TU Graz will in nächsten zehn Jahren klimaneutral werden

1. März 2021, Graz
Kainz und Gewessler mit einem Prototypen eines automatischen E-Laderoboters
 - Graz, Lunghammer/TU Graz

Die Technische Universität (TU) Graz möchte ihre Treibhausgasemissionen innerhalb der kommenden zehn Jahre drastisch reduzieren: Bis Ende 2030 sollen die CO2-Emissionen von zuletzt rund 22.000 Tonnen CO2-Äquivalenten gänzlich neutralisiert werden. Das entsprechende Programm wurde nun präsentiert. Unter anderem wird für das Parken fossil betriebener Fahrzeuge künftig ein Klimaschutzbeitrag eingehoben. Dienst- und Flugreisen sollen reduziert werden.

Ausgangspunkt für die ambitionierten Pläne ist die jüngste Treibhausgasbilanz (THG) der TU Graz (2017), die den ökologischen Fußabdruck der Universität von der universitären Infrastruktur bis hin zum Mobilitätsverhalten aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhoben hat. Demnach lagen die Gesamtemissionen der TU Graz bei rund 22.000 Tonnen.

„Die größte Position betrifft den Strom mit knapp unter 8.000 Tonnen, auch die Fernwärme mit rund 4.300 Tonnen ist beachtlich“, schilderte Rektor Harald Kainz. Bei den größten Posten folgen die Dienstreisen der rund 3.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit mehr als 5.000 Tonnen, das Pendeln zum Arbeitsplatz schlägt sich mit rund 2.300 Tonnen nieder, wie Kainz weiter ausführte. Der Nachhaltigkeitsbeirat der Universität hat entsprechende emissionsreduzierende Maßnahmen zur Reduktion ausgearbeitet.

„Wir können einen Großteil unserer CO2-Emissionen verhindern und haben gesehen, dass das durchaus mit vertretbaren Kosten umsetzbar ist“, hielt Kainz demnach in Anwesenheit von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) fest. In Zahlen bedeutet das, das die TU Graz bis 2030 auf Basis aktueller Berechnungen rund elf Millionen Euro in das ehrgeizige Ziel investieren möchte.

Im Energiemanagement will die TU Graz etwa auf die Produktion von grüner Energie setzen: So werden Dachflächen am Campus Inffeldgasse im großen Stil mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet und die Beteiligung an externen PV-Anlagen und Windparks geprüft. Zudem werde man schrittweise und ab 2025 ausschließlich Strom aus 100 Prozent zertifizierten erneuerbaren und regionalen Quellen beziehen. Neubauten bekommen Wärmepumpen und Erdwärmespeicher. Die Abwärme-Nutzung etwa von Großrechenanlagen wird optimiert. Insgesamt sollen sich durch die geplanten Maßnahmen die Emissionen um mehr als 12.000 Tonnen CO2-Äquivalente einsparen lassen.

„Viel zu tun“ gibt es laut Kainz auch bei der Mobilität: 40 Prozent der Studierenden und Mitarbeiter kommen mit dem Fahrrad zur TU. Dieses und E-Bikes werden weiterhin gefördert, für das Parken fossil betriebener Fahrzeuge wird aber künftig ein Klimaschutzbeitrag eingehoben. Parkberechtigungen werden künftig – außer aus sozialen Gründen – nach strikteren Vorgaben vergeben. Mit den Maßnahmen im Mobilitätsmanagement will die TU Graz Einsparungen von 1.200 Tonnen erzielen.

Die Nutzung von Fernbussen, Bahn und Nachtzügen wird gegenüber Kurz- und Mittelstreckenflügen gefördert. Auf Flugreisen wird ein Klimaschutzbeitrag von 100 Euro (innerhalb Europas) und 200 Euro (international) eingeführt. Ziel ist es, die CO2-Emissionen, die durch Flugreisen von Mitarbeitenden der TU Graz bei Dienstreisen entstehen, um 50 Prozent zu reduzieren und 3.700 Tonnen pro Jahr einzusparen.

Für die verbleibenden rund ich 8.000 Tonnen an nicht vermeidbaren THG-Emissionen sieht die TU Graz Kompensationsmodelle vor. Sie reichen von Anschubfinanzierungen für emissionsmindernde Forschungsprojekte bis hin zu Projekten zur CO2-Bindung aus der Atmosphäre. „Zwei Millionen Euro sollen in Forschungsprojekte gehen, die das Ziel haben den Klimaschutz zu unterstützen und CO2-Emissionen zu verhindern“, führte Kainz aus.

„Wir brauchen im Kampf gegen die Klimakrise alle an Bord“, betonte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler die wichtige Rolle der Universitäten bei der Notwendigkeit, die Klimaziele zu erreichen. Die TU Graz nehme mit ihrer Roadmap „wirklich eine Vorbildfunktion für die Unis in Österreich ein“. Auch die steirische Wirtschafts- und Forschungslandesrätin Eibinger-Miedl hob die wichtige Funktion von Forschung und Technologie am Weg zur Klimaneutralität hervor. Mit 14 von 18 österreichischen Umwelttechnik-Kompetenzzentren leiste das Bundesland einen wichtigen Beitrag.

APA

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