BASF steigt in größten Offshore-Windpark ein

29. Juni 2021

BASF kauft sich in den von Vattenfall geplanten weltgrößten Offshore-Windpark in der niederländischen Nordsee ein. Das Milliardenprojekt soll dazu beitragen, Standorte des Chemiekonzerns mit grünem Strom zu versorgen. Die Inbetriebnahme des auf 1,5 Gigawatt ausgelegten Windparks wird 2023 erwartet.

BASF sichert sich Strom aus erneuerbaren Energien. Der Chemiekonzern beteiligt sich mit 49,5 % an dem vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall geplanten weltgrößten Offshore-Windpark in der niederländischen Nordsee. Der Kaufpreis für den Anteil am Hollandse Kust Zuid (HKZ) beläuft sich nach Angaben der Partner auf 300 Mill. Euro und berücksichtige den erreichten Stand des Projekts. Einschließlich ihres Beitrags zum Bau des Windparks will BASF 1,6 Mrd. Euro investieren. Um die Risiken fair zu verteilen, werden beide Partner Output und Kosten teilen, erklärt Vattenfall-CEO Anna Borg.


Die Montagearbeiten am Offshore-Windpark sollen im Juli beginnen, die Fertigstellung wird für 2023 erwartet. Nach vollständiger Inbetriebnahme soll der Hollands Kust Zuid mit einer installierten Gesamtleistung von 1,5 Gigawatt der größte Offshore-Windpark der Welt sein. Der Windpark wird nach Angaben der Unternehmen global der erste vollständig kommerzielle Windpark sein, der keine Subventionen für den produzierten Strom erhält. BASF will sich für das Projekt Finanzinvestoren an die Seite holen, um das kapitalintensive Engagement auf mehrere Schultern zu verteilen und das Kapital „effizient“ einzusetzen. Etwa die Hälfte der Beteiligung solle weitergereicht werden. BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller erklärte, es sei das Ziel, den Windpark in der Bilanz nur anteilig at equity zu bilanzieren.


Der Chemiekonzern wird den Strom aus seinem Anteil des Windparks über einen langfristigen Abnahmevertrag erwerben. Der BASF-Verbundstandort Antwerpen soll in größerem Umfang von dem grünen Strom profitieren – es ist der zweitgrößte Standort der Gruppe weltweit. Ein erheblicher Teil der Stromproduktion von HKZ ist darüber hinaus für niederländische Kunden von Vattenfall reserviert.

Für BASF ist es einer von vielen Schritten. „Dieser Windpark wird ein wichtiger Baustein, um unseren Verbundstandort Antwerpen und andere europäische Standorte mit erneuerbarem Strom zu versorgen. Es ist die erste Großinvestition der BASF in Anlagen für erneuerbaren Strom. Mit dieser Investition sichern wir uns signifikante Mengen an Strom aus erneuerbaren Quellen für BASF. Das ist ein Schlüsselelement für unsere Transformation hin zur Klimaneutralität“, sagt CEO Brudermüller. Global werde der Konzern sukzessive für jeden Standort Projekte suchen, um erneuerbare Energien einzusetzen. Das werde auch von der Entwicklung der jeweiligen Regulierung für erneuerbare Energien abhängen.
BASF hat sich zum Ziel gesetzt, ihren Ausstoß von Kohlendioxid bis 2030 um ein Viertel zu senken und bis 2050 Netto-null-Emissionen zu erreichen. Im Mai hatte der Konzern bekannt gegeben, gemeinsam mit dem Energieversorger RWE einen Offshore-Windpark in der Nordsee mit einer Kapazität von 2 Gigawatt bauen zu wollen. Hier werden die Gesamtkosten auf 4 Mrd. Euro veranschlagt, wobei BASF sich mit 49 % an dem Windpark beteiligen will, die übrigen 51 % sollen bei RWE bleiben. Für das Projekt müssen die Partner allerdings erst noch Flächen in der Nordsee suchen. Vier Fünftel des Stroms aus dem Windpark soll an den BASF-Hauptsitz nach Ludwigshafen fließen, wo der Konzern dabei ist, Großanlagen auf elektrischen Betrieb umzustellen. Das Management kalkuliert, dass sich der Strombedarf für eine klimaschonende Produktion in Ludwigshafen bis 2035 auf 20 Terawattstunden mindestens verdreifachen wird.


Auf grünem Kurs
Auch Vattenfall verfolgt konsequent einen grünen Kurs und ist schon heute einer der größten Produzenten von Windenergie. Der schwedische Konzern will 2021 und 2022 umgerechnet 2,3 Mrd. Euro in Windkraft investieren; das sind gut 70 % der Gesamtinvestitionen. Im Turnus 2020 entfielen indes erst 10 % der Energieerzeugung des Unternehmens von insgesamt 112,8 Terawattstunden auf Wind, je 35 % kamen aus Atomkraft und Wasserkraft, ein Fünftel war fossile Energie. Windenergie trug jedoch schon ein Fünftel zu dem mit 4,65 Mrd. Euro ausgewiesenen operativen Ergebnis (Ebitda) des Konzerns bei.

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