruft sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, die OMV kommentierte den Bericht nicht. Die Gespräche seien noch in Gang, ob sie tatsächlich zu einer Transaktion führen, sei noch nicht abzusehen.

Milliarden-Geschäft

Carlyle klopfte schon vor geraumer Zeit bei den OMV-Hauptaktionären, der Staatsholding ÖBAG (31,5 Prozent) und Mubadala, dem Staatsfonds aus Abu Dhabi (knapp 25 Prozent), an. Der KURIER berichtete schon mehrmals darüber, erstmals im Oktober 2021.

Damals gab es noch keinen Ukraine-Krieg. Der neue OMV-Chef Alfred Stern plante strategisch die Transformation der OMV in Richtung Chemie und Kunststoff. Langfristig sollte die OMV aufgrund der Klimaziele aus dem traditionellen Öl- und Gasgeschäft aussteigen. Bereits damals wurde eine Abspaltung von E&P samt den Projekten mit erneuerbaren Energien in eine „New Energy Company“ diskutiert. An dieser Gesellschaft sollten sich internationale Investoren beteiligen, die weiterhin in Öl- und Gas investieren wollen, geschätzte sechs bis acht Milliarden Euro. Diese Variante wird von OMV-Vizechef Johann Pleininger forciert, zuständig im Vorstand für E&P.

Als einer der Interessenten tauchte Carlyle auf. Der US-Investor hat Assets von knapp 370 Milliarden Dollar unter Management und will nach wie vor ins Energiegeschäft investieren. So will die Tochter Carlyle International Energy Partner beispielsweise neben der OMV gemeinsam mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) ebenfalls im Schwarzen Meer Gas fördern. Darüber hinaus gibt es Interesse von anderen internationalen Investoren am E&P-Geschäft der OMV in einzelnen außereuropäischen Ländern, etwa Neuseeland oder Malaysia.

Kurier

Katar liefert ab 2026 Flüssiggas nach Deutschland

30. November 2022, Doha/Berlin
Zwischengeschaltete US-Firma Conoco Phillips liefert nach Brunsbüttel
 - Brunsbüttel, APA/dpa (Themenbild)

Katar will von 2026 an in größerem Umfang Flüssigerdgas nach Deutschland liefern. Die geplante Menge könnte etwa drei Prozent des deutschen Jahresbedarfs decken. Der Energieriese Qatar Energy unterzeichnete dazu am Dienstag Abkommen mit dem US-Unternehmen Conoco Phillips, das das Gas nach Brunsbüttel liefern soll, wo derzeit ein Flüssiggasterminal gebaut wird. Damit kommt Deutschland einen weiteren Schritt voran, weggefallene Gaslieferungen aus Russland zu ersetzen.

APA/dpa

Gas- und Stromverbrauch im Oktober unter Vorjahr
 - Wien, APA/THEMENBILD

Gasverbrauch im Oktober deutlich niedriger als im Jahr davor

30. November 2022, Wien

Der Gasverbrauch ist im Oktober vor allem dank des warmen Wetters deutlich gesunken und war um mehr als ein Viertel niedriger als im Jahr davor. Auch der Stromverbrauch ist deutlich gesunken und lag um 9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats, wie aus Daten der Regulierungsbehörde E-Control hervorgeht. Die Stromerzeugung hat zugelegt, ein kräftiges Plus gab es vor allem bei der Wasserkraft. Der Gas-Speicherstand ist weiter gestiegen.

APA

Brüssel legte Zwischenziele für Gasreserven 2023 fest

29. November 2022, Brüssel

Die EU-Kommission hat für das kommende Jahr neue Zwischenziele für Speicherfüllstände von Erdgas vorgelegt. Österreich muss nach Berechnungen des Energieministeriums bis 1. Februar 2023 einen Speicherstand von rund 19 Prozent aufweisen, bis 1. Mai rund 14,4 Prozent, bis 1. Juli rund 22,2 Prozent, bis 1. September rund 26,1 Prozent und bis 1. November 35 Prozent. Die Ziele der EU-Kommission sind verpflichtend.

APA

Zwischengeschaltete US-Firma Conoco Phillips liefert nach Brunsbüttel
 - Brunsbüttel, APA/dpa (Themenbild)

Katar liefert Flüssiggas nach Deutschland

29. November 2022, Doha/Berlin

Der Energieriese Qatar Energy hat laut Katars Energieminister Saad Scharida al-Kaabi Abkommen über Gaslieferungen nach Deutschland geschlossen. Das Flüssiggas werde an das US-Unternehmen Conoco Phillips verkauft, das es weiter nach Brunsbüttel liefere, sagte der Minister am Dienstag bei der Vertragsunterzeichnung in der katarischen Hauptstadt Doha. Die Lieferung soll 2026 beginnen und mindestens 15 Jahre laufen. Jährlich sollen bis zu 2 Millionen Tonnen geliefert werden.

APA/dpa

Energiemarkt auf dem Weg zurück zur Staatswirtschaft

28. November 2022

Gastkommentar

Für ein System mit regulierten Strom- und Gaspreisen ist der Staat nicht gerüstet.

Es ist nun knapp ein Jahr her, dass die größte Energiekrise seit dem Zweiten Weltkrieg begonnen hat. Seither sucht die Politik ein Gegenmittel gegen die explodierenden Preise. Zuletzt schien eine Entspannung in Sicht, als die kurzfristigen Preise an den Strom- und Gasmärkten aufgrund der hohen Speicherstände deutlich gesunken sind. Die Preise für die kommenden Jahre an den Terminmärkten sind aber durchwegs extrem hoch geblieben. Dass es daher dringend struktureller Änderungen im Energiesystem bedarf, darin sind sich die meisten Experten einig.

Nur wie man den Energiemarkt ändern soll, darüber können sich Europas Energieminister bisher nicht so recht verständigen. Das liegt unter anderem am Bremsen der deutschen Bundesregierung bei strukturellen Eingriffen in die Strom- und Gasmärkte, weil sie Störungen auf der Angebotsseite und somit Mangellagen fürchtet. Nur langsam und schrittweise nähern sich die Energieminister strukturellen Verbesserungen an, in der Tat hat sich Deutschland kürzlich erstmals bewegt und sowohl einer Notwendigkeit der Reform des Strommarktes als auch geringfügigen Preisbeschränkungen am Gasmarkt zugestimmt.

Doch weil das alles dauert und eine Lösung ungewiss ist, gehen die nationalen Regierungen mittlerweile selbst zu staatlicher Regulierung der Energiepreise über. Österreich hat bekanntlich bereits eine Strompreisbremse mit fixen Endkundentarifen beschlossen. Deutschland setzt zusätzlich eine steuerfinanzierte Deckelung der Gas- und Fernwärmepreise um – nicht nur für Haushalte, sondern auch für die Industrie. Gleichzeitig wurden europaweit Höchstpreise für Strom aus erneuerbaren Energien (Wasserkraft, Windenergie, Photovoltaik) festgelegt. Am Ende regelt somit neuerdings der Staat die Preise zum Beispiel von Solarstrom und deckelt gleichzeitig die Tarife, die Haushalte und Industrie für die Energie bezahlen. Das klingt einfach, führt aber zu Streuverlusten.

Wiener Zeitung