Vergleichsportal: 2022 um ein Viertel höhere Energiekosten

29. September 2021, Wien
Der Großhandelspreis für Gas ist rasant gestiegen

Die stark gestiegenen Großhandelspreise für Gas und Strom werden Privathaushalte und Betriebe bald zu spüren bekommen. Das Vergleichsportal durchblicker.at rechnet für 2022 mit einem Anstieg der Energiekosten bis zu einem Viertel. Grundversorger und kleineren Anbieter werden die Preise im vierten Quartal 2021 und im ersten Quartal 2022 „signifikant nach oben anpassen“, sagte durchblicker-Geschäftsführer Reinhold Baudisch bei einem Online-Pressegespräch am Mittwoch.

In vergangenen 14 Tagen seien bereits fast 200 Tarife von Energieversorgern erhöht worden. Für einen Durchschnittshaushalt in Österreich mit Jahresverbrauch von 4.000 kWh Strom und 15.000 kWh Gas könnten laut Schätzung des Tarifvergleichsportals die jährlichen Energiekosten von 2.010 Euro im Jahr 2021 auf 2.501 Euro im kommenden Jahr steigen.

„Das ist kein Grund zur Panik, für einkommensschwache Haushalte nach der Coronakrise aber eine signifikante Belastung“, sagte der durchblicker-Chef. Durch einen Anbieterwechsel lasse „sich derzeit oft nur ein Teil der zu erwartenden Mehrkosten abfedern“. Baudisch fordert von der türkis-grünen Regierung ähnlich Maßnahmen wie zuletzt in Italien und Frankreich, unter anderem die Verschiebung der geplanten CO2-Abgabe, eine temporären Senkung der aktuellen Steuern und Abgaben oder zusätzlichen Einmalhilfen.

Durch einen Wechsel vom Grundversorger zum günstigsten Alternativanbieter lässt sich für einen Durchschnittshaushalt bei Gas eine Einsparung laut durchblicker.at für heuer von 308 Euro lukrieren und bei Strom von 213 Euro. Beim Tarifvergleichsportal verzeichnet man derzeit „einen beispiellosen Wechselboom“. Die Zahl der Energiekunden die über das Vergleichsportal ihren Anbieter wechseln, hat sich vergangene Woche verdoppelt und ein neues Rekordhoch erreicht. Für die Vermittlung bekommt die Plattform eine Provision vom Anbieter im „mittleren“ zweistelligen Euro-Bereich.

Laut einer aktuellen Umfrage des Vergleichsportals haben seit der Liberalisierung des Strommarktes in Österreich vor 20 Jahren rund 30 Prozent der Haushalte ihren Anbieter gewechselt. „Österreicher sind tendenziell Wechselmuffel“, so der durchblicker-Chef.

Bisher haben den starken Großhandels-Preisanstieg bei Gas nur Haushaltskunden mit einem Floater-Tarif gespürt, bei dem Preisveränderungen sehr zeitnah weitergegeben würden. Nun hat – mit Montana – jedoch ein Gasversorger schon eine Verteuerung seines Standardvertrags ab November angekündigt. Der Österreichische Großhandels-Gaspreisindex (ÖGPI) klettert im Oktober 2021 laut Österreichischen Energieagentur im Vergleich zum Vormonat September um 30,9 Prozent nach oben. Gegenüber Oktober 2020 liegt er um 425,1 Prozent höher. Im vergangenen Jahr gab es beim Großhandel-Gaspreis aufgrund der Coronakrise ein historisches Preistief.

Auch die Strompreise zeigen stark nach oben: Der Österreichische Großhandel-Strompreisindex (ÖSPI) steigt für Oktober 2021 gegenüber dem Vormonat um 8,2 Prozent. Im Vergleich zum Oktober des Vorjahres 2020 liegt der ÖSPI um 53,8 Prozent höher.

Rund 70 Prozent der Energiekosten machen Netzgebühren, Steuern und Abgaben aus und rund 30 Prozent die reinen Energiepreise, schätzt durchblicker-Geschäftsführer Baudisch. Die Steigerung des Arbeitspreises werde gedämpft durch die anderen Kosten. Der starke Anstieg der Großhandelspreise kommt laut Baudisch verzögert bei den Kunden an, weil die Energieanbieter über langfristige Verträge und Abnahmegarantien verfügen. Zahlreiche Energiekunden hätten auch Tarife mit Preisgarantie.

Über die Gründe für den starken Anstieg der Einkaufspreise für Gas und Strom wird derzeit viel spekuliert. Für den durchblicker-Chef gibt es auf der Angebotsseite folgende Gründe: In Asien gebe es eine starke Nachfrage nach Gas, in Österreich seien die Gasspeicher relativ schlecht gefüllt, und Gaskraftwerke würden weltweit verstärkt genutzt. Auf der Angebotsseite gibt es laut Baudisch weniger Gas aus Norwegen wegen technischer Probleme, die US-Amerikaner liefern weniger Flüssigerdgas (LNG) nach Europa, und der russische Präsident Wladimir Putin weigert sich, mehr Gas über die Ukraine zu verkaufen und besteht auf der neuen Nord-Stream-Route.

APA

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