Energiegemeinschaften sollen Ersparnis bringen

19. Oktober 2021, Graz/Heimschuh
Pilotversuch beleuchtet Handel innerhalb einer Energie-Insel
 - Stuttgart, APA/dpa

Wer mit der eigenen Photovoltaik-Anlage zu viel Strom erzeugt, könnte künftig den Überschuss direkt an seine Nachbarn verkaufen. Durch den Handel innerhalb einer sogenannten Energie-Insel im selben Niedrigspannungsnetz können Haushalte derzeit bis zu 500 Euro jährlich an Energiekosten sparen. Zu diesem Ergebnis ist der Pilotversuch „Blockchain Grid“ unter der Leitung der Energienetze Steiermark gekommen. Zwölf Haushalte im südsteirischen Heimschuh haben daran teilgenommen.

Wenn an einem Sonnentag von der Photovoltaikanlage (PV-Anlage) am Dach Strom in Hülle und Fülle bereitgestellt wird, ist es gut, wenn man gerade dann Wäsche waschen oder sein Elektroauto aufladen muss. Die Wahrscheinlichkeit ist aber nicht besonders hoch. Sie wird höher, wenn sich am Strom nicht nur ein Haushalt, sondern auch die Nachbarn bedienen könnten. Möglich wird das etwa durch den Einsatz eines gemeinsamen Energiespeichers und der Blockchain-Technologie. Wie so eine „Energie-Insel“ funktioniert, in der Energie lokal produziert und innerhalb einer kleinen Gemeinschaft verbraucht wird, haben ein Dutzend Haushalte in Heimschuh im Rahmen eines vom Klima- und Energiefonds geförderten Praxistests erprobt. In der Gemeinde im Bezirk Leibnitz wurde bereits in einem früheren Projekt ein zentraler Energiespeicher etabliert.

Die Projektleitung lag bei der Energie Steiermark, die dafür ihr Niedrigspannungsnetz, also eine Gruppe von Anschlüssen, die von ein und derselben Transformatorstation bedient werden, zur Verfügung stellte. Kunden, die lokal Strom handeln wollen, haben zusätzliche Hardware zur Verfügung gestellt bekommen, die Messung und Abrechnung automatisch organisiert. Die Abrechnung wurde via Blockchain organisiert. In Blockchains können auf sehr sichere Weise Transaktionen zwischen verschiedenen Teilhabern und Organisationen protokolliert werden.

Die Ergebnisse des Projekts belegen laut den Energienetzen Steiermark die Potenziale. Durch den Gemeinschaftsspeicher und den Handel unter interessierten Nachbarn konnten die Teilnehmer 73 Prozent der in einem Jahr in der Community erzeugten Energie selbst verbrauchen. Ohne die Möglichkeit des lokalen Stromhandels in der lokalen Energiegemeinschaft waren es 48 Prozent. Die Teilnehmer konnten damit bis zu 500 Euro an Energiekosten sparen, wurde dargelegt. Neben den reduzierten Stromkosten wurde auch das Stromnetz entlastet, wurde das Ergebnis des Projekts zusammengefasst.

„Wir erwarten uns einen Zuwachs an privaten Photovoltaik-Anlagen, deren Anschaffung sich durch die positiven Effekte der Energiegemeinschaft noch schneller rentiert als bisher“, wurde von den Vorständen von Energie Steiermark, Christian Purrer und Martin Graf, festgehalten.

Seit Inkrafttreten des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) Anfang Juli ist es in Österreich möglich, sogenannte Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) zu gründen. Dabei schließen sich mindestens zwei Partner zusammen, die eigens erzeugte Energie verbrauchen, speichern und verkaufen dürfen. Das Umweltministerium will nun vier Millionen Euro in den Aufbau solcher Gemeinschaften stecken.

( S E R V I C E – Information zu dem Projekt Blockchain Grid unter: https://greenenergylab.at/projects/blockchain-grid/ )

APA

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