Wie werden wir heizen?

20. Oktober 2021

Die Energiekosten sind hoch und werden voraussichtlich im Laufe der Jahre weiter steigen. Weil Kohle, Öl und Gas als Heizmittel langsam abgelöst werden sollen. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen macht Alternativen notwendig: Womit wir in Zukunft unsere Häuser und Wohnungen heizen werden.

Bis 2040 soll Österreich klimaneutral werden. Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen soll in zwei Schritten erfolgen: Kohle und Öl dürfen nur mehr bis 2035 für die Raumheizung eingesetzt werden, Erdgas bis 2040.
Ein Ziel, das mit Blick auf die aktuellen Heizformen der österreichischen Haushalte noch in weiter Ferne liegt. Der Status quo sieht nämlich so aus: Mehr als 900.000 Haushalte in Österreich heizen laut Statistik Austria aktuell mit Erdgas, über 600.000 mit Heizöl. In Summe sorgen also immer noch in fast 40 Prozent der Haushalte fossile Brennstoffe für die notwendige Wärme. Wie also soll man die Wende schaffen?

Ganz so einfach ist das nicht, weiß Elisabeth Berger von der Vereinigung österreichischer Kessellieferanten: „Gerade im städtischen Bereich, wo in den meisten mehrgeschossigen Wohnungen Gasthermen eingebaut sind, ist es extrem aufwendig, auf neue Technologien umzusteigen.“ Um in bestehenden Wohnungen neue Energiesysteme zu installieren, wäre eine Komplettsanierung nötig. Abgesehen davon ist so ein Technologie-Wechsel mit hohen Kosten verbunden. Berger ist der Ansicht, dass man hier auf erneuerbare Energieträger setzen sollte, statt die Menschen zum Kauf neuer Systeme zu zwingen. „Auch für Erdgas gibt es eine klimaneutrale Alternative: Grünes Gas“, erklärt Berger. Darunter fällt zum einen aufbereitetes Biogas, das aus Pflanzen, aber auch aus tierischen Ausscheidungen und Bio-Abfall gewonnen wird. Zum anderen gehört dazu auch Wasserstoff. Dieser wird mithilfe von Strom, möglichst aus erneuerbaren Quellen, aus Wasser abgespalten und kann danach wieder in elektrische Energie umgewandelt werden.

Kurier

Tiwag will mit Tinext die Energiewende schaffen

15. Oktober 2021, Jenbach

Bei der neuen Unternehmenstochter Tinext werden jetzt Großprojekte rund um erneuerbare Energien abseits der Wasserkraft gebündelt.

Die Tiwag macht sich zukunfts-und klimafit: Bis auf die Wasserkraft werden alle Bereiche, die erneuerbare Energien umfassen, in eine neue Unternehmenstochter ausgegliedert. Tinext (Tiwag-Next Energy Solutions GmbH) heißt sie -insgesamt 150 Mio. Euro sollen hier in den nächsten fünf, sechs Jahren investiert werden. Als Tinext-Geschäftsführer agieren seit 1. Oktober Georg Tollinger, Stephan Hilber und Andreas Burger.

"Wir möchten mehr als bisher in Photovoltaik, Wasserstoff, Elektromobilität, Biogas
und CO 2-arme Wärme investieren. Wissenschaft und Forschung spielen dabei eine besondere Rolle", erklärte LH Günther Platter als Tiwag-Eigentümervertreter gestern in Jenbach. Die Nutzung der Wasserkraft bleibe aber eine wichtige Säule für das Erreichen der Klimaziele.

Viel Photovoltaik-Potenzial liege noch brach bei 86 Mio. Quadratmetern Dachflächen, die es laut LH Platter in Tirol gebe. Gefördert werden sollen nicht nur die PV-Anlagen selbst, auch für in diesem Zusammenhang nötige Dachsanierungen seien Subventionen geplant. 2022 sollen in Jenbach drei große Photovoltaikanlagen in Betrieb gehen, ergänzt Tiwag-Vorstandsvorsitzender Erich Entstrasser. Und bis 2026 wolle man die Sonnenstromproduktion auf eine Leistung von 23.000 Kilowatt ausbauen. Der Tiwag-Chef macht keinen Hehl daraus, dass es "eine große Herausforderung" sei, den enorm steigenden Strombedarf (Stichwort Elektromobilität) allein mit erneuerbaren Energien zu decken. Wie die Speicherung von Sonnenenergie bewältigt werden könne, sei dabei laut Tiwag-Aufsichtsratsvorsitzendem Reinhard Schretter eine wichtige Frage. Zumal im lichtärmeren Winter der Strombedarf in Tirol um vieles höher ist als im Sommer. Aber auch der Fachkräftemangel sorgt etwa in Bezug auf die Montage der PV-Anlagen noch für Kopfzerbrechen.

Dennoch hat man sich große Ziele gesteckt. So möchte sich das Land Tirol zu einem österreichweiten Zentrum für Wasserstoffenergie entwickeln. "Bei der Wasserstoffanlage in Kufstein laufen die Genehmigungsverfahren", sagt Entstrasser, der trotz möglicher Stolpersteine hofft, 2023 die Anlage in Betrieb nehmen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt sei der Ausbau der flächendeckenden CO 2 armen Wärmeversorgung entlang der Inntalfurche. Trotz der explodierenden Strompreise plant die Tiwag laut Entstrasser noch keine Erhöhung der Tarife. Im April/Mai 2022 werde es wohl eine Anpassung geben, die bei ca. acht Prozent liegen könnte.

Tiroler Tageszeitung

Neues Landesunternehmen soll Energiewende anschieben

15. Oktober 2021, Tirol

150 Millionen Euro für Fotovoltaik & Co.

Landeshauptmann Günther Platter will die Landes-ÖVP grüner aufstellen. Für einen gerade laufenden Erneuerungsprozess des Parteiprogramms hatte er seinen Funktionären im Sommer mit auf den Weg gegeben: „Ich glaube, dass wir den Klima- und Umweltschutz zu wenig beachtet haben.“ Und forderte, dass seine Partei hier zum Tempogeber werden müsse.

Bei der Gelegenheit richtete Platter Energieversorger Tiwag (zu 100 Prozent im Landesbesitz) aus, dass diese sich nicht nur mit Wasserkraft, sondern auch mehr mit alternativen Energien auseinandersetzen werde müssen.

Kurier

Produktionen pausieren wegen Energieknappheit

15. Oktober 2021

Strommangel.

Die derzeit weltweit hohen Energiepreise treffen China hart. Das Land hat nicht nur 1,4 Milliarden Einwohner, sondern auch enorme industrielle Kapazitäten und ist der größte Energieverbraucher der Welt.
In mehreren Provinzen kommt es bereits zu Stromausfällen, energieintensive Industrien mussten die Produktion anhalten. Trotz Rekordzuwächsen bei erneuerbaren Energien ist China stark von Kohle abhängig. Etwa die Hälfte des Stroms in dem Land wird daraus gewonnen. Da die Strompreise staatlich festgelegt sind, schreiben derzeit viele Kraftwerksbetreiber Verluste, so Yan Qin vom Beratungsunternehmen Refinitiv.

Entgegen Plänen zur CO₂-Reduktion hat der Staat mehrere Regionen aufgefordert, die Förderkapazitäten zu erhöhen, um die Versorgung im Winter aufrechtzuerhalten. Das ist auch eine soziale Frage, denn viele Haushalte heizen mit Kohle. Banken wurden angehalten, Energieunternehmen die notwendigen Kredite zu geben. Sogar das Importverbot für Kohle aus Australien gilt nicht mehr.

Kurier

360 Millionen Euro für ein stärkeres Stromnetz

15. Oktober 2021

Projekt Weinviertel. EVN sorgt für Verteilung der Energie aus Wind und Sonne

Was es bedeutet, wenn in Zukunft aus Klimaschutzgründen nur noch auf erneuerbare Energie aus Windkraft und Fotovoltaik gesetzt wird, haben elf Bürgermeister aus dem Weinviertel am Montag präsentiert bekommen. Ihnen wurden vom niederösterreichischen Energieversorger EVN, konkret von der Tochterfirma NÖ Netz, die Ausbaupläne für ein leistungsstarkes Stromnetz präsentiert. Damit soll gelingen, dass überschüssiger regionaler Strom in die überregionalen Netze der APG (Austrian Power Grid) eingespeist wird.

360 Millionen Euro werden in das Projekt investiert, um Wind- und Sonnenenergie österreichweit verteilen zu können. Vorgesehen ist der Strom – wenn notwendig – hauptsächlich für den Ballungsraum Wien und das südliche Niederösterreich. Das östliche Weinviertel wird durch den Ausbau von Fotovoltaik und Windkraft zu einem „Flächenkraftwerk“ mit 2.700 Megawatt erneuerbarer Energie auf einer Fläche von 50 mal 50 Kilometer. Das entspricht der Stromproduktion von umgerechnet zehn Donaukraftwerken.

Kurier

Produzieren hat keinen Sinn mehr

12. Oktober 2021, Frankfurt

Strom- und Energiepreise markieren fast täglich neue Rekorde. Einige Unternehmen senken bereits die Produktion - auch in Österreich. "Es ist wirklich beängstigend", sagt ein Industrieller.

Die Energiekrise in Europa verschärft sich von Tag zu Tag und drängt das verarbeitende Gewerbe an seine Belastungsgrenze. Weil die Strom- und Gaspreise fast täglich neue RekProorde erreichen, sahen sich einige energieintensive Unternehmen bereits gezwungen, die Produktion herunterzufahren. Eine Produktion im vollen Ausmaß würde sich schier nicht mehr lohnen.

Derweil naht der Winter und damit die Heizperiode. Das wird den Druck weiter verschärfen und mehr Manager in der Industrie zu schwierigen Entscheidungen zwingen.

Im Winter wird es dramatisch

Die SKW Stickstoffwerke Piesteritz in der deutschen Lutherstadt Wittenberg gehören zu denen, die drastische Maßnahmen ergreifen. Deutschlands nach eigenen Angaben größter Harnstoff- und Ammoniak-Hersteller verbraucht jedes Jahr 640 Gigawattstunden Erdgas - so viel wie etwa 50.000 Haushalte. Am Dienstag teilte er mit, seine Produktion um 20 Prozent zu reduzieren, um die steigenden Gaspreise auszugleichen.

"Es hat keinen Sinn, Ammoniak auf diesem Preisniveau herzustellen", sagte Vorstandschef Petr Cingr. "Wenn die Regierung nicht handelt, droht ein kompletter Produktionsstopp."

Die Presse

Chefs der E-Control haben keine Verträge

12. Oktober 2021

Regulator. Seit März im Amt, Unstimmigkeiten über Gagen

Die E-Control ist eine der wichtigsten unabhängigen Behörden des Landes. Als Regulator für leitungsgebundene Energien wacht sie seit der Liberalisierung über den Strom- und Gas-Markt. „Politisch und finanziell unabhängig“ müsse der Regulator sein, um im Interesse aller Marktteilnehmer handeln zu können, so die Eigendefinition der Behörde, deren Vorstände an keine Weisungen gebunden sind.

Eine heikler Job, der immer wieder zu Konfrontationen mit den politisch höchst einflussreichen Energie-Anbietern führt. Von einem fairen Wettbewerb im milliardenschweren Energiemarkt sollen Haushalte und Unternehmen gleichermaßen profitieren. Ausgerechnet jetzt, wenn die CO₂-Besteuerung bevorsteht und die Energiepreise ohnehin nach oben schießen, ist die E-Control wichtiger denn je.

Wie groß aber ist die Unabhängigkeit tatsächlich, wenn die Vorstände praktisch in der Luft hängen. Sie wurden zwar mit 25. März auf fünf Jahre bestellt und üben ihren Job auch aus, haben bis heute aber keine Vorstandsverträge. Wolfgang Urbantschitsch, 52, dient die zweite Funktionsperiode, er wird der ÖVP zugerechnet. Sein SPÖ-naher Kollege Andreas Eigenbauer wurde nicht verlängert und ging ins Wiener Rathaus zurück. Neu in den Vorstand zog der Uni-Professor Alfons Haber, 50, ein. Er war der Kandidat der grünen Klima-Ministerin Leonore Gewessler.
Dass Vorstände länger als ein halbes Jahr ohne Vertrag jobben, hat absoluten Seltenheitswert. Undenkbar in der Privatwirtschaft, aber auch im staatlichen Bereich nicht üblich. Normalerweise werden die Verträge mit Vorständen vor deren Bestellung fixiert.

Kurier

„Wird nicht ohne Energieimporte gehen“

12. Oktober 2021

Energie- und Klimawende. ÖAMTC-Experte Wiesinger sieht ebenso wie Industriellen-Präsident Knill grobe Mängel bei Energiestrategie. Wiesinger wirft Gewessler „Pippi Langstrumpf“-Zugang bei Energiezukunft vor

Gleich zu Beginn überrascht ÖAMTC-Experte Bernhard Wiesinger im KURIER-Gespräch: Ja, auch der ÖAMTC ist der Ansicht, dass die Ökostromziele bis 2030 erreicht werden können. Diese sehen vor, dass die Treibhausgas-Emissionen in allen Bereichen – also etwa beim Verkehr oder bei den Gebäuden – um mehr als die Hälfte (im Vergleich zu 2019) sinken müssen.
Aber, so Wiesinger: sicher nicht mit den aktuellen Maßnahmen. „Weil die setzen ausschließlich auf die Elektromobilität.“ Es brauche vielmehr eine Technologie-Offenheit und damit einen Zugangzu synthetischen und biogenenKraftstoffen, also E-Fuels.

Hürden bei E-Fuels

Dabei wird in sehr großen Elektrolysen Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespaltet. Dann wird chemisch der Wasserstoff unter anderem mit CO₂ verbunden und daraus künstlicher Diesel oder ebensolches Benzin erzeugt.
Das Problem dabei (abgesehen von den hohen Produktionskosten): Dafür braucht mehr sehr viel „grünen“ Strom aus nachhaltigen Quellen wie Wind oder Wasser. Mehr als in Österreich produziert werden kann, glaubt Wiesinger: „Wir werden ohnehin nicht ohne Energieimporte auskommen können, weil sehr viele Prozesse sehr viel saubere Energie benötigen.“

Wiesinger schlägt vor, dass dort, wo viel Windkraft möglich ist (Wiesinger nennt etwa Island) oder die Sonne sehr viel stärker scheint (Wiesinger nennt Nordafrika) der Wasserstoff und diese E-Fuels produziert werden sollen. „Damit ändert sich auch nichts am Verteilmodus an den Tankstellen, nur am Produkt.“ Eine weitere Hürde sei außerdem noch, ob die EU die E-Fuels als saubere Alternative erlaubt. Derzeit ist das nicht der Fall.

Kurier

„Große Bedrohung für modernen Staat“

29. September 2021

Blackout. Die Polizei rüstet sich für einen überregionalen Netzzusammenbruch. Der Klimawandel und der rasche Ausbau erneubarer Energie machen diesen wahrscheinlicher, heißt es vom Stromnetzbetreiber APG

Tote Telefonleitungen, stehende Straßenbahnen und geschlossene Supermärkte. So oder so ähnlich würde sich ein flächendeckender Stromausfall wohl bemerkbar machen. Das wäre laut Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) aber nur der Anfang. Er sieht das Risiko eines Dominoeffekts. Rasch wäre immer mehr kritische Infrastruktur betroffen und die Versorgungssicherheit gefährdet.

Um für derartige Szenarien gerüstet zu sein, haben Nehammer und der Vorstand des Hochspannungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG) einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Die verstärkte Zusammenarbeit soll es der Polizei ermöglichen, im Ernstfall ein bis zwei Stunden zu sparen. Zeit, die in der sogenannten „Chaosphase“, also direkt nach Eintritt, kostbar sein kann.

Die Gefahr eines Blackouts, also eines überregionalen Zusammenbruchs der Stromversorgung, wird sowohl seitens Polizei als auch von dem Stromnetzbetreiber sehr ernstgenommen. „Es handelt sich um eine der größten Bedrohungen für moderne Staaten“, sagte der Innenminister am Montag. „Die Klimawende mit ihren Extremwetterereignissen macht uns zu schaffen und trägt dazu bei, dass das System labiler wird und am Limit fährt“, ergänzte APG-Vorstandsdirektor Gerhard Christiner. Erschwerend komme hinzu, dass zwar der Ausbau erneuerbarer Energie stark im Fokus stehe, dabei aber das Gesamtsystem vernachlässigt werde. Problematisch sei das, da bestehende Netzanlagen dafür nicht ausgelegt seien.

Kurier