Treibhausgas-Reduktion: Forscher warnt vor „Greenwashing“

4. November 2021, Glasgow
Johan Rockström, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung
 - Berlin, APA/dpa

Der renommierte schwedische Klimaforscher Johan Rockström warnt davor, sich im Kampf gegen die Erderhitzung allein auf CO2-senkende Maßnahmen wie die Erhaltung von Wäldern zu verlassen. Die Staaten sollten sich „nichts vormachen“, indem sie auf Treibhausgas-Kompensation setzen, anstatt den Ausstoß klimaschädlicher Gase deutlich zu verringern, sagte er am Donnerstag bei der Vorstellung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf der Weltklimakonferenz in Glasgow.

Natürliche CO2-Senken wie Wälder und Moore seien wichtig, sie dürften aber nicht dafür genutzt werden, die Ambitionen bei der Verringerung von Treibhausgas-Emissionen herunterzufahren, sagte der Klimaforscher. Alles Andere wäre „Greenwashing“. Zuvor hatten auch Umweltverbände wie Greenpeace oder die Klima-Aktivistin Greta Thunberg in dem Zusammenhang davor gewarnt, dass sich Staaten ihre Treibhausgas-Bilanzen schönrechnen könnten.

Insgesamt sei das Ziel, dass sich die Erde bis Ende des Jahrhunderts maximal um 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt, noch erreichbar, erklärte der Klimaforscher. Dafür müssten die weltweiten Treibhausgas-Emissionen aber jährlich um fünf Prozent sinken, also um zwei Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr. Noch sicherer wäre es, jährlich vier Milliarden Tonnen CO2 zu sparen, sagte Rockström. Derzeit emittiere die Menschheit 42 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid im Jahr.

Je niedriger die globale Temperatur ausfalle, desto geringer sei das Risiko, dass es zu unumkehrbaren Folgen für das globale Klimasystem kommt, erklärte der Wissenschafter. UN-Klimachefin Patricia Espinosa appellierte an die Staatenvertreter, die noch bis kommende Woche in Schottland miteinander verhandeln, die gesteckten Klimaziele „jetzt sofort“ umzusetzen und vom „Business as usual“ wegzukommen. Der Kampf gegen den Klimawandel sei eine „riesige Verantwortung“.

Die Wissenschaft mache klar, wie dringlich die Lage sei. Wenn die Staaten bis 2025 oder 2026 keinen substanziellen Fortschritt erzielen würden, müsse geprüft werden, „ob das 1,5-Grad-Ziel noch erreichbar“ sei, erklärte Espinosa.

APA/dpa

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