E-Control: Strom-/Gas-Marktöffnung brachte zig Milliarden

5. Oktober 2021, Wien
Auch beim Gas wurde Geld gespart
 - Müllrose, APA/dpa-Zentralbild

Die Liberalisierung der Energiemärkte vor zwei Jahrzehnten hat den Kunden in Österreich in Summe Einsparungen von 13 Mrd. Euro bei Strom und von 15 Mrd. Euro bei Gas gebracht. Die aktuell hohen Gaspreise auf Großhandelsebene könnten sich ab Frühjahr 2022 abflachen, sagte Vorstandsdirektor Wolfgang Urbantschitsch vom Energieregulator E-Control am Dienstag. Die für Österreich relevanten Gasspeicher seien zwischen 66 und 87 Prozent gefüllt, so Vorstandsdirektor Alfons Haber.

Die Großhandelspreise von Gas werden nach Einschätzung des Regulators noch bis zum Ende der Heizsaison im Frühjahr hoch bleiben. Ab April könnte es wegen der saisonalen Effekte zu einer Abflachung kommen. Und die Abflachung bei Gas sollte sich auch unmittelbar auf Strom auswirken, sagte Urbantschitsch in einem Pressegespräch, wobei bei Strom gegenteilige Effekte durch den Atom- und Kohleausstieg in Deutschland da seien. Die Gaspreise seien nach dem coronabedingten Einbruch 2020 massiv gestiegen, weil Flüssigerdgas (NLG) durch die starke Nachfrage in Ostasien dorthin gelenkt werde. „Zudem befinden wir uns vor dem Winter, wo noch Einspeicherungen stattfinden, und zu guter Letzt ist auch noch der CO2-Preis sehr hoch“. Auch E-Control-Ökonom Johannes Mayer verwies vor allem auf die hohen CO2-Notierungen als Preistreiber.

Die sehr massive Erhöhung am Gas-Großhandelsmarkt schlage auch auf den Strom-Großhandels-Markt über, und es sei für die Kunden sicher angebracht, sich den eigenen Energievertrag anzusehen, so Urbantschitsch. Standardverträge würden zunächst wohl ohne Auswirkungen sein – Floater-Tarife würden jedoch den hohen Preis voll mitnehmen, allerdings hätten diese in der Vergangenheit auch von den niedrigen Preisen profitiert.

Von der Marktliberalisierung vor zwei Jahrzehnten hätten Haushaltskunden bei Strom im Schnitt mit 305 Mio. Euro pro Jahr profitiert, bei Gas mit 149 Mio. Euro. Bei Nicht-Haushalten waren die Ersparnisse mit 347 Mio. bei Strom und 630 Mio. Euro bei Gas im Jahr noch höher, betonte Haber unter Verweis auf Berechnungen der Österreichischen Energieagentur. Bis Ende Oktober sollen dazu noch detailliertere Daten vorliegen.

Haushalte könnten mittlerweile zwischen 58 bundesweit tätigen Strom- sowie 31 Gasanbietern auswählen. In Summe seien es bei Strom mehr als 150 und bei Gas 50 Versorger, sagte Haber. Auch die Zahl der Produkte, zwischen denen Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden können, ist stark gestiegen, sie liegt schon bei 3.500. „Die Produktvielfalt ist wirklich enorm.“ Der Online-Tarifkalkulator der E-Control gebe einen guten Überblick, jährlich verzeichne man eine halbe Million Abfragen. Im ersten Halbjahr 2022 soll das Tool um die dynamischen Tarife erweitert werden. Das soll dem Wettbewerb nochmals einen Schub verleihen.

Die Wechselraten sind noch ausbaufähig, meint man beim Regulator. Bis Ende 2020 wechselten mehr als 1,8 Mio. Haushalte ihren Stromlieferanten gewechselt, was einem Anteil von kumuliert 40 Prozent entspricht. Bei den Nicht-Haushalten sind es kumuliert 48 Prozent, also inklusive Mehrfachwechsler. Umgekehrt werden aber 79 Prozent der Kunden vom lokalen Lieferanten mit Strom beliefert, hier gebe es noch „großes Potenzial“.

Ihren Gaslieferanten wechselten bis Ende 2020 knapp 600.000 Haushalte, was einem Anteil von fast 50 Prozent entspricht. Bei den Nicht-Haushalten liegt die kumulierte Wechselrate bei 60 Prozent. Mit Gas werden 76 Prozent der Abnehmer nach wie vor – oder wieder – von ihrem lokalen Versorger beliefert.

Wer die Möglichkeit eines Lieferantenwechsels nutzt, kann sich laut Haber derzeit bei Gas samt Neukundenrabatt bis zu 337 Euro im Jahr als Durchschnittshaushalt ersparen, ohne diesen Rabatt bis zu 240 Euro. Bei Strom beträgt das Einsparpotenzial durch einen Anbieterwechsel zwischen günstigstem Lieferanten und dem jeweiligen lokalen Anbieter bis zu 140 Euro samt und bis zu 106 Euro im Jahr ohne diesen Rabatt.

Neben Einsparungen bei den Netzentgelten oder den Strom- und Gaspreisen sieht man auch eine deutliche Erhöhung der Kunden- und Serviceorientierung der Strom- und Gasunternehmen in den letzten 20 Jahren.

Die Versorgungssicherheit in Österreich befinde sich allen Unkenrufen zu Beginn der Liberalisierung zum Trotz auf sehr hohem Niveau, bei Strom und Gas, betonte Haber. Kritische Situationen wie die Gaskrise Ende 2008/Anfang 2009 seien gemeistert worden, das Volumen der österreichischen Erdgasspeicher habe sich seit 2002 verdreifacht, von 32,2 Terawattstunden (TWh) auf 95,8 TWh. Zwar werde wegen der hohen Gaspreise zur Zeit weniger eingespeichert, die Füllstände der für uns relevanten Speicher lägen aber bei 66 bis 87 Prozent. Im November möchte die Regulierungsbehörde zum Thema Versorgungssicherheit mehr Details vorlegen.

APA

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