GLOBAL 2000: Atomlobby kapert Green Deal der EU

29. März 2021, Brüssel/Wien
Kernkraft knabbert an Windkraft-Geld
 - Emmerthal, APA/dpa

Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 wirft der EU-Kommission vor, ihren Green Deal zu „verraten“. Denn ein 2019 vorgelegter Expertenbericht, der den Ausschluss von Atomkraft empfohlen habe, solle offenbar durch eine zweite Experten-Empfehlung revidiert werden. Dieses Papier ist laut GLOBAL 2000 auf Druck einiger pro-nuklearen Mitgliedsstaaten von der Kommission in Auftrag gegeben worden. Der 387-seitige Bericht sei nun trotz Geheimhaltung GLOBAL 2000 zugespielt worden.

„Gekonnt verschleiert und hinter bewährten Phrasen werden die wichtigsten Fragen der Atomenergie durch eine rosa Brille verzerrt dargestellt“, erklärte Patricia Lorenz, Atom-Sprecherin von GLOBAL 2000, am Samstag in einer Aussendung. „Wie allgemein bekannt, ist die Entsorgung von abgebrannten Brennstäbe noch immer vollkommen ungelöst, trotz anderslautender Behauptungen einiger Lobbyisten. Auch das sogenannte Restrisiko – die schweren Unfälle wie etwa in Fukushima vor zehn Jahren – können nie ausgeschlossen werden.“

Der Bericht, mit dem die EU-Kommission das pro-nukleare EU-Forschungszentrum Joint Research Center beauftragt habe, versuche, alte Ideen als neu zu verkaufen, sagte Lorenz. Dazu zähle etwa, dass Sicherheits-Kriterien für neue Reaktoren angeblich auch auf alte angewendet werden sollten. Diesen Vorschlag habe es bereits als Konsequenz aus den EU-Stresstests vor zehn Jahren gegeben. Die daraus entstandenen Nachrüstungsvorschläge würden in weiten Teilen jedoch schlicht ignoriert und Reaktoren mit bekannten Schwachpunkten weiterbetrieben, kritisiert GLOBAL 2000.

Die Hauptgründe liegen für die Umweltschutzorganisation auf der Hand: Alte AKW könnten nicht auf den heutigen technischen Stand gebracht werden und selbst umfassende Verbesserungs-Maßnahmen wären viel zu teuer für die dank erneuerbaren Energien immer günstiger werdenden Strompreise.

„Gezielte Irreführung“ sei die Behauptung, wonach Reaktoren der Generation III zur Erhöhung der Sicherheit führen würden. Denn nicht erwähnt werde, dass noch kein einziger dieser Reaktoren in Europa überhaupt am Netz sei, so GLOBAL 2000. Die wenigen in Bau befindlichen Reaktoren würden sich durch massive technische Probleme auszeichnen. So habe etwa der Europäische Druckwasserreaktor EPR im nordfranzösischen Flamanville bereits jetzt einen Reaktordruckbehälter, der von der Atomaufsicht wegen Mängeln nur für einen Betrieb von zehn Jahre zugelassen worden sei.

APA

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