Kohle wieder wichtigste Stromquelle

15. September 2021

Kohle hat in Deutschland als Energieträger für die Stromproduktion im ersten Halbjahr 2021 die Windkraft wieder vom ersten Platz verdrängt. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der gesamten in Deutschland erzeugten Strommenge von 258,9 Milliarden Kilowattstunden stammten nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts in diesem Zeitraum aus konventionellen Quellen wie Kohle, Erdgas oder Kernenergie. Das war gut ein Fünftel (20,9 Prozent) mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil erneuerbarer Energien wie Wind, Solarenergie und Biogas sank dagegen zum Vorjahreszeitraum um 11,7 Prozent auf 44 Prozent. Wegen eines windarmen Frühjahrs sank der Anteil der Windkraft von 29 auf 22 Prozent. Die eingespeiste Strommenge aus Kohlekraftwerken (im Bild Gelsenkirchen) stieg dagegen um ein Drittel auf 27 Prozent.

von Martin Meissner

Salzburger Nachrichten

Überraschendes Comeback für die Kohle

15. September 2021

Quelle: Handelsblatt, 14.09.2021 (S. 019-019)

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der deutschen Stromproduktion ist im ersten Halbjahr gesunken.

Erst im vergangenen Jahr hatte Windkraft Kohle als wichtigste Stromquelle vom ersten Platz verdrängt. Im ersten Halbjahr 2021 sorgte ein windarmes Frühjahr nun allerdings für eine überraschende Renaissance des fossilen Energieträgers. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der gesamten in Deutschland erzeugten Strommenge von 258,9 Milliarden Kilowattstunden stammte nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts in diesem Zeitraum aus konventionellen Quellen wie Kohle, Erdgas oder Kernenergie.

Das ist ein Anstieg um über 20 Prozent innerhalb eines Jahres. Der Anteil erneuerbarer Energien wie Wind, Solarenergie und Biogas sank hingegen zum Vorjahreszeitraum um 11,7 Prozent auf 44 Prozent.

Solche Schwankungen seien allerdings normal, erklärte Patrick Graichen, Chef des Berliner Thinktanks Agora Energiewende im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Grund für den Wechsel an der Spitze sei nicht nur die Flaute der vergangenen Monate, sondern auch der stockende Windkraftausbau. "Solche Schwankungen könnten ausgeglichen werden, wenn wir mehr Windräder an Land hinzubauen würden", sagte der Agora-Chef. Der Windkraftausbau stockt in Deutschland allerdings seit ein paar Jahren.

Handelsblatt

Strom braucht auch Leitungen

10. September 2021, Wien

Rund 18 Mrd. Euro sind nötig, um das Stromnetz fit für die Energiewende zu machen. Das Geld ist nur eine der Hürden.

Die Gegner von neuen Stromleitungen jeder Art bekommen in den nächsten Jahren viel zu tun. Wenn Österreich bis 2030 den Umstieg auf 100 Prozent Ökostrom schaffen will, müssen die bestehenden Leitungen aufgerüstet und vor allem neue errichtet werden. Die Investitionen, die dafür notwendig sind, werden immer größer. Die Verbund-Tochter APG, zuständig für die Höchst- (220–380 kV) und Hochspannungsleitungen (110 kV) in Österreich – darunter die 380-kV-Trasse in Salzburg –, hat im aktuellen Netzentwicklungsplan 32 Projekte im Wert von 3,5 Mill. Euro für zehn Jahre vorgesehen. Das sind 400 Mill. Euro mehr als noch im vorherigen Plan, weil neue Vorhaben dazugekommen sind.

Der geplante massive Ausbau insbesondere von Windkraft auf das Zweieinhalbfache und von Photovoltaik auf fast das Zehnfache ist im Entwicklungsplan der APG in Ansätzen enthalten. Denn der Abtransport von überschüssigem Windstrom aus dem burgenländischen Seewinkel oder dem niederösterreichischen Weinviertel in Richtung Ballungszentren und Westen wird ohne starke Übertragungsnetze nicht gehen.

Salzburger Nachrichten

Stromversorgung non-stop

3. September 2021

Quelle: Factory, 01.09.2021 (S. 8-9)

Das modernste Glasfaser-Rohling-Werk Europas steht in Gmünd im Waldviertel und muss stets mit Energie versorgt sein. Doch wie setzt ein Unternehmen wie NGB Fiber eine ausfallsichere Stromversorgung um?

Für die Region ist das neue Werk ein Gewinn. 50 Mio. Euro hat das Unternehmen NBG Fiber in die Preform-Fertigung (Reinglas-Rohling-Fertigung) investiert. Die Waldviertler produzieren weltweit die größten Preforms mit einer Länge von 2,5 Metern und einem Gewicht von bis zu 200 kg -Hightech made in Austria.

Für die Herstellung der Glasfaser-Rohlinge haben die Verantwortlichen einen jährlichen Stromverbrauch von 11 Mio. kWh ermittelt. Das entspricht dem Bedarf von 2.750 Einfamilienhäusern. Die Produktion ist hochautomatisiert. Stromausfälle oder Netzschwankungen sind ein Schreckensszenario, mehr noch ein Albtraum", den der technische Leiter Christian Zwettler nicht erleben möchte: "Wir würden den gesamten Produktionsfortschritt verlieren. Das ist der Grund, warum wir diese hohe Ausfallsicherheit bei der Stromversorgung haben, unter anderem eine Ringversorgung und 2 Trafos. Die USV-Anlagen haben wir redundant ausgelegt und zusätzliche Sicherheit mit dem Notstromaggregat geschaffen. Wir brauchen einfach diese hohe Energie-Verfügbarkeit, denn wenn irgendein Prozess ausfällt, dann ist unser gesamtes Produkt fehlerhaft."

Instandhaltungsleiter Reinhard Apfelthaler ergänzt: "Bei einem fünfminütigen Stromausfall würde bereits ein Maschinenschaden auftreten. Als Beispiel: In unseren Öfen ist ein Glasrohr verbaut, welches permanent beheizt werden muss. Kühlt das Glasrohr nur um wenige Grade ab, entstehen Spannungsrisse und die gesamte Maschine nimmt Schaden. Hinzu kommt, dass das Rohr derzeit eine Lieferzeit von fast vier Monaten hat."

Factory

„Keine Klimaziele ohne Kernkraft“

3. September 2021, Brüssel

Interview. Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt, Dienstleistungen und Verteidigung, warnt vor einem überhasteten Ausstieg aus der Atomenergie.

In einem Gespräch mit der "Presse" und vier anderen europäischen Medien plädiert der für Dienstleistungen, den Binnenmarkt und Verteidigung zuständige EU-Kommissar dafür, den Ausstieg aus der Atomkraft zu bremsen. Andernfalls sei es für Europa unmöglich, bis zum Jahr 2050 netto keine Treibhausgase mehr auszustoßen. "Es gibt keinen Weg, das 2050-Ziel ohne Kernkraft zu erreichen. Keinen einzigen. Jeder, der etwas anderes sagt, hat unrecht", erklärte Thierry Breton am Dienstag in Brüssel.

Das Vorhaben, in den kommenden drei Jahrzehnten klimaneutral zu werden, ist nicht nur eine politische Willensbekundung. Vor den Sommerferien legte die Europäische Kommission ein umfassendes Paket von Gesetzesvorschlägen vor, welches die Senkung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent bis zum Jahr 2030 ermöglichen soll (gemessen an den Emissionen im Jahr 1990). Dieses Etappenziel auf dem Weg zur Klimaneutralität soll unter anderem das Auslaufen des Verbrennungsmotors bis zum Jahr 2035 und seine Ersetzung durch Elektromotoren und den Wasserstoffantrieb einleiten. Beide Antriebsformen werden enorme zusätzliche Kapazitäten an elektrischem Strom erfordern, gab Breton zu bedenken. "Wie erzeugt man Wasserstoff? Mit Elektrizität. In Europa wird das an sich schon schwer genug. Um das Ziel für 2050 zu erreichen, werden wir die Stromproduktion verdoppeln müssen. Wir werden das, was wir jetzt schon an Windkraft haben, verzehnfachen müssen", gab er zu bedenken.

Breton beeilte sich aber, den Eindruck zu vermeiden, er wolle für den Bau neuer Kernkraftwerke werben oder gar den Mitgliedstaaten vorschreiben, auf welche Weise sie ihren Energiebedarf decken. "Der Energiemix ist allein Sache der Mitgliedstaaten. Das steht so in den Verträgen", erinnerte er an jenes rechtliche Faktum, welches die österreichischen Kampagnen zur Abschaffung der Atomkraft in der EU Mal um Mal scheitern lässt. Weil: Genauso wenig, wie jemand Österreich den Bau eines Atomreaktors vorschreiben kann, kann die Republik anderen Ländern, die auf die Atomkraft setzen, selbige verbieten.

Die Presse

Spanien will Supermacht für grünen Wasserstoff werden

3. September 2021

Quelle: Handelsblatt, 01.09.2021 (S. 022-023)

Madrid will beim grünen Umbau der europäischen Energieversorgung eine zentrale Rolle spielen. Ausländische Investoren haben die Chance längst erkannt.

Wer mit dem Auto durch die Extremadura im Westen Spaniens fährt, sieht rechts und links der Autobahn immer wieder riesige Solarparks. Weite Teile Spaniens sind unverbaut und Sonne ist ebenso wie Wind im Überschuss vorhanden - ideale Bedingungen für die Produktion von erneuerbarer Energie. Und damit auch für den großen Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel: grünen Wasserstoff.

Das Molekül soll den CO2-Ausstoß vor allem in den Branchen reduzieren, die sich nicht oder nur schwer elektrifizieren lassen, etwa in der Stahlproduktion, bei Schwertransportern, Seefrachtern oder in der Luftfahrt. Es lässt sich zudem speichern und transportieren.

Madrid hat sich dabei ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Regierung will grünen Wasserstoff nicht nur dazu nutzen, die eigenen Emissionen zu senken. Sie will ihn auch exportieren. "Spanien ist in der besten Position, um nicht nur eine weitere Drehscheibe, sondern die Drehscheibe der grünen Wasserstoffindustrie in Europa zu werden", sagte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez im Frühjahr bei der Präsentation eines Elektrolyseur-Projekts in Guadalajara bei Madrid.

Im vergangenen Oktober hat seine Regierung eine Wasserstoff-Strategie verabschiedet, die bis 2030 eine Kapazität von vier Gigawatt an Elektrolyseuren vorsieht. Damit liegt Spanien in Europa zwar nur auf Platz vier hinter Frankreich, das sechs Gigawatt angekündigt hat, sowie Deutschland und Italien mit fünf Gigawatt.

Handelsblatt

Was die EU mit dem Klimazoll vorhat

3. September 2021

Unternehmen, die energieintensive Produkte in die EU importieren wollen, sollen künftig einen CO₂ -Aufschlag zahlen. Die Treibhausgas-Emissionen dürfen sich nur noch in eine Richtung entwickeln: nach unten. Die EU will im Rahmen des Green Deal die Emissionen bis 2030 um 55 Prozent reduzieren. Im Zuge der verschärften Klimaziele soll auch eine Art Klimazoll eingeführt werden: Für energieintensive Produkte aus dem Ausland soll ab 2026 ein CO₂ -Aufschlag beim Import in die EU fällig werden. Mit dem sogenannten CO₂ -Grenzausgleich will die EU fairen Wettbewerb sicherstellen und verhindern, dass Unternehmen in Länder mit laxeren Klimastandards abwandern. Doch wie funktioniert der Mechanismus, welche Unternehmen betrifft er und wie groß ist die Gefahr von Gegenzöllen?

Wiener Zeitung

Die Rechnung fürs Heizen lässt keinen kalt

25. August 2021

Nach günstigen Energiepreisen im Jahr 2020 werden Brennstoffe nun wieder empfindlich teurer. 3000 Liter Heizöl kosten im Vergleich 500 Euro mehr.

Auch wenn die kalten Monate noch in weiter Ferne scheinen, so nutzen viele Hausbesitzer die Sommermonate, um ausreichend Heizmaterial einzulagern. Doch Preise fürs Heizen haben über den Sommer einen Satz nach oben gemacht. Im Juli sind die Preise für Haushaltsenergie um 13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Heizöl wurde sogar um 28,2 Prozent teurer. Bei einer Tankfüllung von 3000 Litern müsse man mit rund 2300 Euro rechnen, erläutern die Experten der Österreichischen Energieagentur. Das bedeutet Mehrkosten von rund 500 Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Auch wenn Heizölpreise seit dem Vorjahr stark gestiegen sind, dürfe man nicht vergessen, dass eine Tankfüllung im Vorjahr extrem günstig war, sagt Jürgen Roth, Obmann der Sparte Energiehandel in der Wirtschaftskammer. Auch trotz inzwischen gestiegener Preise sei jetzt eine gute Gelegenheit, die Tanks für den Winter zu füllen. „Wir hatten vor fünf bis zehn Jahren deutlich höhere Preise als jetzt.“ Roth geht auch nicht davon aus, dass Heizöl in den kommenden Monaten stark steigen oder fallen werde. Auch für die Experten der Energieagentur ist der weitere Trend unsicher. „Sollte es im Herbst zu weiteren Lockdowns kommen, werden auch die Heizölpreise wieder sinken. Sollte es jedoch wirtschaftlich so gut weitergehen wie bisher, kann mit Preissteigerungen gerechnet werden.“

Kleine Zeitung

Strom wird zum ¬Nachbarschaftsprojekt

25. August 2021, Schwarzach

Die Energiegemeinschaften haben das Potenzial, den Strommarkt zu verändern. Des einen Freud, des anderen Leid: Während sich die Grünen über diesen Aspekt des Erneuerbaren Ausbaugesetzes (EAG) freuen, fürchten Vertreter der Energiebranche, dass es zu Marktverzerrung kommt. Vorarlbergs Energieerzeuger Illwerke VKW zählt nicht dazu. Der Grünen-Bundesrat Adi Groß, Mitverhandler des EAG, sieht in den Energiegemeinschaften neben der Fotovoltaik-Förderung die für den Bürger sichtbarste Änderung. Er schwärmt: „Es können sich beliebig viele Personen zusammenschließen und eine Energiegemeinschaft gründen. Das funktioniert zwischen Freunden, in der Familie, aber auch in Kooperation mit Gemeinden, Feuerwehren, Unternehmen, Landwirten, etc. Ausgenommen sind nur Großbetriebe und Stromversorger.“ Energiegemeinschaften ermöglichen es, dass ein Hausbesitzer mit PV-Anlage auf dem Dach seinen Strom direkt an Nachbarn verkaufen kann. Er erhält damit mehr als den niedrigen Einspeistarif ins Netz. Umgekehrt ist der Strom für die Nachbarn billiger. Die Gemeinschaften ermöglichen zudem, dass sich mehrere Nachbarn zusammenschließen und gemeinsam eine Anlage bauen lassen. Verrechnet wird das Ganze über den Netzbetreiber, der nichts dafür verlangen darf. In Vorarlberg also über Illwerke VKW.

Vorarlberger Nachrichten