Ausbleibende russische Lieferungen treiben Gaspreise

2. November 2021, Frankfurt/Moskau
Gas auf der Jamal-Pipeline blieb am Samstag aus
 - Stuttgart, APA/dpa

Versiegende russische Lieferungen durch eine wichtige Pipeline treiben die Gaspreise. Der europäische Terminkontrakt stieg am Montag um 15 Prozent auf 74,35 Euro je Megawattstunde. Den Daten am Messpunkt Mallnow zufolge kommt seit Samstag kein Erdgas mehr durch die Jamal-Pipeline, die von Russland durch Polen führt. Der russische Gaskonzern Gazprom war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen. Die hohen Gaspreise wirken sich indirekt auch auf die Strompreise aus.

Der deutsche Industrieverband BDI sieht beim Gas Russland am längeren Hebel. Wenn das Land die Lieferung von mehr Erdgas nach Westeuropa an die Betriebserlaubnis für die neue Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 knüpfen sollte, könne man dies zwar ablehnen, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm der Deutschen Presse-Agentur. Letztendlich brauche es dann aber andere Lieferanten. Dabei gelte, dass viele alternative Anbieter keine Pipeline-Anbindung hätten und damit auf Transporte per Schiff angewiesen seien.

Auch Flüssiggas aus den USA ist laut Russwurm derzeit kaum eine echte Alternative. „Die USA haben aktuell mit China einen zahlungswilligen Abnehmer“, sagte er. Wegen der hohen chinesischen Nachfrage sei es naiv zu glauben, dass Flüssiggas aus den USA billiger wäre als das jetzt gerade aus Russland eingekaufte Gas. „In einer Zeit, in der die Gas-Nachfrage das Angebot übersteigt, sitzen die Anbietenden am längeren Hebel“, sagte der BDI-Chef.

Der russische Gasmonopolist Gazprom will über Nord Stream 2 jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland liefern. Das Unternehmen hatte im September die Fertigstellung der Leitung bekanntgegeben, braucht aber noch eine Freigabe durch die deutsche Behörden, die unter anderem prüfen müssen, ob EU-Vorgaben für Pipeline-Betreiber eingehalten werden.

Befürworter der Pipeline werben auch wegen der derzeit so hohen Energiepreise für eine Erteilung der Betriebserlaubnis. Sie erhoffen sich durch zusätzliche Gas-Lieferungen eine Entspannung des Marktes. Gegner befürchten hingegen eine noch größere Abhängigkeit von russischen Energielieferungen.

APA/ag

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