Forscher fordern Investitionen in klimaneutrale Gebäude

2. Juni 2021, Wien
Mehr Gelds für klimafreundliche Bauten
 - Kiel, APA/dpa

Rund 25 Prozent der europäischen Treibhausgasemissionen stammen laut einem Bericht der Dachorganisation der nationalen Wissenschafts-Akademien in der EU von Gebäuden. Um ihre Zusagen aus dem Pariser Klimaabkommen zu erfüllen, müssten die EU-Länder sicherstellen, dass alle 250 Millionen bestehenden und alle neuen Gebäude in der EU nahezu keine Treibhausgase mehr emittieren. Die Forscher fordern daher weitreichende politische Maßnahmen und Investitionen.

Laut dem Bericht der Akademien-Dachorganisation EASAC, der auch die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) angehört, haben rund drei Viertel der Gebäude in der EU eine schlechte Energiebilanz. Derzeit würden jährlich zwischen einem und 1,5 Prozent des europäischen Gebäudebestands renoviert, was nicht ausreiche, so der Energieexperte Brian Norton, Co-Vorsitzender einer EASAC-Arbeitsgruppe, die den Bericht erstellt hat, in einer Aussendung. „Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, sollte diese Rate zwei- oder sogar dreimal so hoch sein“, betonte William Gillett, Direktor des EASAC-Energieprogramms, „in der gesamten EU müssten wir mehr als 90.000 Häuser pro Woche renovieren“.

Den Forschern zufolge hat sich die Politik lange auf das Konzept der „Fast-Null-Energie-Gebäude“ konzentriert und den Schwerpunkt auf die Reduzierung des Energieverbrauchs gelegt. Doch „wir müssen dringend den Blickwinkel erweitern“, so Gillett. Bei der Berechnung der Klimaauswirkungen von Gebäuden müssten auch die massiven Emissionen der Bauindustrie und der Lieferketten mit einbezogen werden. „Ein Gebäude zu renovieren, um seinen Energieverbrauch zu senken, macht wenig Sinn, wenn es keine Kontrolle über die kohlenstoffintensiven Materialien und Komponenten gibt, die für die Renovierung verwendet bzw. über weite Strecken transportiert werden.“

Zudem plädieren die Wissenschafter für einen Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, um den Ressourcenverbrauch und Kohlenstoff-Fußabdruck von Gebäuden zu reduzieren. „Viele Baumaterialien können wiederverwendet, recycelt und zurückgewonnen werden“, so Norton. Die Forscher sprechen sich auch für die Renovierung bestehender Gebäude aus, stecke doch in jedem Gebäude eine Menge Kohlenstoff, vor allem im Beton und Stahl. „Wir müssen die derzeitige Praxis stoppen, Strukturen abzureißen, um sie von Grund auf neu zu bauen“, erklärte Norton.

Die von den Forschern vorgeschlagene Renovierungswelle würde die Zahl der Arbeitsplätze in der europäischen Bauindustrie von derzeit 3,4 Millionen Arbeitnehmern verdoppeln, heißt es in dem Bericht, an dem Michael Ornetzeder vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung der ÖAW als Co-Autor mitgearbeitet hat.

Die Wissenschafter fordern in dem Papier von den Gesetzgebern unter anderem, einen Grenzwert für den in Gebäuden steckenden Kohlenstoff pro Quadratmeter Bodenfläche festzulegen, wenn es gebaut oder renoviert wird. Anstelle von Abrissen sollten recycelte Materialien, wiederverwendete Gebäudekomponenten und Renovierungen gefördert werden. Sie plädieren weiters für Zuschüsse und Anreize, um private Finanzierungen für tiefgreifende energetische Gebäudesanierungen anzukurbeln, sowie für neue Bauvorschriften, Zertifizierungssysteme und Anreize für neue und renovierte Gebäude, die mit nahezu null Treibhausgas-Emissionen arbeiten.

(SERVICE – Internet: )

APA

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