Verbund gibt Kunden ab Juli einen Energiebonus

27. Mai 2022, Wien

Einem guten Teil der rund 500.000 Kunden der Verbund AG winkt ab Juli eine Erleichterung für die gestiegenen Strom- und Gaspreise. Wer von den jüngsten Preiserhöhungen betroffen war, bekommt zwei Monate Gratisstrom (exklusive Netzkosten und Abgaben), kündigte der teilstaatliche Stromkonzern am Dienstag an. Für Menschen, die auf staatliche Unterstützung wie Mindestsicherung angewiesen oder von GIS-Gebühren befreit sind, gibt es zwei zusätzliche Monate Gratisenergie. Zudem winkt Bestandskunden, deren Strompreis sich aufgrund der indexbasierten Preisänderung besonders stark erhöht hat, ein vergünstigter Bonustarif.

Verbund hatte mit Anfang Mai die Preise erhöht. Ein Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt seither um 250 Euro im Jahr mehr (bei Gas sind es 900 Euro im Jahr) – abzüglich einer einmaligen Gutschrift von 30 Euro, die mit der nächsten Jahresabrechnung abgezogen wird.

Für einen Durchschnittshaushalt macht der Energiebonus in etwa 90 Euro aus. Die Vorschreibungen werden dementsprechend ab Juli reduziert, „um sicherzustellen, dass die Entlastung möglichst rasch spürbar wird“, betonte der Konzern. Außerdem werden die Indexklauseln in den allgemeinen Geschäftsbedingungen „evaluiert“, weil diese aufgrund der hohen Strompreise zu weiteren Erhöhungen geführt hätten. Nun werden alternative Klauseln geprüft.

„Wir versuchen die Kunden bestmöglich zu unterstützen, wo immer wir können“, betont die Verbund AG. Österreichs größter Stromkonzern sponsert auch den Stromhilfefonds der Caritas, der allen bedürftigen Stromkunden offensteht. mg

Salzburger Nachrichten

Gas: Volle Speicher reichen nicht

27. Mai 2022, Wien

Energie. Komme kein Gas mehr, drohe Österreich ein Produktionseinbruch wie in der ersten Coronawelle, sagen Forscher. Die Regierung müsse rasch handeln — und auf Hilfe der EU bauen.

Gute Nachrichten: Langsam, aber doch nimmt die eiserne Gasreserve des Landes Gestalt an. Die Bundesregierung habe um 958 Millionen Euro die ersten 7,7 Terawattstunden (TWh) Erdgas für die strategische Reserve aufgekauft, vermeldete das Klima- und Energieministerium am Dienstag. Damit kommt Österreich immerhin über einen kalten Wintermonat. In Summe will der Staat 20 TWh Gas selbst einlagern, mithilfe der Versorger sollen die Gasspeicher im Herbst zu 80 Prozent gefüllt sein. Vergangene Woche verfügte die Koalition zudem, dass der Gasspeicher Haidach, der bisher nur Deutschland versorgt hatte, auch an das österreichische Netz angebunden werden soll. Die Vorbereitungen für den Ernstfall eines Stopps russischer Gaslieferungen laufen also.

Aber all das sei nicht genug, warnen die Forscher des Complexity Science Hub Vienna (CSH), die zuletzt in der Coronapandemie viel an Aufmerksamkeit gewonnen haben. Sie haben sich angesehen, wie das Land und seine Industrie im Detail betroffen wären, wenn plötzlich kein Gas mehr aus Russland käme — und wie sich die Regierung heute schon idealerweise auf dieses Szenario vorbereiten sollte. "Ohne geeignete Gegenmaßnahmen drohen substanzielle wirtschaftliche Schäden", warnt CSH-Leiter Stefan Thurner. Auf gut gefüllten Gasspeichern darf sich Österreich jedenfalls nicht ausruhen. Im Ernstfall könnte es die bessere Wahl sein, das gebunkerte Gas mit dem Rest der EU zu teilen.

Modelliert haben die Komplexitätsforscher einen Stopp russischer Gaslieferungen ab Juni. Österreich kämen schlagartig 80 Prozent seiner Gasimporte abhanden, Haushalte und Stromversorger wären zwar noch versorgt, die Industrie aber käme rasch in Bedrängnis. Die betroffenen Unternehmen würden mehr als fünf Milliarden Euro an Bruttoproduktion im Monat verlieren. "Das ist in etwa dieselbe Größenordnung wie in der ersten Coronawelle", so Thurner. Alle Überlegungen, wie die restlichen Mengen am besten auf die Branchen verteilt werden sollten, seien in seinen Augen zweitrangig. Entscheidend sei vielmehr, dass die Politik schon jetzt gegensteuere, um den möglichen Gasschock so klein wie möglich zu halten.

Die Presse

PV-Anlage von SMA Solar - Niestetal, APA/dpa

Ein großer Run auf Photovoltaik-Anlagen

27. Mai 2022

Analyse zeigt: Den Österreichern sind Energie-Autarkie und Umweltschutz wichtig – Land setzt seit Jahren auf Maßnahmenplan

Angesichts der globalen Entwicklungen, von Pandemie über Klima- und Ukraine-Krise, Blackout-Szenarien bis hin zur Faszination Autarkie, beschäftigen sich aktuell besonders viele Menschen mit Überlegungen rund um Energieversorgung und Heizvarianten.

Die heimische Onlineplattform willhaben hat sich aus diesem Grund auf Spurensuche begeben, die Marktplatz-Stichwortsuchen in diesen Themengebieten des ersten Quartals 2022 mit jenen des Vorjahreszeitraums verglichen und die auffälligsten Entwicklungen zusammengefasst, wobei die Ergebnisse teilweise überaus deutlich ausfallen.

PV-Anlage: Faktor 30

Dabei spielt beispielsweise das Stichwort „PV-Anlage“ bei den erhobenen Daten auf willhaben in einer eigenen Liga. Die Suchen danach haben sich auf dem digitalen Marktplatz im untersuchten Zeitraum gegenüber dem Vorjahr knapp verdreißigfacht. Das Stichwort „Solarmodul“ wurde ebenfalls häufiger gesucht als je zuvor, hier hat sich das Interesse mehr als verfünfzehnfacht. Die Suche nach „Windrad“ hat mehr als 170 Prozent zugelegt, das Stichwort „Powerbank“ um knapp 160 Prozent.

Die Stichwortsuche nach „Holzkessel“ erreichte im ersten Quartal 2022 deutlich mehr als den 15-fachen Wert des Vergleichszeitraumes 2021. Das Interesse an Buchenbrennholz ist ebenso rasant angewachsen, die Suche hat sich Anfang des Jahres 2022 gegenüber dem ersten Quartal 2021 etwa verzehnfacht. Die Stichwortsuchen nach „Holzbriketts“ nahmen um mehr als 200 Prozent, jene nach „Pellets“ um mehr als 30 Prozent zu. Holz war auch als Baumaterial sehr gefragt, beispielsweise erfreuten sich „OSB-Platten“ (plus 91 Prozent) oder „Bauholz“ (plus 50 Prozent ) auf willhaben im ersten Quartal 2022 besonders großer Beliebtheit.

Oberösterreichisches Volksblatt

Voestalpine kann das Erz aus der Ukraine ersetzen

27. Mai 2022

Energieversorgung. Gas-Embargo würde Ende der Stahlproduktion bedeuten

Der Krieg in der Ukraine hält den Stahltechnologiekonzern voestalpine auf Trab. Die für die Hochöfen benötigte Kohle aus Russland und die Erz-Pellets aus der Ukraine werden seit Kriegsbeginn ja nicht mehr geliefert. Sie müssen ersetzt werden. Durch Lieferanten aus Europa (Schweden etwa) oder Übersee (Brasilien z.B.). Weil das andere Konzerne auch tun müssen, treibt das natürlich den Preis. Vor dem Krieg hat die voestalpine immerhin rund ein Drittel aller Erz-Lieferungen aus der Ukraine bezogen.

„Dann und wann kommt noch ein Zug an“, sagt Vorstandschef Herbert Eibensteiner. Mehr nicht. Aber man kriege das Problem in den Griff.

Ohne Gas kein Stahl

Sollte es jedoch zu einem Ausfall der Gaslieferungen kommen, wäre dies „dramatisch“ und „nicht oder schwer managebar“, so Eibensteiner: „Ohne Gas keine Stahllieferungen.“ Generell würden dann wesentliche industrielle Prozesse zum Stillstand kommen.

Spüren würden das alle, weil Lieferketten zusammenbrechen würden und es wohl zu einer hohen Arbeitslosigkeit käme. Vor allem, weil der Ausfall von Erdgas länger anhalten würde. „Das kann man nicht von heute auf morgen wieder hochfahren“, so der voestalpine-Chef.

Mit der Regulierungsbehörde E-Control sei man laufend im Austausch, mit der Regierung gebe es aber nur „sporadisch“ Gespräche zur Gasversorgung, so Eibensteiner im Gespräch mit Journalisten.

Kurier

Energieverbrauch senken

25. Mai 2022

Ganzheitlich. Kostenreduktion und neue unternehmerische Wertschöpfung erfordern intelligent vernetztes Datenmanagement.

Die Energiekosten haben sich für heimische Industrieunternehmen radikal verteuert. Der Preis für Strom stieg im Vergleich zum Vorjahr zeitweise um das Zehnfache, der Gaspreisindex um rund 500 Prozent. Neben den Energiekosten, die auf die betriebswirtschaftliche Kalkulation der Fertigung durchschlagen, müssen Unternehmen auch die Belastung der Klimaauflagen berücksichtigen. Der grüne Fußabdruck wird etwa für die Auftragsvergabe an Sublieferanten oder bei der Kapitalvergabe immer wichtiger.

All diese Kostenanstiege sind aktuell der Haupttreiber für ein optimiertes Energiemanagement. Ein wesentlicher Ansatz hat mit der Vernetzung von Energiedaten, Maschinendaten und Betriebsdaten zu tun. Erfahrungsgemäß liegen im Produktionsprozess beim Einsatz von Hitze, Kälte, Druckluft oder Beleuchtung wichtige Stellschrauben für einen reduzierten Energieverbrauch. Eine Vielzahl umgesetzter Projekte zeigt, dass sich allein mit der richtigen Energiesteuerung derartiger Abläufe bis zu zwanzig Prozent Energie einsparen lassen, bei traditionell gesteuerten Anlagen bis zu vierzig.

Praktisch startet ein smartes Energiemanagement mit einem Stufenmodell, bei dem einmal die Energiedaten aus verschiedensten Quellen erfasst werden. Maschinen mit Datenschnittstellen und konventionellen Zählern lassen sich mit Ausleseeinheiten einfach digitalisieren. Neue Messpunkte werden bei Bedarf mit zusätzlicher Sensorik eingerichtet. Um dann die Energieverbräuche in einen Kontext zu setzen, werden auch ergänzende Maschinen-, Umgebungs- oder Auftragsdaten einbezogen.

Das ergibt ein scharfes Bild, welche Faktoren den Energiebedarf einer Anlage bestimmen und damit die Bilanz des Unternehmens beeinflussen. Sinnvoll ist ein ganzheitlicher Ansatz, wo für die Analyse so viele relevante Systeme wie nötig hinzugezogen werden. Diese Vernetzung ermöglicht dann weitere Optimierungen der Prozesse. So wird etwa die Instandhaltung benachrichtigt, sobald ein Grenzwert überschritten wird. Smartes Energiemanagement verdeutlicht sich schon am Beispiel einer vergleichsweise kleinen Bäckerei. Hier erwies sich die Kühlkammer als Aktionspunkt, die nun auch als Speicher genutzt wird. Immer, wenn die Solaranlage mehr Strom erzeugt als für den aktuellen Betrieb nötig, wird ein Kältevorrat angelegt und Energie für knappere Zeiten gespeichert.

Die Presse

Sparen, aber ohne Zwang

24. Mai 2022, Wien

Auch in Österreich wird es demnächst einen Aufruf geben, weniger Energie zu verbrauchen. Es gibt bessere Hebel für mehr Energieeffizienz.

In Deutschland müssen Vermieter schlecht gedämmter Wohnungen oder Häuser ab 2023 einen Teil der CO2-Abgabe auf Heizkosten übernehmen. Das soll ein Anreiz für Immobilienbesitzer sein, Gebäude zu sanieren oder auf klimafreundliche Heizungen umzustellen und Energie zu sparen, hofft die rot-gelb-grüne Regierung. Der günstigste und effizienteste Beitrag zu mehr Unabhängigkeit von russischem Öl und Gas sei weniger Energieverbrauch, sagt Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck. Und plant ab Juni eine Kampagne, die Betrieben und Verbrauchern Tipps zum Energiesparen gibt.

Österreich geht bei der CO2-Abgabe anders vor, entlastet werden die Haushalte über den Klimabonus. Eine Kampagne zum Energiesparen wird es aber auch hierzulande geben. „Wir arbeiten daran“, verlautet aus dem Klimaministerium, vorerst ohne Details. Es werde aber „kein Gesetz geben, das die Leute zwingt, Energie zu sparen“.

Seit Beginn des Ukraine-Krieges wird nicht nur in Deutschland, sondern auch hier darüber diskutiert, wie der Energieverbrauch und damit die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas reduziert werden könnte. Global 2000 forderte erst diese Woche die Regierung auf, „stärker auf dieses Pferd zu setzen“. Laut einer Studie der Umweltorganisation könnte Österreich seinen Energieverbrauch halbieren, wenn in allen Bereichen angesetzt wird. Allein der Stromverbrauch könnte um 13 Terawattstunden reduziert werden – die Hälfte dessen, was derzeit an zusätzlichem Ökostrom geplant ist. Das würde es leichter machen, das Ziel von 100 Prozent Strom aus Wasser, Wind, Sonne und Biomasse bis 2030 zu erreichen, sagt Global-2000-Klimaexperte Johannes Wahlmüller.

Die Vorschläge reichen von der Absenkung der Raumtemperatur um ein Grad über den Austausch stromfressender Haushaltsgeräte bis zur Einführung von 100 Kilometern pro Stunde auf der Autobahn. Tempolimits wird es nicht geben. Es sei „nicht sehr produktiv“, den Menschen langsameres Fahren vorzuschreiben, weil die Politik keine Veränderung geschafft habe, lautet die Meinung der Experten im Klimaministerium. Das Tempo beim Autofahren freiwillig zu drosseln sei aber gut, weil das den Spritverbrauch senkt, hat Ministerin Leonore Gewessler wiederholt gesagt.

Salzburger Nachrichten

Jetzt bei Wind und Solar einsteigen?

24. Mai 2022, Wien

Zertifikate. Die Energiewende gewinnt mit der Ukraine-Krise an Fahrt. Zugleich haben viele Branchentitel kräftig korrigiert. Soll man die Chance nutzen?

Die Folgen der Ukraine-Krise ziehen immer weitere Kreise auf Europas Energiemarkt. Mitte Mai stellte die Ukraine den Transit von russischem Gas im Gebiet Luhansk ein. Die Folgen daraus bekommen einzelne EU-Mitgliedsländer unterschiedlich zu spüren. Österreich deckt gut 80 Prozent seines Gasbedarfs mit Lieferungen aus Russland ab. Im Schnitt machen russische Gasimporte innerhalb der EU 40 Prozent aus.

Die EU arbeitet mit Hochdruck an der Umsetzung ihres Klimapakets, auch um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland noch schneller zu senken. Dazu zählt das raschere Vorantreiben der geplanten Energiewende. Bis 2030 sollen 45 Prozent der Energie in der EU aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden — anstatt wie bisher vorgesehen 40 Prozent. Und damit würde auch die Kapazität der sauberen Energien auf gut 1236 Gigawatt steigen, im Vergleich zu derzeit 511 Gigawatt.

EU erhöht den Druck

Unter anderem soll die Anzahl der Solarstromanlagen bis 2028 mehr als verdoppelt werden. Damit würde die Gesamtkapazität auf 300 Gigawatt steigen. Der Ausbau grünen Wasserstoffs — der bei der Elektrolyse mit dem Einsatz erneuerbarer Energien hergestellt wird — steht ebenfalls im Fokus. Bis 2030 sollen insgesamt zehn Millionen Tonnen in der EU produziert und weitere zehn Millionen Tonnen importiert werden. Zugleich soll der Energieverbrauch in den kommenden Jahren gesenkt werden.

Auch in anderen Regionen steht der Ausbau erneuerbarer Energien zunehmend im Fokus. In China umfasst der neue Fünfjahresplan, der im Vorjahr vorgestellt wurde, unter anderem die nationale Energiesicherheit. Bis 2025 sollen erneuerbare Energien 20 Prozent der gesamten Energieproduktion ausmachen. Und bis 2030 soll es gar ein Viertel werden. Schon jetzt werden die Ziele kräftig forciert, wie allein der Zuwachs in der Fotovoltaik verdeutlicht. Im Vorjahr wurden in China neue Kapazitäten von rund 55 Gigawatt in diesem Bereich geschaffen — ein neuer Rekord, der heuer mit weiteren geplanten 90 Gigawatt übertroffen werden könnte.

Die Presse

Ein Viertel von Österreichs Gasverbrauch kann grün werden

24. Mai 2022, Wien

Energie. Biomethan ist billig, kurbelt die heimische Wirtschaft an und bringt dem Staat hohe Einnahmen, so eine Studie.

Mitten in der größten Energiekrise seit Jahrzehnten schlägt die Stunde der Grüngas-Lobby. Die längste Zeit musste klimaneutrales Biomethan, das aus Feldfrüchten, Abfall oder Pflanzenresten gewonnen werden kann, auf der Ersatzbank des Energiesystems Platz nehmen. Die ersten Generationen waren politisch umstritten (Stichwort: Teller oder Tank) und konnten preislich nicht mit fossilem Erdgas mithalten, das 2019 noch um fünf Euro je Megawattstunde zu haben war.

Doch die Klimaziele der EU und der Krieg in der Ukraine haben das grundlegend geändert: Fossiles Erdgas kostet heute zwanzig Mal mehr als noch vor wenigen Jahren, zudem sucht ganz Europa nach Wegen, um vom russischen Gaslieferanten loszukommen. Und die Vertreter der Biogasbranche wollen endlich auf das Spielfeld.

Billiger als gedacht

"Wir könnten problemlos zwanzig bis dreißig Prozent des fossilen Erdgases, das Österreich heute verbraucht, im eigenen Land erzeugen", sagt Biogas-Lobbyist Norbert Hummel zur "Presse". Österreich aber plant derzeit nur mit einem vergleichsweise mickrigen Ausbau von fünf Terawattstunden Biomethan bis 2030. Damit lasse das Land nicht nur eine Chance liegen, die Versorgungssicherheit zu erhöhen, auch Wirtschaft und Finanzminister würden um satte Gewinne gebracht.

Um diese Behauptung auch wissenschaftlich zu untermauern, hat der Fachverband Gas Wärme das Potenzial von grünem Gas von Economica-Chef Christian Helmenstein und Anna Kleissner von Econmove untersuchen lassen.

Die Presse

E-Wirtschaft hadert mit Abwicklung des Energiekosten-Ausgleichs - Bremen, APA (Symbolfoto)

Hohe Preise für Strom, Gas und Ölprodukte treiben Umsatz

24. Mai 2022

Energiebranche. Die Großhandelspreise von Energie sind seit dem Frühling 2021 stark gestiegen. Denn die Lockerung der Corona-Maßnahmen in großen Volkswirtschaften führte zu einem internationalen Konjunkturaufschwung und einer weltweit höheren Nachfrage. Der Ukraine-Krieg hat insbesondere in Europa zu weiteren Preisausschlägen geführt.

Mit den höheren Preisen sind die Umsätze der Energieunternehmen stark angestiegen, aber nicht alle machen dabei fette Gewinne. Auf der einen Seite stehen jene, die selbst Energieträger produzieren. So hat der Mineralölkonzern OMV sein operatives Ergebnis (CCS) im ersten Quartal 2022 auf 2,6 Milliarden Euro verdreifacht. Österreichs größter Wasserkraft-StromproduzentVerbund peilt heuer einen Rekordgewinn von etwa 2 Milliarden Euro an (2021: 874 Millionen Euro).

Weniger gut geht es jenen, die Strom oder Gas in großen Mengen zukaufen müssen, um ihre Kunden

zu beliefern. So verbuchten beispielsweise Wien Energie und Energie Steiermark beim operativen Ergebnis (EBIT) 2021 Einbrüche von etwa 60 Prozent.

Kurier

„So viel erneuerbare Energie gibt’s nicht“

24. Mai 2022

Wien Energie. Die Versorgung der Hauptstadt soll bis 2040 ohne fossile Energieträger auskommen – laut Geschäftsführer Michael Strebl gelingt das nur, wenn der Verbrauch deutlich abnimmt

Die Stadt Wien soll bis zum Jahr 2040 klimaneutral sein – das betrifft auch die Wien Energie. Bisher basiert aber etwa 60 Prozent der Strom- und Wärmeproduktion des größten österreichischen Regionalversorgers auf Erdgas. Der KURIER hat bei Geschäftsführer Michael Strebl nachgefragt, wie das Ziel erreicht werden soll.

KURIER:Wien wächst. Wie viele Einwohner werden 2040 zu versorgen sein?

Michael Strebl: Wir halten uns an die Prognose der Stadt Wien, das sind ein bisschen über zwei Millionen.

Trotzdem soll der Energieverbrauch um etwa ein Viertel sinken?

Ja. Man muss den Energieverbrauch reduzieren und die Energieträger substituieren. Wir werden Wien nicht mit dem bestehenden Energieverbrauch dekarbonisieren können, so viel erneuerbare Energie gibt’s nicht. Wir reden momentan sehr viel von der Substitution, aber leider sehr wenig von der Reduktion.

Substitution bedeutet zu einem Gutteil Umstellung auf Strom?

Ja, die Stromnutzung wird stark zunehmen, in Summe erwarten wir beim Stromverbrauch eine Zunahme um 58 Prozent. In der Raumwärme steigt er um 50 Prozent, in der Fernkälte wird er drei Mal so hoch, in der Mobilität sieben Mal so hoch sein.

Kurier

Russland-Gas noch 15 Jahre lang

24. Mai 2022

Behindert die Eigentümerkonstruktion der Energie AG den Ausbau der alternativen Energien? „Nein, gar nicht“, antwortet Markus Achleitner, Wirtschaftslandesrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Energie AG, auf die Frage, ob nicht die 47-Prozent-

Beteiligung von privaten Investoren (Banken) den Interessen des 53-Prozent-Mehrheitseigentümers Land OÖ zuwiderlaufe. Die Interessen sind unterschiedlich. Die Banken wollen hohe Dividenden, während das Land in die nachhaltige Stromerzeugung investieren will.

„Ich halte nichts von steuerlichen Überlegungen und gesetzlichen Eingriffen“ sagt Achleitner angesichts der Diskussion über die hohen Gewinne der Stromkonzerne aufgrund der hohen Strompreise. „Ich verstehe aber, dass man als Eigentürmer sagen kann, dass man angesichts der höheren Gewinne auch über höhere Dividenden nachdenken kann. Mein Zugang ist, dass wir durch die höheren Gewinne schneller bei Projekten wie dem Pumpspeicherkraftwerk Ebensee und dem Repowering des Kraftwerks beim Traunfall werden können.“

Achleitner rechnet damit, dass es zehn bis 15 Jahre dauern wird, dass Oberösterreich aus der 80-prozentigen Abhängigkeit vom russischen Gas aussteigen kann. Die EU hat hingegen bei ihrem Gipfel in Paris beschlossen, dass die Einfuhr von russischem Gas bis Ende des Jahres um zwei Drittel sinken soll. 2027 soll mit russischem Gas überhaupt Schluss sein. Die EU stellt für alternative Investitionen 300 Milliarden Euro bis 2030 zur Verfügung.

Die Nachfrage nach Fotovoltaikanlagen boomt. Bis einschließlich Ende April wurden heuer bereits 11.502 Förderanträge beim Land OÖ gestellt. 2021 waren es 8.668, 2020 genau 6.842, 2019 waren es 3.830.

Kurier

„Nur Wind liefert im Winter“

24. Mai 2022

Kelag-Vorstand Güthlein favorisiert die Windkraft.

Kärnten ist bei der Wasserkraft gut aufgestellt, dennoch müssen wir im Winter zusätzlich Strom importieren. Wie kommen wir auch über das Jahr gerechnet auf 100 Prozent grüne Energie?

Danny Güthlein: Seit September hat Kärnten mehr Strom zukaufen müssen, als es verkauft hat. Das liegt auch an der verminderten Wasserführung im trockenen Winter. Wir brauchen daher den verstärkten Ausbau bei der Windkraft. Der Wind ist die einzige saubere Energiequelle, die auch im Winter ausreichend und verlässlich liefert.

Kärnten wird oft als „Sonnenland“ gepriesen, lässt sich der fehlende Strom nicht auch mit Fotovoltaik erzeugen?

Fotovoltaik ist ein wichtiger Baustein in der Energiewende. Sie erzeugt aber die meiste Energie – 70 Prozent – in den Sommermonaten. Da haben wir einen Überschuss, der zusätzlich das Stromnetz belastet. Würden wir nur auf Fotovoltaik setzen, bräuchte das einen Netzausbau, der nicht leistbar ist.

Im Winter führt also kein Weg am Wind vorbei?

Nicht, wenn wir uns aus der Abhängigkeit aus Kohle-, Gas- und Atomstrom befreien wollen. Das alles müssen wir aus anderen Ländern importieren – das gilt für Kärnten wie auch für Österreich.

Kleine Zeitung