Verbund-Gewinnrückgang durch schlechtere Wasserführung im Q1

12. Mai 2021, Wien

Eine schlechtere Wasserführung hat dem Verbund-Stromkonzern im ersten Quartal einen Gewinnrückgang beschert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank im Jahresabstand um 8,6 Prozent auf 302,7 Mio. Euro und der Nettogewinn um 7,6 Prozent auf 144,7 Mio. Euro. Der starke Rückgang beim Umsatz, fast eine Halbierung, resultierte hauptsächlich aus Bewertungseffekten. Das Closing für den Erwerb der Gas-Connect-Mehrheit wird noch im zweiten Quartal erwartet.

Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke betrug im Zeitraum Jänner bis März wie von Analysten erwartet 0,99 und lag damit um 1 Prozentpunkt unter dem langjährigen Schnitt und 10 Prozentpunkte unter dem Vergleichswert des Vorjahres (1,09), erklärte der Konzern am Mittwoch. Auch bei den Neuen Erneuerbaren verschlechterte sich der Erzeugungskoeffizient, von 1,07 auf 0,86.

Die Umsatzerlöse verringerten sich um 46,4 Prozent von 1,257 Mrd. auf 674,1 Mio. Euro. Dabei sanken die Stromerlöse binnen Jahresfrist um 563,6 Mio. auf 496,5 Mio. Euro. Deutlich negativ auf die Stromerlöse wirkte laut Verbund die erfolgswirksam erfasste Bewertung der Stromderivate von diesmal -136,5 Mio. Euro (nach +316,2 Mio. Euro im ersten Quartal 2020). Dieser Effekt resultierte im Wesentlichen aus dem Anstieg der Strompreise für die der Bewertung zugrunde liegenden, noch nicht gelieferten Verkaufskontrakte im ersten Quartal und hatte zur Folge, dass negative (erlösmindernde) Bewertungsergebnisse erfasst wurden.

Zusätzlich sei der Stromabsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 2.098 Gigawattstunden (GWh) bzw. um 13,8 Prozent auf 13.078 GWh gesunken, wurde vom Verbund im Quartalsbericht erläutert. Der im Schnitt erzielte Absatzpreis der Eigenerzeugung aus Wasserkraft stieg um 1,7 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf 47,6 Euro/MWh. Das Plus resultierte aus den deutlich gestiegenen Spotmarktpreisen am Großhandelsmarkt für Strom. Die Terminmarktpreise waren im relevanten Betrachtungszeitraum dagegen rückläufig gewesen.

Vor allem beim Stromabsatz an Händler gab es mit -26,4 Prozent auf 3.539 GWh einen starken Rückgang, bei der Abgabe an Weiterverteiler betrug das Minus 12,0 Prozent auf 6.025 GWh. Gegenüber Endkunden blieb der Stromabsatz mit 3.515 GWh (-0,2 Prozent) fast gleich, per Ende März hatte man rund 517.000 Strom- und Gaskunden. Nach Ländern sank der Stromabsatz am stärksten in Deutschland (-18,5 Prozent), wohin etwa ein Drittel verkauft wird (4.748 GWh); in Österreich betrug das Minus 12,7 Prozent auf 7.053 GWh.

Bei der Stromerzeugung verzeichnete der Verbund-Konzern bei der Wasserkraft einen Rückgang um 11,2 Prozent auf 6.015 GWh, während die gesamte Eigenerzeugung um 16,5 Prozent auf 6.400 GWh zurückging. Strom aus Windkraft gab es mit 253 GWh um 19,7 Prozent weniger, aus Wärmekraft wurden mit 131 GWh um 77,2 Prozent (oder um 444 GWh) weniger erzeugt. Das Gas-Kombi-Kraftwerk Mellach bei Graz produzierte wegen eines deutlich geringeren Einsatzes für das Engpassmanagement um 113 GWh weniger Strom, und das Fernheizwerk Mellach kam gar nicht zum Einsatz, wodurch die Produktion im Vergleich um 332 GWh sank. Die gesamte Stromaufbringung (samt Fremdbezug) schrumpfte um 14,5 Prozent auf 13.917 GWh.

Die Netzerlöse sanken um 3,6 Mio. auf 139,1 Mio. Euro, die sonstigen Erlöse um 16,0 Mio. auf 38,5 Mio. Euro, u.a. fehlten Fernwärmeerlöse durch das Aus der langjährigen Lieferungen an die Stadt Graz Mitte 2020. Die Aufwendungen für Strom-, Netz-, Gas- und Zertifikatebezug sanken um 532,2 Mio. auf 226,9 Mio. Euro. Deutlich aufwandsmindernd wirkte die erfolgswirksam erfasste Bewertung der Stromderivate von +136,7 Mio. Euro (nach -321,8 Mio. Euro), praktisch die Kehrseite der Bewertungseffekte bei den Stromerlösen.

Den Ergebnisausblick für das Gesamtjahr 2021 hat der Stromkonzern etwas nach oben hin eingeengt. Das EBITDA wird nun auf Basis einer durchschnittlichen Wasser- und Windkraft-Erzeugung sowie Chancen- und Risikolage zwischen 1,13 und 1,30 Mrd. Euro erwartet – zuletzt lautete die Prognose 1,08 Mrd. bis 1,30 Mrd. -, beim Konzernergebnis sind es nun zwischen 480 und 590 Mio. Euro (bisher 450 bis 590 Mio. Euro).

Das Closing für den Erwerb der 51-Prozent-Mehrheit am Gasübertragungsnetzbetreiber Gas Connect Austria (GCA) von der OMV erwartet der Verbund-Konzern noch für das zweite Quartal. Die kartellrechtliche Genehmigung sei schon eingeholt worden. Ausständig sei noch die Zertifizierung der Gas Connect Austria als Independent Transmission Operator (ITO). Finanzielle Auswirkungen aus dem geplanten Erwerb des 51-Prozent-Anteils seien in der Jahres-Ergebnisprognose nicht berücksichtigt.

Der Verbund-Personalstand lag mit im Schnitt 2.949 (2.819) um 4,6 Prozent höher als ein Jahr davor.

APA

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