Zinsen auf CO2-Schulden sollen Belastungen mildern

9. Juli 2021, Wien
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Trotz ambitionierter Klimaziele muss zur Erreichung des 1,5 Grad Ziels ab 2050 mehr CO2 aus der Atmosphäre entnommen werden als emittiert wird. Die EU bekennt sich dazu, hat aber keine Finanzierungsstrategie dafür. Im Fachblatt „Nature“ schlagen nun IIASA-Forscher vor, wie man zur CO2-Entnahme nötige Technologien finanzieren könnte: Große Verursacher sollten verpflichtet werden, in Zukunft bestimmte CO2-Mengen zu entfernen und Zinsen für diese Kohlenstoff-Schulden zu zahlen.

Trotz der im Kyoto-Protokoll und dem Pariser Klimaabkommen festgeschriebenen Verpflichtungen, steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre weiter an. Hält dieses Tempo an, wird das sogenannte globale Kohlenstoffbudget innerhalb der nächsten zehn Jahre aufgebraucht sein, bevor die Welt Klimaneutralität erreicht. Danach wird es nicht mehr möglich sein, alleine durch Maßnahmen zur Emissionsreduktion die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

„Ab dann muss für jede Tonne CO2, die jetzt ausgestoßen wird, später im Jahrhundert eine Tonne CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Es entsteht also eine Art CO2-Verschuldung bei den künftigen Generationen“, erklärte Hauptautor Johannes Bednar vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien und der Universität Oxford im Gespräch mit der APA das Konzept der Kohlenstoff-Verschuldung.

Derzeit versucht man, CO2-Emissionen durch Steuern oder den Handel mit Emissionszertifikaten einzudämmen. „Sobald CO2-Emissionen aber netto-negativ werden, also mehr CO2 aus der Atmosphäre entnommen als emittiert wird, werden aus den Erträgen der CO2-Bepreisung Subventionszahlungen“, so Bednar.

Der Systemanalytiker Bednar hat nun mit seinen Kollegen für den neuen Vorschlag die wichtigsten zwei Modelle zur Emissionsreduktion herangezogen und unter dem Aspekt der Finanzierung von Negativemissionen weiterentwickelt. Derzeit fehle es an Strategien, um die potenziell kostspieligen Kohlenstoff-Schulden zurückzuzahlen. Damit werde aber nicht nur riskiert, künftige Generationen mit diesen Schulden massiv zu belasten, sondern auch die Chancen verringert, die Erderwärmung langfristig auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Um rechtzeitig Mittel für die Rückzahlung der Kohlenstoff-Schulden zu sammeln, eignen sich Bednar zufolge sowohl CO2-Steuern als auch das Emissionshandelssystem. „Schon die Bindung von Abgaben aus der CO2-Bepreisung könnte eine Finanzierung neuer Technologien in der Zukunft ermöglichen“, so Bednar.

Wenn für die Finanzierung auf CO2-Steuern zurückgegriffen wird, sei es wichtig, das Geld in Form eines Fonds zu binden. Nur so sei das Geld klar für die Investition in neue Technologien zur CO2 Entnahme gebunden. Bednar sieht dieses Finanzierungsmodell äquivalent zu einer Finanzierung über den Emissionshandel, es berge nur mehr Risiken. So könne zum Beispiel nicht garantiert werden, dass die heutige CO2-Bepreisung die Kosten künftiger Technologien widerspiegelt, die aus heutiger Sicht großteils unbekannt sind.

Die Wissenschafter schlagen deshalb vor, Kohlenstoff-Schulden wie Finanzschulden zu behandeln und sie mit Zinsen zu belegen. Die Anzahl der Zertifikate im Emissionshandel müsste zudem drastisch reduziert werden. CO2-Schuldscheine würden dann ausgestellt werden, wenn nicht genügend CO2-Zertifikate zur Verfügung stehen oder diese zu teuer werden. Die Zinsen wären dann so etwas wie eine Gebühr für die vorübergehende Speicherung von CO2 in der Atmosphäre, sie würden aber gleichzeitig das Ausfallsrisiko von CO2-Schuldnern versichern. Verpflichtungen zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre würden eine viel gerechtere Verteilung der Finanzströme und Kosten über die Zeit bedeuten, sind die Wissenschafter überzeugt.

Durch ein solches System würden für Unternehmen Anreize geschaffen früher mit der Entwicklung von Technologien zur CO2-Entnahme zu beginnen. „CO2-Entnahme schon in diesem Jahrzehnt würde helfen, die globale CO2-Verschuldung stark zu reduzieren“, so Bednar.

Service: http://dx.doi.org/10.1038/s41586-021-03723-9

APA

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