Frankreichs Atom-Aufsicht billigt Laufzeit-Verlängerung

25. Feber 2021, Paris
Alte französische Atomreaktoren dürfen länger in Betrieb bleiben
 - Le Treil, APA (AFP)

Ungeachtet der Bedenken von Umweltschützern hat Frankreichs Atomaufsicht die Verlängerung der Laufzeit der ältesten französischen Atomreaktoren von 40 auf 50 Jahre gebilligt. Die Atomaufsicht Autorité de sûreté nucléaire (ASN) machte am Donnerstag unter Auflagen den Weg für die Verlängerung frei. Scharfe Kritik an dem Schritt kam von Greenpeace und von Politikern in Österreich und Deutschland.

Von den 32 ältesten französischen Reaktoren haben nach Angaben von Greenpeace bereits 13 das Höchstalter von 40 Jahren überschritten, das die mehrheitlich staatliche Betreibergesellschaft Electricité de France (EDF) ursprünglich vorgesehen hatte. Die Verlängerung der Laufzeit betrifft acht Standorte in Frankreich: Darunter ist das Atomkraftwerk Bugey östlich von Lyon, das seit Ende der 1970er Jahre in Betrieb ist. Frankreich bezieht rund 70 Prozent seines Stroms aus Atomkraft, das ist der höchste Anteil weltweit.

Für die Laufzeit-Verlängerung machte die Atomaufsicht nun eine Reihe von Reparaturen zur Bedingung. Ziel sei es, „die Folgen schwerer Unfälle wie etwa eine Kernschmelze zu verhindern“, sagte der stellvertretende Leiter der Atombehörde, Julien Collet, der Nachrichtenagentur AFP. Auch der Schutz vor „Angriffen auf die Anlagen“ soll nach seinen Worten verbessert werden. Zudem soll der Betreiber EDF jährlich einen Sicherheitsbericht vorlegen.

Der Anti-Atom-Sprecher der österreichischen Grünen, Martin Litschauer, bezeichnete Laufzeitverlängerungen in einer Reaktion als „unvorhersehbares Sicherheitsrisiko“ wegen der zunehmenden „Versprödung des Materials“. „Einen Super-GAU mitten in Europa können wir uns keinesfalls leisten“, sagt Martin Litschauer laut Aussendung vom Donnerstag. 

Kritik an der Verlängerung kam auch von der deutschen Politik. „Ich respektiere den Grundsatz nationaler Energiesouveränität, doch bereitet mir die zunehmende Überalterung der europäischen Atomkraftwerke große Sorge“, reagierte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Laufzeitverlängerungen über die ursprüngliche Konzeptionsdauer der AKW lehne sie ab. Die Atomexpertin der Grünen im Deutschen Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl forderte die Regierung auf, sich gegen „gefährliche Laufzeitverlängerungen“ in Nachbarländern einzusetzen.

Greenpeace warf der Atomaufsicht vor, den „Schutz von Umwelt und Bürgern zu missachten“. Trotz aller Warnungen habe die Behörde wichtige Maßnahmen zur Absicherung der französischen Atomkraftwerke nach der Katastrophe von Fukushima aufgeschoben, erklärte die Organisation in Paris.

Die französische Regierung hatte ihren Willen zur Laufzeit-Verlängerung bereits im April 2020 in einem Mehrjahresplan zur Energieversorgung deutlich gemacht. Die Öffentlichkeit hatte bis zum 22. Jänner im Internet die Möglichkeit, sich zur bevorstehenden Entscheidung der Atombehörde zu äußern.

Im Juni vergangenen Jahres hatte Frankreich sein ältestes Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim unweit von Freiburg im Breisgau nach 43 Jahren Betrieb endgültig abgeschaltet. Vorausgegangen waren jahrelange Proteste aus Deutschland und der Schweiz, weil die Reaktoren als störanfällig galten und in einem Erdbebengebiet am Oberrhein standen.

Präsident Emmanuel Macron sieht in der Atomenergie einen zentralen Beitrag zum Klimaschutz, wie er immer wieder bei öffentlichen Auftritten deutlich machte. Anders als deutsche Kohlekraftwerke sei diese Energieform CO2-neutral, betont er. Über einen möglichen Ausbau alternativer Energieträger soll erst nach der Präsidentenwahl im kommenden Jahr entschieden werden.

APA/ag

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