Bergbaugigant BHP sagt Ade zum Öl

20. August 2021, Melbourne

Quelle: Die Presse, 18.08.2021 (S. 18)

Ressourcen. Der Rohstoffkonzern trennt sich vom Öl- und Gasgeschäft. Und macht hohe Gewinne.

Melbourne. Der australische Rohstoffkonzern BHP will seinem Öl- und Gasgeschäft den Rücken kehren. Das Geschäft soll mit Woodside Petroleum fusioniert werden, teilte der Konzern am Dienstag mit. Nach Abschluss der Transaktion sollen die BHP-Aktionäre noch etwa 48 Prozent an Woodside halten. Damit stellt sich der Bergbaukonzern auf eine weltweite Abkehr von fossilen Brennstoffen ein.

Gleichzeitig will das Unternehmen rund 5,7 Mrd. Dollar (4,8 Mrd. Euro) in eine riesige Düngemittelmine in Kanada investieren. Zudem kündigte BHP die Abschaffung seiner doppelten Börsennotierung an. Zukünftig soll es nur noch ein Listing in Australien geben, jenes in London wird aufgegeben. Die Aktionäre reagierten erfreut. Die Papiere schossen am Dienstag zeitweise um zehn Prozent in die Höhe.

Der seit Jänner 2020 amtierende Unternehmenschef Mike Henry baut den Konzern derzeit um. BHP soll sich künftig auf „zukunftsweisende“ Rohstoffe konzentrieren – Metalle und Mineralien, die zur Reduzierung von Emissionen, zur Elektrifizierung von Städten und zur Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung von entscheidender Bedeutung sind.

BHP erwirtschaftet den Großteil seiner Gewinne mit Eisenerz und Kupfer, die für die Energiewende von zentraler Bedeutung sind. Im abgelaufenen Geschäftsjahr profitierte der Rohstoffkonzern von den steigenden Preisen für beide Rohstoffe. Das Unternehmen meldete für das Jahr bis Juni 2021 einen rekordverdächtigen freien Barmittelzufluss (Cashflow) und will eine Abschlussdividende von insgesamt 10,1 Mrd. Dollar zahlen.

Der Rohstoffgigant zieht sich aus dem Öl- und Gasgeschäft zurück, da die Branche der fossilen Brennstoffe mit dem weltweiten Druck von Investoren und Regierungen in Bezug auf Klimaschutzmaßnahmen zu kämpfen hat. Größere Ölkonzerne verringern bereits ihr Kerngeschäft und bauen ihr Engagement im Sektor erneuerbare Energien aus. BHP geht zwar davon aus, dass die Nachfrage im Öl- und Gasgeschäft noch mindestens ein Jahrzehnt lang stark bleiben wird. Doch der Verkauf solcher Anlagen könnte dann schwieriger werden.

Investitionen in Kanada

Nach jahrelangem Zögern will BHP nun auch mit der ersten Bauphase der Jansen-Kalimine im kanadischen Saskatchewan beginnen. Die Mine, die 2027 in Betrieb gehen soll, wird BHP zu einem der weltweit größten Produzenten des Pflanzennährstoffs machen. „Kali verschafft BHP eine stärkere Hebelwirkung auf wichtige globale Megatrends wie Bevölkerungswachstum, veränderte Ernährungsgewohnheiten, Dekarbonisierung und Verbesserung des Umweltschutzes“, teilte das Unternehmen mit.

Wie seine größten Konkurrenten meldete auch BHP Rekordgewinne und -dividenden. Die Rohstoffpreise sind im vergangenen Jahr in die Höhe geschnellt, da die Regierungen auf der ganzen Welt Konjunkturpakete in Billionenhöhe aufgelegt haben. Damit wollten sie der Weltwirtschaft aus der Pandemie heraushelfen.

Im Gesamtjahr 2020/21 kletterte der bereinigte Gewinn (Ebitda) gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 69 Prozent auf 37,4 Mrd. Dollar in die Höhe. Unterm Strich bleibt ein Nettogewinn von 11,3 Mrd. Dollar – nach acht Mrd. Dollar ein Jahr zuvor. Für das Unternehmen ist es der höchste Gewinn seit knapp zehn Jahren. Die Anleger sollen eine zusätzliche Gewinnbeteiligung von zwei Dollar je Aktie erhalten.

Die Presse

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