Verbund investiert mehr in PV, Wind- und Wasserkraft

17. März 2021, Wien
Verbund-Chef kann höheren Gewinn vermelden
 - Wien, APA

Der Verbund-Stromkonzern erhöht sein Investitions-Tempo. Der 3-Jahres-Plan für Investments in Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft sowie Stromleitungen wird für 2021 bis 2023 um 400 Mio. Euro auf 2,3 Mrd. Euro aufgestockt. 890 Mio. Euro fließen in die 380-kV-Salzburg-Leitung, über eine halbe Milliarde in den Ausbau der Kraftwerke Kaprun (Limberg) in Salzburg und Reißeck in Kärnten. Bis 2030 will der Verbund den PV- und Windkraftanteil auf ein Fünftel bis ein Viertel ausbauen.

Für den starken Erneuerbaren-Ausbau, wie ihn der neue Verbund-Chef Michael Strugl am Mittwoch im Bilanzpressegespräch skizzierte, werde die Entwicklung organischer Projekte nicht reichen. „Dafür brauchen wir auch ein anorganisches Wachstum, also zum Beispiel Akquisitionen von Bestandsanlagen“, sagte er: „Wir wollen uns in der Erzeugung bis 2030 breiter aufstellen. Das ist ein sehr ambitionierter Plan, der Anstrengungen bedarf.“ Denn heute verfügt der Verbund – bei zuletzt 33,5 Terawattstunden (TWh) Gesamterzeugung im Jahr erst knapp über eine TWh Windstrom (aus Parks in Deutschland, Österreich und Rumänien) und gar nur über eine Gigawattstunde (GWh) Solarstrom. Für die ambitionierten Ziele nehme man sich eine Dekade Zeit. Für die Jahre 2019 bis 2021 hatte der Verbund 2 Mrd. Euro Investments geplant, voriges Jahr waren es 628 Mio. Euro (nach 439 Mio. Euro 2019).

Finanzieren könne man die eigenen Projekte, da werde man einen kaufmännischen, betriebswirtschaftlichen Kurs fahren, auf Basis einer internen Rendite, sagte Finanzvorstand Peter Kollmann. Stemmen könne man das mit den „Immunkräften“, die man schon vor der Coronakrise aufgebaut habe. Der Verbundkonzern habe am Kapitalmarkt eine hohe Glaubwürdigkeit – unterstützt durch die weitere Entschuldung des Unternehmens auch im vorigen Jahr. Das Verhältnis Nettoschulden zu EBITDA habe man weiter gesenkt von 1,9 auf 1,5, einen hervorragenden Wert. Zudem gebe es für Invest-Entscheidungen in PV und Windkraft als „eine Komponente“ auch eine Förderung. Ob sich Vorhaben rechnen, müsse man sich dann projektweise, individuell ansehen, sagte Strugl dazu.

Man prüfe, ob der Verbund Dienstleistungsangebote für die künftigen neuen Energiegemeinschaften machen werde, so der CEO. In dem Bereich werde man aber nicht der einzige sein. Strugl hofft, dass auch bald die Wasserstoffstrategie Österreichs vorliegt. Schon jetzt sei man in diesem Bereich tätig (etwa beim H2Future-Projekt mit der voestalpine oder einem Kreislaufwirtschaftsprojekt mit der Zement- und Chemieindustrie), man wolle künftig aber „Wasserstoff-Projekte sehr stark forcieren“. Möglichkeiten zu „grünem Wasserstoff“ via Elektrolyse evaluiere man soeben. Man kenne aber noch nicht die Regulatorik in diesem Bereich und auch nicht die heimische Wasserstoffstrategie. Deutschland, das schon eine Strategie habe, wolle 5 GW Elektrolyseleistung bis 2030 installieren. Beim Faktor 10 könnte man sich das „in einem hinkenden Vergleich“ für Österreich ausrechnen, das wäre aber unseriös, so Strugl.

Heuer bis zum Frühsommer soll beim Kraftwerk Kaprun in Salzburg der Spatenstich für ein weiteres Pumpspeicherkraftwerk – „Limberg III“ – erfolgen. Diese schon 2017 genehmigte Anlage soll 480 Megawatt (MW) haben und wie „Limberg II“ vollkommen unterirdisch errichtet werden. Die Fertigstellung ist bis 2025 geplant, dafür werden rund 480 Mio. Euro investiert, wurde am Mittwoch bekanntgegeben. Weitere 60 Mio. Euro fließen in Kärnten in den Ausbau des Pumpspeicherwerks auf „Reißeck II+“.

Voriges Jahr hat der Stromkonzern trotz eines schwierigen energiewirtschaftlichen Umfelds mehr Gewinn eingefahren und will daher die Dividende anheben. Freilich drückte die wegen der Coronakrise geringere Energienachfrage die Strom- und Netzerlöse und damit den Gesamtumsatz. 2020 wuchs das Verbund-Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 9 Prozent auf 1,293 Mrd. Euro. Der Nettogewinn legte – samt 21 Mio. Euro an Einmaleffekten – um fast 14 Prozent auf 631 Mio. Euro zu.

Pro Aktie stieg der Gewinn damit auf 1,82 (1,60) Euro, die Dividende soll um knapp 9 Prozent auf 75 (69) Cent je Aktie zulegen. Für 2021 sieht man etwas weniger Gewinn als 2020. Im ersten Halbjahr 2020 verfielen die Großhandelspreise stark, im zweiten Halbjahr gab es eine Besserung. Auch das beflügelte die Verbund-Aktie, die sich 2020 mit +56 Prozent Kursplus an die ATX-Spitze setzte. Die Wasserführung war im vierten Quartal günstiger, im Gesamtjahr lag der Erzeugungskoeffizient mit 1,01 im Langjahresschnitt.

Die Erzeugung der Jahresspeicherkraftwerke stieg um fast 15 Prozent an. Die Wasserkraft-Erzeugung wuchs damit gegenüber 2019 um 864 GWh. Positiv wirkten zudem gestiegene Terminmarktpreise am Strom-Großhandelsmarkt. Die Spotmarktpreise waren durch die Covidkrise aber deutlich rückläufig, daher stieg der durchschnittlich erzielte Absatzpreis der Wasserkraft-Eigenerzeugung um 5,6 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf 44,6 Euro/MWh. Für heuer seien 66 Prozent der Mengen mit 44,1 Euro/MWh gehedget, so Kollmann. Market-to-Market betrachtet seien die Preise im Feber bei 46,2 Euro gelegen, es gebe also Aufwärtspotenzial. Das gelte auch für 2022, da seien erst 15 Prozent für 44,6 Euro gesichert, Market-to-Market sei man schon bei 53,0 Euro, also eine „Chance“.

Für 2021 sind die Erwartungen etwas gedämpfter, hier geht der Verbund von einem EBITDA zwischen 1,08 und 1,30 Mrd. Euro sowie einem Nettogewinn von 450 bis 590 Mio. Euro aus. Diese Ergebnisprognose bezieht sich auf eine durchschnittliche Wasser- und Windkraft-Eigenerzeugung. Finanzielle Effekte aus dem geplanten Erwerb des 51-Prozent-Anteils an der Gas Connect Austria (GCA) seien da noch nicht berücksichtigt, das Closing des Deals ist fürs erste Halbjahr erwartet. Die Dividendenquote bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis soll für 2021 zwischen 45 und 55 Prozent liegen (nach 42,7 Prozent für 2020).

Ungeachtet des Ergebnisanstiegs ist der Umsatz des börsennotierten Konzerns, der zu 51 Prozent der Republik gehört, 2020 um 17 Prozent auf 3,235 Mrd. Euro gesunken. Dabei sackten die Stromerlöse um gut 18 Prozent auf 2,599 Mrd. Euro ab. Die Netzerlöse gaben um gut 12 Prozent auf 497 Mio. Euro nach – wegen Tarifreduktionen und weniger Mengen wegen Corona. Ein weiterer Faktor seien geringere internationale Erlöse aus der Versteigerung von Grenzkapazität aufgrund der reduzierten Energienachfrage.

Der Verbund-Stromabsatz wuchs 2020 um 0,9 Prozent auf 62.741 GWh. Dabei fiel wegen der Coronakrise der Absatz an Endkunden mit 13.568 GWh um 6,3 Prozent niedriger aus. Ende 2020 belief sich die Privatkundenzahl auf rund 519.000 bei Strom und Gas. Der Absatz an Weiterverteiler stieg vor allem wegen höherer Liefermengen an Auslandsabnehmer um 4,3 Prozent auf 29.009 GWh. Die Lieferungen an Händler wuchsen durch höhere Spothandelsmengen um 1,4 Prozent auf 20.164 GWh.

Der Stromabsatz in Österreich blieb mit 34.469 GWh gleich – in Deutschland, wo 82 Prozent der Auslandsmengen hingehen, gab es einen leichten Rückgang um 1,8 Prozent auf 23.098 GWh. Der Personalstand lag im Schnitt bei 2.870, nach 2.772 im Jahr davor.

APA

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