Lega-Chef Salvini für Bau eines AKW in der Lombardei

15. September 2021, Rom
Rückkehr Italiens zur Atomenergie angedacht
 - Coimbra, APA/AFP

Der Chef der in Rom mitregierenden Rechtspartei Lega, Matteo Salvini, hat sich erneut für eine Rückkehr Italiens zur Atomenergie ausgesprochen. Auch zum Bau eines Kernkraftwerks in seiner Heimatregion Lombardei, dem Wirtschaftsmotor Italiens, zeigte er sich offen. „Ein Kernkraftwerk in der Lombardei? Kein Problem. Es gibt Atommeiler in Stadtzentren großer Städte“, so Salvini im öffentlich-rechtlichen Radiosender „Radio 1“.

Bereits am Dienstag hatte sich Salvini für eine Rückkehr zur Atomenergie ausgesprochen. „Italien ist das einzige Land der G8 ohne Atomkraft. Dabei sind wir von Ländern umgeben, die Kernenergie produzieren und an uns verkaufen. Es ist unsere Pflicht, die Rückkehr zur modernen, sicheren, sauberen und umweltfreundlichen Kernenergie der neuesten Generation zu prüfen“, so Salvini im Gespräch mit Journalisten.

„Ein großes italienisches Energieunternehmen baut vier Kernkraftwerke in Slowenien. Wir können nicht Atomenergie aus Frankreich, Österreich, der Schweiz und Slowenien importieren und dann feststellen, dass die Rechnung doppelt so hoch ist“, so Salvini.

Der Minister für den ökologischen Übergang, Roberto Cingolani, hatte vergangene Woche mit der Behauptung für Aufsehen gesorgt, wonach Italien Technologien der vierten Generation im Bereich Kernenergie in Betracht ziehen sollte. „Im Atombereich gibt es Technologien der vierten Generation, es gibt Länder, die in diese Technologie investieren. Sollte sich zu einem bestimmten Zeitpunkt herausstellen, dass die Sicherheit dieser Technologie hoch und die Kosten niedrig sind, wäre es töricht, sie nicht in Betracht zu ziehen. Im Interesse unserer Kinder ist es verboten, jede Art von Technologie zu ideologisieren. Halten wir uns an die Zahlen. Sobald diese vorliegen, werden wir Entscheidungen treffen“, sagte der Minister.

Die Italiener hatten sich 1987 – ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl – in einem Referendum für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. 2009 hatte der damalige Regierungschef Silvio Berlusconi angekündigt, wieder in die Kernkraft investieren zu wollen, legte sein Vorhaben nach dem Gau von Fukushima aber auf Eis. 2011 sprachen sich rund 94,5 Prozent der Italiener in einem weiteren Referendum gegen neue Meiler aus.

APA

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