Wien will ab 2040 ohne Erdgas und Öl auskommen

14. Oktober 2021, Wien
Wien will noch stärker auf Fernwärme setzen
 - Wien, APA (Archivbild)

Die Stadt Wien hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Dafür muss vor allem die Wärmeversorgung komplett umgebaut werden, Fernwärme soll mehr als die Hälfte des Wärmebedarfs decken. Zwar soll der Energiebedarf um mehr als ein Viertel sinken, doch gleichzeitig wird durch die Umstellung auf Elektromobilität der Stromverbrauch bis 2040 um zwei Drittel steigen, hat das Wirtschaftsberatungsunternehmen Compass Lexecon im Auftrag der Wien Energie berechnet.

Für die Studie wurden mehrere Szenarien erstellt. Im Szenario „Klimaneutral 2040“ werden 56 Prozent des Wärmebedarfs in Wien über die Fernwärme abgedeckt, wobei mehr als die Hälfte der Fernwärme aus Geothermie und von Großwärmepumpen kommen soll. Der Anteil an Heizkraftwerken geht in dem Szenario massiv zurück. Während die Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen heute rund 52 Prozent der Wärme-Produktion ausmachen, liegt ihr Anteil 2040 nur mehr bei 13 Prozent. Ab den 2030er-Jahren werden diese zunehmend mit Grünem Gas betrieben und erreichen so bis 2040 Null-Emissionen. Der übrige Teil soll vor allem durch die Müllverbrennungsanlagen und Abwärme aus der Industrie abgedeckt werden.

Noch heuer werde man mit der Errichtung der leistungsstärksten Großwärmepumpe Europas beginnen, sagte Wien-Energie-Geschäftsführer Michael Strebl anlässlich der Präsentation der Studie. Diese Anlage werde die Abwärme aus der Kläranlage in Simmering nutzen. „Damit werden wir in der ersten Ausbaustufe 2023 mehr als 27.500 Haushalte CO2-frei versorgen können. Bis 2030 wollen wir außerdem Wärme für 125.000 Haushalte mit Geothermie erzeugen, unsere Forschungsarbeiten sind hier in den Endzügen“, sagte Strebl laut Mitteilung.

Während der Hochphase der Umrüstungen in den 2030er-Jahren müssen pro Jahr etwa 1.500 Gebäude auf Wärmepumpen umgerüstet werden, was auch als Chance für die regionale Wertschöpfung und den Wiener Arbeitsmarkt gesehen wird.

„Gemeinsam mit Wiener Wohnen schauen wir uns aktuell an, wie konkret der Umstieg im Gemeindebau gelingen kann“, sagte Strebl.

Die Studie nimmt an, dass durch die Klimaerwärmung und Wärmedämmung der Wärmebedarf in Wien bis 2040 trotz Bevölkerungswachstums um 18 Prozent abnehmen wird. Insgesamt soll der Endenergiebedarf Wiens sogar um 27 Prozent sinken. Gleichzeitig wird sich vor allem durch die Umstellung auf Elektroautos der Strombedarf in Wien um 65 Prozent auf 15,7 Terawattstunden (TWh) erhöhen. Allein der Strombedarf für Elektromobilität soll sich auf 3,15 TWh versiebenfachen.

APA

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