Wärmeverbände für Klimaziele, aber gegen „Heizungsverbote“

3. Mai 2021, Wien
Es brauche klare Rahmenbedingungen
 - Bremen, APA/dpa

Die heimische Wärmebranche bekennt sich zum Klimaschutz und dem angepeilten Ziel der Klimaneutralität, lehnt aber ein Verbot bestimmter Heiztechnologien ab. In einem Offenen Brief von Verbänden und Unternehmen an Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und die Länderchefs plädiert man für eine „Technologieoffenheit“ und für Innovation anstelle von Verboten. Für den CO2-Ausstoß einer modernen Heizung sei nämlich nicht die Technologie entscheidend, wird betont.

Fast alle derzeit mit fossiler Energie betriebenen Heizungstechnologien könnten höchst effizient auch mit erneuerbaren Energien und damit klimaneutral betrieben werden, heißt es. Denn entscheidend für die CO2-Emissionen sei der Einsatz erneuerbarer Energie wie Grüner Strom, Grünes Gas, E-Fuels oder Holz. Wichtig im Bereich der Heizung und Warmwasserversorgung sei vor allem die verlässliche Verfügbarkeit der Energieträger in der Heizperiode.

Wichtig sei, dass an erster Stelle die Reduktion des Energieeinsatzes stehe – der Rest könne nur mit einer Vielfalt an erneuerbaren Energien gedeckt werden. Für Innovationen und neue technologische Entwicklungen müsse die Politik Rahmenbedingungen und Ziele definieren, etwa die CO2-Neutralität im Raumwärmemarkt bis 2040. „Dieses Klimaziel befürworten wir uns tragen wir mit“, betonen die Verbände und Firmen in dem der APA vorliegenden Brief.

Es sei „jedoch kontraproduktiv, heute rechtlich festzulegen, mit welcher Technologie ein solches Ziel erreicht werden soll“. Verbote würden Innovation und die wirtschaftliche Entwicklung hemmen. Effiziente Heizsysteme müssten nicht vorzeitig stillgelegt oder getauscht werden, wird auch ein Schutz des Eigentums von Bürgerinnen und Bürgern verlangt.

„Geräte, die funktionieren, sollte man nicht einfach herausreißen müssen“, sagte der Geschäftsführer des Fachverbands Gas-Wärme, Michael Mock, dazu im APA-Gespräch. Die bestehende Infrastruktur – Gasnetze und Heizsysteme – sollte man für eine Umstellung auf einen klimaneutralen Energieträger nutzen. Das könne entweder Biomethan sein, für dessen Erzeugung es in Österreich Potenziale gebe oder das eingeführt werden könnte – oder Wasserstoff. Am Ende des Tages werde es zwei Systeme geben, von denen eines auf Methan basieren werde, das auch von Gewerbe oder Produktionsbetrieben (z.B. Glasindustrie) genutzt werden könne.

Wasserstoff (H2) könnte etwa über das bestehende Pipeline-Netz – die WAG-Verbindung mit Deutschland und die TAG – transportiert werden. Die TAG, die derzeit russisches Erdgas von Norden nach Italien bringt, könnte für einen Teil ihrer Stränge in 10 oder 20 Jahren die Fließrichtung ändern und H2 aus Nordafrika bringen, so Mock. Auch der Offene Brief verweist auf die vorhandene Gas-Infrastruktur, die zum Transport von Grünem Gas (Biomethan, synthetischem Gas und Wasserstoff) eingesetzt werden könne.

Zu dem von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) vor zwei Wochen veröffentlichten Zeitplan zum Ausstieg aus fossilen Heizsystemen bezweifelt der Fachverband, dass dem tatsächlich eine Einigung mit den Bundesländern zugrunde liegt. „Das ist das grüne Verständnis des Regierungsprogramms, das kommuniziert wurde“, sagt Geschäftsführer Mock.

Ja, es sei richtig, dass im Regierungsprogramm stehe, dass in Neubauten ab dem Jahr 2025 keine Gasheizungen mehr erlaubt sein sollen. Ansonsten habe man sich am 19. April lediglich darauf verständigt, dass man sich im Herbst erneut treffe. „Der Zeitplan ist der Wunsch der Grünen. Das ist auch mit dem Koalitionspartner nicht abgestimmt.“ Allerdings, so Mock, falle das Thema in die Länderkompetenz, etwa was Raumordnung, die Bauordnungen oder die Wohnbauförderung betreffe.

Für den Ausstieg aus Kohle und Öl bis 2035 ist laut damaligen Informationen Gewesslers vorgesehen, dass ab 2022 beim Ersatz einer Kohle- oder Ölheizung ein klimafreundliches Heizsystem eingebaut werden muss. Ab 2025 seien Kohle- und Ölkessel im Bestand, die ein bestimmtes Alter erreicht haben, auszutauschen. Der zweite Schritt lege den Ausstieg aus fossilem Gas in der Raumwärme bis 2040 fest. Dieser sei analog zum Stufenplan für Kohle und Öl vorgesehen und beinhalte ein Einbauverbot von Gasheizsystemen in Neubauten ab 2025 und einen kompletten Ausstieg aus Gasheizungen bis 2040. Immerhin heizt in Österreich eine halbe Million Haushalte mit Öl, eine Million mit Gas.

APA

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