Wie sich Gemeinden vor Klimawandelfolgen wappnen könnten

13. April 2021, Wien
Klimabedingt häufen sich starke Regenfälle
 - Schärding, APA

Die Kalamitäten, die der rasch voranschreitende Klimawandel mit sich bringt, machen auch vor kleinen Gemeinden nicht halt. Sie sollten sich vermehrt dagegen wappnen und haben die Möglichkeiten dazu, erklärte Wolfgang Lexer vom Umweltbundesamt der APA im Rahmen des „Österreichischen Klimatags 2021“. Er deckte mit Kollegen wichtige Erfolgsfaktoren und Hemmnisse für kleine Kommunen bei der Klimawandelanpassung auf.

In Österreich gibt es im Vergleich zu anderen Ländern außergewöhnlich viele kleine Gemeinden, so Lexer. So haben etwa 90 Prozent aller österreichischen Gemeinden weniger als 5.000 Einwohner und 99 Prozent weniger als 30.000 Einwohner. Bisher war nicht viel über ihre Aktivitäten zur Klimawandelanpassung bekannt, das gilt jedoch auch für die kleinen Kommunen in anderen Ländern. „Kleine Gemeinden wurden weder von der Forschung noch von den Förderprogrammen erfasst und es fehlen ihnen auch die Kapazitäten, daran teilzunehmen“, sagte er. Seit Start des von ihm geleiteten Projekts „GOAL“, das diese Forschungslücke schließen sollte, habe sich aber einiges getan. Dafür sorgte unter anderem ein spezielles Förderprogramm des Klima- und Energiefonds für „Klimawandel-Anpassungsmodellregionen (KLAR!)“ in ganz Österreich.

Die Forscher identifizierten in ihrer Untersuchung diverse Erfolgsfaktoren für Klimawandelanpassung auf lokaler Ebene: Zum Beispiel ein wachsender Problemdruck durch akute Extremereignisse, wie etwa gehäufte Überschwemmungen, oft in Kombination mit gesellschaftlichen Faktoren wie dem Erstarken der „Fridays for Future“-Bewegung. Günstig wäre demnach auch, wenn in es in Kommunen besonders engagierte Akteure für das Thema gibt, die Zuständigkeit in der Gemeindeverwaltung geklärt sowie externe Unterstützung durch Profis gewährleistet ist.

Es gibt aber ebenso Hemmfaktoren, die solchen Aktivitäten entgegenstehen. „Anpassung an den Klimawandel ist ein neues, oft schwer greifbares Thema“, so Lexer. Die Gemeinden hätten in der Regel begrenzte Personal- und Budgetkapazitäten und begrenzte Expertise. „Die Abhängigkeit von besonders engagierten Einzelpersonen ist auch ein Risikofaktor“, meint er. Wenn zudem vor allem auf Extremereignisse reagiert wird, bleibt es häufig bei Einzelmaßnahmen und es wird zu wenig vorausschauend geplant.

„Dass die Gemeinden aktiv werden, ist wichtig, weil die Auswirkungen des Klimawandels sich in erster Linie lokal manifestieren“, sagte Lexer: „Sie haben im föderalen System Österreichs gleichzeitig eine Menge von Kompetenzen wie die örtliche Raumplanung, die Flächenwidmungs- und Bebauungsplanung, und sind die erste Baubehörde.“ Damit hätten sie im Grunde genommen sehr viel Handlungsspielraum.

Die Forscher empfehlen, dass die Akteure in den Gemeinden etwa die Vorteile und Nutzen für Anpassungsmaßnahmen auch unabhängig vom Klimawandel hervorheben, Möglichkeitsfenster nach Extremwetterereignissen als Signal zum Handeln nutzen und klare Zuständigkeiten für die Anpassung zuweisen. Sie plädieren für mehr staatliche Förderung für kommunale Klimawandelanpassung, unter anderem für Personal, und für mehr Unterstützung durch die Bundesländer.

„Die motivationspsychologischen Voraussetzungen, etwas in die Wege zu leiten, sind eigentlich sehr günstig“, meint Lexer: „Der Nutzen der lokalen Maßnahmen ist meist klar erkennbar und bleibt großteils auch innerhalb der eigenen Gemeinde.“ Außerdem haben viele davon einen mehrfachen Nutzen. „Eine Begrünung im Siedlungsraum hilft nicht nur gegen Hitzeeffekte, sondern steigert auch die Lebens- und Wohnumfeldqualität und nützt der biologischen Vielfalt“, sagte der Experte.

Wie stark das Bewusstsein für drohende Schäden und Verluste durch die Klimaveränderung bereits in der Verwaltung, Wissenschaft sowie der Privatwirtschaft oder in öffentlichen Einrichtungen ausgeprägt ist, haben auch Forscher im Rahmen des Projekts „TransLoss“ abgeschätzt. Befragt wurden hier insgesamt 26 Experten aus diesen Bereichen.

Noch spiele die Diskussion über negative regionale Entwicklungen, die mitunter so weit gehen, dass Grenzen der möglichen Anpassung an die neuen Bedingungen überschritten werden, noch keine größere klimapolitische Rolle, wie Veronica Karabaczek vom Internationalen Institut für Angewandte System Analyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien gegenüber der APA erklärte. Sie stellt Ergebnisse der mit einer Förderung des „Austrian Climate Research Programmes“ durchgeführten Untersuchung am Dienstag beim Klimatag vor.

Dass aber im Mittel steigende Temperaturen, eine Zunahme an Dürreperioden und Starkregenereignissen mit sich und etwa die Land- und Forstwirtschaft an Anpassungsgrenzen bringen könne, wurde von fast allen Experten angesprochen, so die Forscherin. Als stark gefährdet wurden demnach vor allem Wälder angesehen. Hier wurden einerseits wirtschaftliche Auswirkungen für durch Schäden in ihrer Existenz bedrohte forstwirtschaftlichen Betriebe, aber auch Sicherheitsbedenken für Siedungsgebiete angeführt, für die Schutzwälder eine zentrale Rolle spielen.

Im Gegensatz zu der Situation in vielen Ländern des Südens waren Absiedelungsprojekte aufgrund von Umweltveränderungen in den vergangenen Jahren hierzulande aber erst punktuell ein Thema und haben bisher immer auf Freiwilligkeit beruht. So etwa im Eferdinger Becken, das in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt von Hochwässern heimgesucht wurde. An eine regionsübergreifende quasi „harte Anpassungsgrenze“ sehen die Befragten Österreich folglich nicht zusteuern, so Karabaczek. Wohl aber scheine es ein Bewusstsein dafür zu geben, dass in einzelnen Gemeinden oder wirtschaftlichen Sektoren derartiges passieren könne.

Service: „Österreichischer Klimatag“: ; Projekt-Websites: und

APA

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