Nobelpreis-Gipfel sucht Wege in nachhaltigere Zukunft

27. April 2021, Stockholm

Führende Wissenschafter und Nobelpreisträger sehen die Welt in diesem Jahr in einer entscheidenden Phase im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe. Beim dreitägigen Gipfel „Unser Planet, unsere Zukunft“ bringen die in Stockholm ansässige Nobelstiftung, die US-Akademie der Wissenschaften (NAS), das PIK und ihre Partner Nobelpreisträger sowie andere Spitzenkräfte aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Jugendbewegungen zusammen.

Wenn die Menschheit das „Superjahr 2021“ mit der Weltklimakonferenz in Glasgow sowie anderen wichtigen Gipfeln und internationalen Konferenzen richtig hinbekomme, dann könnte man im laufenden Jahrzehnt den schnellsten wirtschaftlichen Übergang der Geschichte erleben, sagte der führende Klimaforscher Johan Rockström am Montag auf einem Online-Gipfel zur Zukunft der Erde.

Trotz der düsteren Klimaaussichten bleibe er zuversichtlich, da die menschliche Spezies widerstandsfähig, innovativ und kooperativ sei, sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). „Und das ist ein Superjahr für Kooperation.“ Zugleich machte der Schwede aber auch klar: „Das Fenster für eine sichere Landung der Erde ist gerade so geöffnet.“ Statt schrittweisem Vorgehen müsse exponentiell, gemeinsam und parallel gehandelt werden. Ansonsten verpasse man nicht nur die Ziele des Pariser Weltklimaabkommens, sondern auch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Ziel des virtuellen Treffens ist es, Schritte zu erkunden, mit denen die Welt noch in diesem Jahrzehnt in eine nachhaltigere und wohlhabendere Zukunft für alle geführt werden kann. Wenige Tage nach dem Online-Klimagipfel von US-Präsident Joe Biden stehen dabei vor allem der Kampf gegen die Klimakrise und den Artenverlust, die Verringerung von Ungleichheiten und der Fortschritt von Technologien im Fokus.

Friedensnobelpreisträger Al Gore ist wegen der jüngst angehobenen Klimaziele vieler Länder sowie vor sich gehender technischer Fortschritte optimistischer denn je, dass die Weltgemeinschaft den Kampf gegen die Klimakrise angenommen hat. „Dieser Moment ist von reichlich und berechtigter Hoffnung erfüllt, dass wir jetzt gerade den lange erwarteten politischen Wendepunkt beim Klima überschreiten“, sagte Gore in seiner Rede zum Gipfelauftakt. Der frühere US-Vizepräsident hatte 2007 gemeinsam mit dem Weltklimarat (IPCC) für seinen Einsatz für ein besseres Verständnis des menschengemachten Klimawandels den Friedensnobelpreis erhalten.

Dabei spielten auch Erfahrungen aus der Coronavirus-Pandemie eine Rolle, etwa dass man nun besser zuhöre, wenn die weltweit führenden Wissenschafter ihre Stimme erhöben, betonte Gore. Auch den noch lauteren Warnungen der Klimaforschung werde nun „mit frischem Augen und frischen Ohren“ begegnet.

„Wir leben in der frühen Phase einer Nachhaltigkeitsrevolution“, sagte Gore. „Sie hat das Ausmaß der industriellen Revolution gepaart mit dem Tempo der digitalen Revolution. Und viele glauben, dass sie die größte Geschäftsmöglichkeit in der Geschichte der Welt ist.“ Zugleich machte er klar: „Unsere Reise voran wird natürlich schwierig sein.“

Um die Erderwärmung wie im Pariser Abkommen angestrebt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müssten die Emissionen in diesem Jahrzehnt jährlich um 7,5 Prozent fallen, sagte Gore. Rockström unterstrich, dass die Zukunft nicht vorherbestimmt sei. „Die Zukunft liegt in unseren Händen. Was im Laufe der nächsten Jahrhunderte passiert, hängt davon ab, wie wir in diesem Jahrzehnt unsere Karten spielen.“

APA/dpa

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