Kaineder wünscht sich OÖ als Teststrecke für CO2-Ausstieg

29. Dezember 2020, Linz

2020 war viel zu warm im jahrzehntelangen Durchschnitt. Auf Österreichs Bergen war es das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen. In den Niederungen lag die Temperatur um 1,4 Grad über dem Mittel von 1981 bis 2010. Oö. Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) forderte in einer Pressekonferenz am Dienstag mutiges und entschlossenes Handeln der Politik in der Klimakrise. „Zur Bekämpfung der Klimakrise braucht es strukturelle Änderungen“, betonte Forscherin Helga Kromp-Kolb.

Kaineder sah in Oberösterreich „eine gute Teststrecke für den globalen CO2-Ausstieg“, weil an Wirtschaftszweigen von Landwirtschaft bis Großindustrie alles vorhanden sei. „Scheitern ist keine Option, weil es gibt keine Impfung 2060“, die das Klima aus vergangenen Jahren wieder herzaubern könne. Die Lockdowns in der Pandemie brachten zwar eine kleine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen, das bedeute aber nicht, dass die Konzentration in der Atmosphäre zurückgehe, so Klimaforscherin Kromp-Kolb.

„2020 wird global gesehen das zweit- oder drittwärmste Jahr, seit wir Messungen haben sein. Die sechs vergangenen Jahre sind sechs wärmsten die wir je gemessen haben“, verdeutlichte sie. Obwohl sich ein abkühlendes La-Nina-Ereignis im Pazifik entwickelt hat, gab es überdurchschnittlich hohe Temperaturen auf der ganzen Welt. Auch in arktischen Regionen taue Permafrost in einem Ausmaß auf, das erst in Jahrzehnten erwartet worden wäre. Die Mengen an Methan, die dadurch freigesetzt würden, seien „mindblowing“, also über die Maßen erschreckend.

Hinter der Erwärmung stünden Treibhausgas-Emissionen. Auch sie seien 2020 insgesamt gestiegen, durch die Lockdowns in der Pandemie eben nur um sieben bis zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Das bedeutet einen Rückgang um 2,4 Milliarden Tonnen auf 34 Milliarden Tonnen CO2-Ausstoß in die Atmosphäre. „Wir wissen aus Erfahrung, dass die Delle in den Emissionen nach Ende von Wirtschaftskrisen immer rasch wieder kompensiert wurde“, so Kromp-Kolb. „Es wäre wichtig, dass das diesmal nicht passiert“, ist sie auf einer Linie mit Kaineder, der fordert, dass alle Investitionen im Zeichen des Klimaschutzes stehen sollen. Man könne mit einem Kraftakt zwei Krisen bekämpfen.

Kromp-Kolb plädiert für strukturelle Änderungen, die zu einer starken Reduktion der CO2-Emissionen führen mit fixierten Zwischenzielen, an denen man den Erfolg messen könne, „Ziele, wo ich heute anfangen muss etwas zu tun, weil es sich sonst nicht ausgeht“. Die Klimaziele von Paris müssten eingehalten werden, denn es gehe darum das Klima zu stabilisieren.

Klimaexperte Alexander Ohms thematisierte den extrem warmen Winter heuer. Der kälteste Wert sei am 27. Dezember, also am Sonntag, mit -12,1 Grad in Reichenau im Mühlkreis gemessen worden. Jänner und Februar 2020 waren sehr warm. „2020 war viel zu warm, aber wir haben uns schon so an die Entwicklung gewöhnt, dass vielen das Jahr zu kühl, zu nass und einfach mau vorgekommen ist“, erklärte er. Es war aber das wärmste Jahr auf den Bergen seit Beginn der Messungen 1851 im Sonnblick-Observatorium. Diese ungebrochene Entwicklung schreite voran.

Bei den Niederschlägen ortete Ohms eine große Entspannung heuer nach drei sehr trockenen Jahren. „Das hat unseren Grundwasserständen viel gebracht.“ Die Landwirtschaft habe heuer keine Dürreprobleme gehabt. In Oberösterreich sei die Temperatur 1,4 Grad „über normal“ gelegen, nur der Mai lag unter dem 30-jährigen Mittel von 1981 bis 2010, alle anderen Monate waren deutlich zu warm.

APA

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