Deutsche Windbranche sieht Trendwende

26. Jänner 2021, Berlin
Aber zu wenig für Klimaziel
 - Großenmeer, APA (dpa)

Die Windbranche in Deutschland kehrt nach schwächeren Jahren wieder zurück auf Wachstumskurs. „Wir sehen als Branche wieder etwas mehr Licht“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Windenergie (BWE), Hermann Albers, am Dienstag. 2020 wurden 420 Windräder an Land mit einer Leistung von 1430 Megawatt gebaut. Das ist fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Heuer soll es eine Steigerung auf 2.000 bis 2.500 Gigawatt geben, was aber zu wenig für die neuen Klimaziele sei.

Angesichts der verschärften EU-Klimaziele müsse der Ausbaupfad für Windenergie an Land, der wichtigsten erneuerbare Energien-Quelle, steiler werden, hieß es. Hauptgrund für die Flaute der vergangenen Jahre war wegen des Widerstands von Bürgerinitiativen ein Mangel an Flächen für Windparks.

Dies hatte in der Branche, die zeitweise dreimal soviel Windenergie aufbaute wie 2020, einen Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen zur Folge. Die Regierung hat Ende vergangenen Jahres ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossen, wonach die Gemeinden stärker an den Erlösen beteiligt werden und so die Akzeptanz der Windräder steigen soll. Anfang dieses Jahres will die Koalition auch wegen des neuen EU-Klimaziels für 2030 noch einmal nachlegen.

Bisher hatte das Wirtschaftsministerium mit einer Leistung der Windenergie an Land von 71 Gigawatt bis 2030 kalkuliert. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat nun 95 Gigawatt als notwendig bezeichnet, um entsprechend CO2 im Energiesektor einzusparen und Kohlekraftwerke schneller zu verdrängen. Derzeit sind 55 Gigawatt Windenergie an Land installiert.

Der Ausbau der Windenergie wird über Ausschreibungen gesteuert: Der Bund schreibt eine bestimmte Wind-Leistung aus. Betreiber schlagen eine bestimmte Förderhöhe für ihr Projekt vor. Wer die geringsten Subventionen verlangt, erhält den Zuschlag. In den vergangen beiden Jahren boten aber wegen fehlender Flächen häufig zu wenige Betreiber mit, so das die ausgeschriebene Menge nicht erreicht wurde. 2019 und 2020 wurden jedoch auch wieder mehr Projekte genehmigt als in Vorjahren.

Gebremst wird der Zubau insgesamt jedoch durch den gleichzeitigen Abriss alter Windräder. Zwar wurden im vergangenen Jahr 420 Windräder gebaut, aber zugleich über 200 abgerissen, wenn auch mit deutlich geringerer Leistung. Die Branche beklagt, dass nach 20 Jahren die Genehmigung zur Bebauung vieler Flächen nicht erneuert wird. Auch dieses Problem wollen die Regierungspartner Union und SPD noch in diesem Frühjahr angehen.

APA/ag

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