BDI fordert Richtungsentscheidungen beim Klimaschutz

22. Juni 2021, Berlin
BDI-Präsident Siegfried Russwurm
 - Berlin, APA/dpa

Die deutsche Industrie hat die Politik aufgefordert, die Rahmenbedingungen für mehr Klimaschutz in den Unternehmen deutlich zu verbessern. Dringend notwendige Richtungsentscheidungen seien bisher ausgeblieben, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, am Dienstag beim Tag der Industrie in Berlin. „Es reicht nicht, Klimaneutralität per Gesetz vorzuschreiben.“

Der Staat müsse schneller werden, zum Beispiel beim Ausbau der Infrastruktur. Derzeit dauern Planungs- und Genehmigungsverfahren oft viele Jahre. In der öffentlichen Verwaltung gebe es „haarsträubende“ Defizite bei der Digitalisierung, sagte Russwurm. Grundlegende Standortschwächen müssten beseitigt werden. Bereits heute würden in Unternehmen Entscheidungen über Produktionsanlagen 2045 getroffen – bis dahin soll Deutschland nach den Plänen der deutschen Regierung klimaneutral produzieren. Russwurm forderte außerdem mehr öffentliche Investitionen. „Deutschland ist hier unter den Schlusslichtern in Europa.“

Trotz des Aufschwungs nach der Coronakrise geht die Industrie aus Sicht der Branche einer unsicheren Zukunft entgegen. Die Pandemie habe „teils haarsträubende Digitalisierungsdefizite“ der öffentlichen Verwaltung offengelegt und erhöhe den Druck, endlich grundlegende Standortschwächen zu beseitigen, betonte Russwurm. Die fortschreitende Digitalisierung und die Erfordernisse für die Bekämpfung des Klimawandels, aber auch der demografische Wandel würden Deutschland mehr fordern und verändern als die Pandemie, sagte der BDI-Chef.

Zwar sei die Industrie mit global wettbewerbsfähigen Produkten am Markt. Eine sichere Basis für die Zukunft sei das aber nicht: „Unter der Oberfläche kurzfristigen Erfolgs brodelt es“, warnte Russwurm.

APA/ag

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