Basalt als CO2-Schlucker – Kaum Potenzial für Österreich

12. August 2021, Wien/Salzburg
Professor Christoph von Hagke (links) und Dr

Kein überbordendes Potenzial attestieren Salzburger Forscher der Methode des flächigen Ausbringens von Basaltpulver zum Binden von klimaschädlichem Kohlendioxid in Österreich. Im Fachblatt „Journal of Cleaner Production“ berichten sie, dass das Verteilen auf landwirtschaftlichen Flächen hierzulande den jährlichen CO2-Ausstoße um rund zwei Prozent reduzieren könnte. Dem gegenüber steht aber ein hoher Energieaufwand beim Herstellen des notwendigen feinen Gesteinspulvers.

Erst kürzlich setzte sich ein Team um Daniel Goll von der Universität Augsburg (Deutschland), dem auch Forscher vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien angehörten, mit der künstlichen oder angeregten Verwitterung (Terrestrial Enhanced Weathering) im Fachmagazin „Nature Geoscience“ auseinander. Da Gesteine wie Basalt bei der Verwitterung mit CO2 reagieren und beständige Verbindungen bilden, könnten Böden, auf denen derartiges Pulver ausgestreut wird, in gewissem Ausmaß noch stärker zur Kohlendioxidsenke werden.

Außerdem hätte dies einen düngenden Effekt, was wiederum das Pflanzenwachstum fördert und zusätzlich indirekt Kohlendioxid aus der Atmosphäre entzieht. Weltweit schätzten die Wissenschafter das Potenzial von Basaltpulver als Emissionsschlucker auf bis zu 2,5 Milliarden Tonnen pro Jahr. Die Methode sei aber mit vielen Fragezeichen behaftet, räumte das internationale Team in der Publikation bereits ein.

Brächte man auf Österreichs Feldern auf zehn Mikrometer Körnchengröße gemahlenes Basalt als Mineraldünger aus, kommen die Geowissenschafter Thomas Rinder und Christoph von Hagke von der Universität Salzburg auf ein CO2-Reduktionspotenzial von zwei Prozent hierzulande. Das wäre zwar ein durchaus wichtiger Beitrag zum Erreichen der Pariser Klimaziele, der allerdings durch Nebeneffekte gemindert wird, heißt es am Donnerstag in einer Aussendung der Uni.

„Ganz so einfach ist es mit dem Terrestrial Enhanced Weathering in Summe nicht. Allein der Energieaufwand, der nötig ist, um das Gestein entsprechend fein zu mahlen, beträgt in unserem Szenario vier bis fünf Prozent der jährlichen Stromaufbringung Österreichs“, so die beiden Studienautoren. Das sei angesichts der Herausforderungen der Energiewende ein Hemmschuh.

Schätzungen wie jene in der Arbeit in „Nature Geoscience“ stimmen die beiden Salzburger Wissenschafter skeptisch: „Wir konnten in unserer Studie zeigen, dass die Effektivität von Terrestrial Enhanced Weathering als Emissionsschlucker auf globaler Ebene überschätzt wird.“ Sie kommen in Berechnungen eher auf ein weltweites Einsparpotenzial von 0,2 bis 0,5 Milliarden Tonnen pro Jahr.

„Basalt als Mineraldünger kann zweifellos die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft verringern. Dort wo es möglich und sinnvoll ist, sollte es entsprechend auch gemacht werden“, so Von Hagke und Rinder. Es sollte aber unbedingt darauf geachtet werden, dass zum Zermalmen des Gesteins Energie aus erneuerbaren Quellen eingesetzt werde. Insgesamt brauche es noch viel Forschung zum Einsatz der Methode – ein Schluss, in dem sich beide Forschungsgruppen einig sind.

Service: Die Salzburger Studie: https://doi.org/10.1016/j.jclepro.2021.128178 ; Die Arbeit in „Nature Geoscience“: https://dx.doi.org/10.1038/s41561-021-00798-x

APA

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