Verkehr und Gebäudewärme gehören als erste dekarbonisiert

22. April 2021, Wien
Verkehr einer der größten CO2-Schleudern
 - Wien, APA/HELMUT FOHRINGER

Bei der Energiewende in Richtung Klimaneutralität muss bei Verkehr und Gebäudewärme mit der Senkung des Treibhausgasausstoßes begonnen werden, weil das die Bereiche mit dem höchsten Anteil am Endenergieverbrauch sind, sagte Wien-Energie-Chef Michael Strebl. Bei einer Tagung bezifferte er die Anteile mit je 40 Prozent, gefolgt von 20 Prozent Strom. „Wenn ich die Dekarbonisierung ernst nehme, muss ich bei Verkehr und Raumwärme beginnen.“

In Österreich insgesamt werde der Energiemix zu knapp 38 Prozent von Öl dominiert, zu 20 Prozent ist es Strom, zu 17 Prozent Erdgas, zu 16 Prozent Biomasse/Abfälle und zu 6 Prozent Fernwärme, verwies Strebl beim Oesterreichs Energie Kongress auf endgültige Statistik-Austria-Daten von 2019. Die Dekarbonisierung werde zu mehr Strom im Energiesystem führen, aber in Summe zu weniger Verbrauch. Vom energetischen Endverbrauch entfielen 36 Prozent auf den Verkehr, 28 Prozent auf den produzierenden Sektor, 24 Prozent auf Privathaushalte, 10 Prozent auf Dienstleistungen und 2 Prozent auf die Landwirtschaft. In den Haushalten selbst wurden 2017/18 rund 61 Prozent der Energie für Raumheizung verwendet, 18 Prozent für Warmwasser, nur 4 Prozent fürs Kochen.

Auch Ute Teufelberger, Vorsitzende im Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ), meinte, man müsse angesichts von 40 Prozent Verbrauchsanteil „beim Verkehr hingreifen“. E-Autos seien viel effizienter als mit fossilen Kraftstoffen betriebene – ein Diesel weise 20 Prozent Effizienz auf, ein Elektroauto 95 Prozent. Dennoch sei es wahrscheinlich „nicht sinnvoll, jedes Verbrennerauto zu einem E-Auto zu tauschen“, es sollte die Kfz-Zahl insgesamt sinken. Damit sich Menschen auch in der Stadt E-Autos anschaffen und sie daheim aufladen können, gehöre das Wohnrecht vereinfacht, sonst habe man etwa in Wien „große Schwierigkeiten“. Einen Gesetzentwurf dazu erwartet sie demnächst, eigentlich hätte er schon im März vorliegen sollen, meinte Teufelberger.

Im Gebäudebereich müsse man für den Sommer das Thema „Kühlen“ mitdenken, sonst laufe man Gefahr, dass womöglich erst wieder klimaschädliche Geräte im Wohnbau installiert werden, warnte die Boku-Expertin Doris Österreicher vom Institut für Raumplanung, Umweltplanung und Bodenordnung. „Man muss darauf schauen, dass man die sommerliche Hitze in den Griff bekommt und auch außenliegende Bereiche gut beschatten. Strebl verwies drauf, dass die Wien Energie den Bereich Fernkälte, gewonnen aus Fernwärme, Abwärme und Müllverbrennung angesichts der hohen Nachfrage weiter ausbaut.

Vor großen Herausforderungen durch die Energiewende und die geplante Deckung des Strombedarfs zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie bis 2030, übers ganze Jahr gerechnet, stehen die heimischen Stromnetze. Franz Strempfl, Spartensprecher Netze von Oestereichs Energie und Geschäftsführer der Energienetze Steiermark, nannte es eine große Herausforderung, bis dahin einen Zubau von 27 Terawattstunden (TWh) erneuerbaren Strom bzw. 16 Gigawatt (GW) Leistung zusätzlich ans Netz zu bringen. Das erfordere hohe Investitionen, für die auch ein unterstützendes Regulierungssystem nötig sei. Das Netzsystem werde „mehr kosten als der bisherige Einsatz“, meinte Strempfl, aber „es muss uns die Dekarbonisierung etwas wert sein“.

APA

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