Volle Kraft voraus: Geballte Energie aus Sägeresten

31. August 2021

Holzpellets gehören zu den beliebtesten Alternativen zum Heizöl.

Sie sind in aller Munde, wann immer es um umweltfreundliches Heizen geht – die Holzpellets. Allein in der ersten Jahreshälfte 2021 wurden beim Land Salzburg rund 400 Förderungswerber verzeichnet, die sich für einen Umstieg auf eine Pelletheizung entschieden hatten. Schon seit mehreren Jahren erfreut sich der Ökobrennstoff aus Sägeresten als Alternative zum Heizöl immer größerer Beliebtheit. Eine von insgesamt 4o österreichischen Großproduktionsstätten für das Holzgranulat befindet sich in der Tennengauer Gemeinde Abtenau. Hier werden rund 67.00o Tonnen Holzpellets pro Jahr produziert, eine Menge, mit der etwa 11.000 Haushalte ein Jahr lang mit Energie versorgt werden können.


Mit Hochdruck verarbeitet
Aber woraus bestehen Pellets eigentlich genau und wie werden sie erzeugt? „Pellets werden aus Säge-und Hobelspänen hergestellt, die als Nebenprodukte der Sägeindustrie anfallen“, erklärt Christian Pölzleitner, Geschäftsführer der Salzburg Pellets GmbH. „Für die Produktion werden feine Späne getrocknet und unter Zugabe von geringen Mengen Maisstärke mit hohem Druck durch die Löcher einer Matrize gepresst. Als Ergebnis dieses Prozesses entstehen kleine zylinderförmige Stifte mit einer Länge von etwa drei Zentimetern -die Holzpellets.“ Vorbehalte, dass das Rohmaterial für die Pelletierung möglicherweise aus dem Ausland stammen könnte, kann der Fachmann sofort ausräumen.


„Wir erhalten unsere Säge-und Hobelspäne aus mittelständischen Tischlerei-und Sägewerksbetrieben im Einzugsgebiet von Salzburg, dem angrenzenden Oberösterreich und der Obersteiermark. Rund ein Viertel der verarbeitenden Holz-und Sägespäne wird sogar direkt am Standort in Abtenau produziert“, erklärt er. „Es ist ein Teil unserer Philosophie, uns möglichst lokal mit Rohstoffen zu versorgen. Alles andere würde weder ökonomisch noch ökologisch Sinn ergeben.“ Bereits im Jahr 2004 wurde direkt neben dem Pelletierwerk auch eine „Kraft-Wärme- Kopplungs-Anlage“ errichtet, die rund 6.000.000 kWh Ökostrom aus Holzresten – Schadholz, Rinde von Ästen und Baumwipfeln – erzeugt. Nicht nur Strom wird hier gewonnen: Mit der anfallenden Abwärme des Heizwerks können auch zoo Haushalte in Abtenau mit kostengünstiger Fernwärme versorgt werden. Weiters wird die Abwärme auch für die Trocknung der Sägespäne bei der Pelletierung eingesetzt.


Klassifizierung des Produkts
Die Qualität des produzierten Holzgranulats ist beileibe kein zufälliges Ergebnis. So dürfen die verwendeten Sägespäne beispielsweise keine Rindenanteile enthalten -das würde etwa den Ascheanteil steigern und die Qualität erheblich mindern.


Seit 2012 werden die Anforderungen an Pellets durch die Europäische Norm EN 14961-2 klar geregelt. Diese Norm gibt vor, welche Beschaffenheit Pellets haben müssen, und definiert auch unterschiedliche Qualitätsklassen. Darüber hinaus wird mit dem sogenannten ENplus-Siegel ein noch höheres Qualitätsniveau ausgewiesen: Pellets dieser Klassifizierung sind während der gesamten Bereitstellungskette – von der Herstellung bis zur Auslieferung -strengen Kontrollen unterworfen.


Saubere Energie
Anhand welcher Merkmale kann ein gutes und hochwertiges Produkt aber ganz grundsätzlich ausgemacht werden? Christian Pölzleitner: „Qualitativ hochwertige Pellets sind fest, verfügen über eine glatte Oberfläche, geringe Feinanteile, einen geringen Aschenanfall und einen hohen Ascheschmelzpunkt. Wünschenswerterweise sind sie homogen und haben ein gutes Volumen-zu-Oberfläche-Verhältnis.“


Somit bilden die Presslinge quasi mundgerechte Portionen für das Feuer und liefern, wenn sie unter idealen Bedingungen verbrannt werden, saubere, nachhaltige Energie. Im besten Fall entsteht bei der Verbrennung der Holzpellets -fast – nur Kohlendioxid, Asche und Wasser. „Hinsichtlich der Emissionen haben Pelletheizungen aktuell sicherlich die Nase vorn“, erklärt auch Jakob Stranger, Heizkesselspezialist von ÖkoFEN Energietechnik. „Weder vorgelagert noch direkt werden hier große Mengen an Kohlendioxid freigesetzt. Die CO2-Emission beträgt lediglich 30 Gramm pro kWh Energie. Im Vergleich dazu emittiert eine Ölheizung etwa 350 Gramm pro Kilowattstunde Energie.“


Hohe Wirkungsgrade
Durch Verbrennungsüberwachung, automatische Brennstoffzuführung und Luftregelung in modernen Anlagen werde auch die Feinstaubentwicklung auf ein Mindestmaß reduziert, erklärt Stranger. „Moderne Pelletheizungen sind mit alten Stückholzheizungen nicht mehr vergleichbar.“ Er ergänzt: „Anlagen mit einer modernen Brennwerttechnik schöpfen den Energiegehalt, der in den Abgasen von Pellets steckt, nahezu restlos aus. Hier werden extrem hohe Wirkungsgrade erzielt.“


Lagerung und Haltbarkeit
Um die Holzpellets zu lagern, bestehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten: ein Pellet-Lagerraum oder ein sogenannter Gewebetank. Bei einem Umstieg von einer Öl-auf eine Pelletheizung findet das Pelletlager üblicherweise im (alten) Öltankraum Platz. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Wände, der Boden und die Decke des Raums absolut trocken sind, da die Holzpresslinge ansonsten aufquellen und zerfallen könnten. Feuchte Pellets würden zu Funktionsstörungen beim Transport in den Pelletkessel sowie beim Verfeuern führen. Wem kein Lagerraum zur Verfügung steht, der kann auf einen sogenannten Gewebetank zurückgreifen. Das Behältnis ist einfach zu montieren, staubdicht und kann auch (vorausgesetzt, es ist vor Sonne und Regen geschützt) außerhalb eines Gebäudes aufgestellt werden. Die Anlieferung der Pellets erfolgt mit dem Tankwagen, von dem aus die Pellets mittels Druckluft in den Lagerraum bzw. Tank eingeblasen werden. Trocken gelagert, ist das Heizmaterial unbegrenzt haltbar.


Angebot und Nachfrage
Wo bewegen sich die Pellets im Preisvergleich mit anderen Energieträgern? „Der Pelletpreis ist nicht an den aktuellen Ölpreis gekoppelt und richtet sich nach Angebot und Nachfrage, sagt Christian Pölzleitner. „Die Unabhängigkeit von Börsenspekulationen oder Krisen bietet Kunden enorme Sicherheit.“ Ein Umstieg sei auf alle Fälle lohnend, ist er überzeugt: „Schon innerhalb weniger Jahre sollten sich die Anschaffungskosten amortisiert haben.“

Salzburger Nachrichten

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