Wie Wien die Energiewende schaffen will

18. Oktober 2021, Wien

Wie Wien bis 2024 klimaneutral werden kann, legt eine Studie dar, die am Donnerstag präsentiert wurde. In dem vom Beratungsunternehmen Compass Lexecon verfassten Papier werden umfangreiche Maßnahmen in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität dargelegt. Der Wiener Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) spricht von einer „unglaublichen Herausforderung“, die aber machbar sei.


„Das ist mit einem Systemwechsel verbunden“, sagte Wien-Energie-Chef Michael Strebl. Der KURIER fasst die wichtigsten Punkte des Wiener Klimafahrplans zusammen.


Was ändert sich beim Heizen? Erdgas und Öl sollen bis 2040 komplett aus Wiener Wohnungen und Häusern verschwinden. Ersetzt werden sollen sie durch Fernwärme, die dann 56 Prozent des Wärmebedarfs abdecken soll. Wo Fernwärmeanschlüsse nicht möglich sind, sei die Nutzung von Wärmepumpen vorgesehen, sagte Studienautor Gerald Auer.


Welche Maßnahmen sind dazu erforderlich?Dazu muss die Fernwärme stark ausgebaut werden. Heute wird ein großer Teil in Heizkraftwerken der Stadt mit fossiler Energie erzeugt. Bis 2040 soll Fernwärme zum größten Teil aus Geothermie, Großwärmepumpen, Müllverbrennungsanlagen und Abwärme aus der Industrie stammen. Verbleibende Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sollen zunehmend mit grünem Gas betrieben werden. Daneben sollen bei der Umstellung auf die zentrale Wärmeversorgung auch Anergienetze, die Erdwärme nutzen, zum Einsatz kommen.
Wie viel wird die Umstellung kosten?Investitionen in die Gebäudesanierung beziffert die Studie mit 10 Milliarden Euro, der Heizungstausch wird mit 6 Milliarden Euro veranschlagt und für den Ausbau der Fernwärme sind 3,6 Milliarden Euro notwendig.


Wer soll für die Kosten aufkommen?Der Ausstieg aus Gasheizungen wird die Umrüstung Tausender Wiener Haushalte erforderlich machen. In Wien werden noch über 400.000 Wohnungen mit Gasthermen beheizt. Wie dabei die Kosten zwischen Eigentümern und Mietern aufgeteilt werden, ist noch unklar. Um die Umstellung sozial verträglich zu machen, müssten Förderungen bereitgestellt und geeignete rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, sagte Hanke. „Wir stehen da noch am Anfang.“


Was wird sich beim Verkehr ändern?Auch in der Mobilität heißt es raus aus fossiler Energie. Dazu soll der Anteil von Elektroautos stark steigen. Bis 2030 soll er laut der Studie 58 Prozent betragen. In Wien setzt man dabei vor allem auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur. In der Studie werden die dafür notwendigen Investitionen in öffentliche und private Infrastruktur mit 1,3 Milliarden Euro beziffert. Der Strombedarf wird jedenfalls stark steigen und soll sich bis 2040 bei der Mobilität fast versiebenfachen. Insgesamt wird der Strombedarf in Wien bis 2040 von 9,5 TWh im Jahr 2019 um 65 Prozent auf 15,5 TWh im Jahr 2040 steigen.


Woher wird der Strom kommen?Wien will die fossile Stromerzeugung durch den Ausbau erneuerbarer Energien ersetzen. Dabei setzt man vor allem auf Photovoltaik. 80 Megawatt, die bereits heute von rund 300 Solaranlagen erzeugt werden, sollen bis 2030 auf 600 Megawatt ausgebaut werden, kündigte Wien-Energie-Chef Strebl an. Insgesamt soll der Anteil erneuerbarer Energie in Wien 2040 4,2 TWh betragen. Den Wegfall fossiler Stromerzeugung und den steigenden Strombedarf durch Elektromobilität und Wärmeerzeugung kann das aber nicht ausgleichen. Dafür sollen Stromimporte aus dem Um- und Ausland sorgen, die sich bis 2040 mehr als verfünffachen werden.

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