Mehrheit gegen Wasserkraft in Schutzgebieten

3. Dezember 2020, Linz
WWF fordert Förderungen nur außerhalb von Schutzgebieten
 - Graz, APA

Große Ablehnung gegenüber dem Bau und die Subventionierung neuer Wasserkraftwerke in Schutzgebieten ortet die Umweltschutzorganisation WWF aufgrund der Ergebnisse einer beim Linzer market-Institut in Auftrag gegebenen Umfrage: 64 Prozent der Befragten sprechen sich gegen derartige Pläne aus, die jedoch die Energiebranche bei der Ökostrom-Förderung durchsetzen wolle, erklärte die NGO am Donnerstag. Es gelte daher umzusteuern, forderte der WWF – auch in Richtung der Politik.

„In Zukunft dürfen nur noch Projekte gefördert werden, die außerhalb von Schutzgebieten und ökologisch besonders sensiblen Gewässerstrecken liegen. Dafür braucht es wirksame Kriterien im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG)“, sagte WWF-Programmleiterin Hanna Simons. Man brauche intakte und klimafitte Flüsse anstatt „subventionierter Naturzerstörung“.

Das EAG soll die künftige Grundlage für einen forcierten Ausbau der Erneuerbaren-Stromerzeugung bis 2030 darstellen, um Österreichs Stromversorgung bis dahin, übers Jahr gerechnet, zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen zu bestreiten. Das dies auch in Form neuer Kraftwerke in Schutzgebieten geschehen soll, werde deutlich abgelehnt, „quer über alle Parteigrenzen hinweg – von der Regierungs- bis zu den Oppositionsparteien“, fasste market-Studienleiterin Birgit Starmayr die Umfrage unter 1.000 online Befragten zusammen.

Bei den zur ÖVP tendierenden Befragten waren demnach insgesamt 60 Prozent gegen den Bau und die Subventionierung neuer Kraftwerke in Schutzgebieten – bei der SPÖ sind es 73 Prozent, bei den Grünen 80 Prozent, bei der FPÖ 61 Prozent und bei den NEOS 71 Prozent . Das ergibt sich jeweils durch die addierten Antworten von „ganz und gar nicht akzeptabel“ sowie „weniger akzeptabel“. Die klarste Ablehnungs-Option erzielt aber in allen Parteien eine relative Mehrheit der Befragten.

Laut dem WWF ist die Wasserkraft mit bundesweit über 5.200 Anlagen schon extrem ausgebaut und einer der Hauptfaktoren für den schlechten Zustand der Flüsse. Nur noch 15 Prozent sind in einem sehr guten ökologischen Zustand. Dennoch könnten in den nächsten Jahren zahlreiche neue Kraftwerke in Schutzgebieten gebaut und subventioniert werden, wenn sich die Energiebranche durchsetzt und im EAG keine wirksamen Naturschutzkriterien verankert werden. „Wer öffentliche Subventionen in Milliardenhöhe abrufen will, muss dafür auch wirksame ökologische Kriterien akzeptieren. Die dafür notwendigen Kriterien sind leicht administrierbar und haben eine wichtige Lenkungswirkung für eine naturverträgliche Energiewende“, so WWF-Gewässerschutz-Expertin Bettina Urbanek.

Auch all jene Kleinst-Wasserkraftwerke, die für sehr wenig Energiegewinn sehr viel Natur zerstören, dürfen laut Meinung der NGO in Zukunft nicht mit öffentlichen Mitteln subventioniert werden. „Die Schweiz hat hier aus guten Gründen einen Förderstopp verankert. Daran muss sich auch Österreich ein Beispiel nehmen“, sagt WWF-Expertin Urbanek. Denn das bisherige Fördersystem enthält immer noch Anreize für die Verbauung intakter Flüsse, obwohl rund 80 Prozent der bestehenden Wasserkraft-Anlagen die ökologischen Mindestanforderungen verfehlen.

Die alternative Lösung sieht der WWF in einem ganzheitlichen Ansatz, der sich nicht nur auf die Stromwende konzentriert: „Der Umbau des Energiesystems muss beim viel zu hohen Verbrauch ansetzen. Zusätzlich gehören fossile Subventionen sofort gestoppt und das Steuersystem ökologisiert, um die Abhängigkeit von Öl und Gas rasch zu verringern. Parallel dazu müssen vor allem Photovoltaik-Anlagen auf bereits verbauten Flächen deutlich ausgeweitet werden“, fordert Bettina Urbanek.

APA

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