Wärmemarkt hat zentrale Rolle für Energiewende

20. Jänner 2021, Wien
Herbert Lechner von der Österreichischen Energieagentur
 - Wien, IIR GmbH

Bei der Energiewende hat der Wärmemarkt eine wichtige Rolle, auf den rund die Hälfte des österreichischen Endenergieverbrauchs entfällt. Für das Erreichen der Klimaneutralität bis 2040 seien Effizienzsteigerungen und eine Umstellung auf Erneuerbare nötig, so die Österreichische Energieagentur. Bei der Prozesswärme in der Produktion sei die Dekarbonisierung schwieriger als bei der Raumwärme, das müsse man jetzt angehen, betont Energieagentur-Experte Herbert Lechner.

Bei der Raumwärme passiere puncto Dekarbonisierung einiges, etwa im Rahmen der im Herbst angelaufenen Bund-Länder-Wärmestrategie „Raus aus Öl“. Hier gebe es mit einer breiten Palette von Erneuerbaren Energieträgern mehrere Optionen, sagte Lechner zur APA. Bei der Prozesswärme in der industriellen Produktion sei ein Abgehen von fossilen Energieträgern schwieriger. Der Gaseinsatz zur Wärmeerzeugung etwa sei doppelt so hoch wie bei Haushalten und vielfach werden höhere Temperaturen benötigt. Insgesamt wird in Österreich rund ein Drittel der Wärme mit Erdgas erzeugt. Ein großes Thema bei der Dekarbonisierung ist laut Lechner der Einsatz von Wasserstoff und Biomethan. Bei den Produktionsprozessen gehe es aber nicht nur um einen Energieträgerwechsel, sondern beispielsweise auch um Möglichkeiten, andere Rohstoffe einzusetzen. Hier gebe es bereits Forschungsprojekte. Wichtig seien ein Schulterschluss zwischen Bund und Ländern sowie mehr Mittel.

Auf Heizen und Warmwasser entfallen rund 60 Prozent des österreichischen Wärmemarkts, etwas mehr als 22 Prozent auf Prozesswärme mit Temperaturen über 200 Grad Celsius und rund 18 Prozent auf Prozesswärme unter 200 Grad. Der Endenergieverbrauch insgesamt ist in den vergangenen 15 Jahren in Österreich um rund 3 Prozent gestiegen. Im Verkehr gab es ein Plus von 8 Prozent auf zuletzt rund 37 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Bei der Raumwärme wurde ein Rückgang um 6,2 Prozent verzeichnet, der vom steigenden Prozesswärmebedarf (plus 4,4 Prozent) fast kompensiert wurde. Insgesamt (Raum- und Prozesswärme) ergab sich damit für Wärme ein leichter Rückgang von minus 1,6 Prozent. Hier wirken sich vor allem Sanierungen und strengere Regeln im Neubau aus.

Die Wärmeerzeugung erfolgte 2019 laut Energieagentur zu rund einem Drittel (32,5 Prozent) aus Erdgas. Dahinter lagen Erneuerbare Energieträger (29 Prozent), Strom (14 Prozent), Fernwärme (13 Prozent), Erdölprodukte (8,5 Prozent) und Kohle (3 Prozent). Der Energieeinsatz zur Wärmeerzeugung war in Haushalten und Industrie in etwa gleich groß. Die Haushalte weisen den größten Anteil Erneuerbaren-Anteil auf, gefolgt von den Produktionsbetrieben und den Dienstleistern. Der Gaseinsatz ist in der Produktion doppelt so hoch wie in den Haushalten. Dabei decken laut Energieagentur fünf Branchen rund 80 Prozent des Erdgaseinsatzes für die Wärmeerzeugung ab – Papier und Druck, Chemie und Petrochemie, Eisen und Stahl (ohne Kokerei und Hochofen), Steine und Erden, Glas sowie Nahrungs- und Genussmittel und Tabak.

APA

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