Studie: Zu wenige Unternehmen haben ausreichende Klimaziele

11. November 2021, Wien

Von den 100 größten Unternehmen in Österreich hat sich nur jedes zweite umfassende Klimaschutzziele gesetzt, 13 wollen ihre Treibhausgas-Emissionen ausreichend reduzieren, um auf dem Pariser 1,5-Grad-Pfad zu bleiben und nur 8 Firmen wollen künftig gar keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Österreich wolle zwar bis 2040 klimaneutral werden, doch der langfristige Trend zeige eine Erhöhung der Treibhausgas-Emissionen, sagte Roland Haslehner von der Boston Consulting Group (BCG).

Derzeit lägen die Treibhausgas-Emissionen in Österreich um 2 Prozent über dem Niveau von 1990, sagte Haslehner, Senior-Partner beim Beratungsunternehmen BCG und Co-Autor der Studie. Pro Kopf lagen die Emissionen in Österreich 2019 laut BCG um rund 11 Prozent über dem Durchschnitt der EU-27. Die privaten Haushalte hätten ihre Emissionen zwar reduziert, doch in der Wirtschaft hätten sie seit 1995 um 35 Prozent zugenommen.

Als „umfassend“ gelten Klimaschutzziele im Sinne der Studie dann, wenn das genaue Ausmaß der Emissionsreduktion angegeben ist und bis zu einem exakt definierten Zeitpunkt angestrebt wird. Weiters muss die Reduktion sowohl die eigenen direkten Emissionen als auch die indirekten Emissionen der Energielieferanten umfassen.

21 der untersuchten Unternehmen geben zwar an, „klimaneutral“ werden zu wollen – das wollen sie aber nicht nur durch Reduktion eigener Emissionen erreichen, sondern beispielsweise auch durch den Kauf von CO2-Zertifikaten. „Dieser Mechanismus verhindert im schlimmsten Fall notwendige Innovationen bei der Entwicklung von CO2-neutralen Produkten oder Technologien“, kritisiert die BCG-Partnerin und Co-Autorin der Studie, Sabine Stock.

Nur 13 Prozent der untersuchten Unternehmen wollen ihre Emissionen ausreichend reduzieren, um den Pariser 1,5-Grad-Pfad zu unterstützen. Rund die Hälfte der Unternehmen mit Emissionsreduktionsziel plant, ihren Ausstoß von Treibhausgasen um weniger als 2,25 Prozent jährlich zu senken – und damit nur etwa um die Hälfte der 4,5 Prozent pro Jahr, die nach Ansicht von Klimaforscherinnen und Klimaforschern für die Limitierung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius notwendig sind.

„Wir haben alle Branchen angeschaut außer reine Trading-Unternehmen“, so Stock. Unter den acht Unternehmen, die ein Net-Zero-Target haben, seien Telekom-Firmen, Dienstleister, Konsumgütererzeuger, Industrie- und Energieunternehmen vertreten, sagte Haslehner am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Banken seien nicht unter diesen acht Firmen.

Unter den untersuchten Unternehmen seien auch der Öl- und Gaskonzern OMV und ihre Chemietochter Borealis. „Die haben sich ein klares Ziel gesetzt, wenn auch nicht unbedingt für die nächsten paar Jahre“, so Haslehner. Dabei würden die erzeugten Produkte, etwa Treibstoffe, nicht der OMV selbst zugerechnet, aber die Produkte seien bei den Emissionen der Unternehmen erfasst, die diese Produkte verwenden.

Ob die von den Unternehmen selbst angegebenen Ziele realistisch sind, habe man nicht geprüft, sagte Stock. „Ein Unternehmen, das eine konkrete Zahl mit einem konkreten Datum hinschreibt, hat ein gutes Gefühl dafür, dass das zu schaffen ist. Wenn aber das erste Datum, das genannt wird, 2050 ist, dann liegt der Verdacht nahe, dass es einen Plan vielleicht noch nicht gibt.“

Die von den Unternehmen gesetzten Ziele sollten in einem weiteren Schritt durch eine externe Organisation validiert werden, z.B. die „Science-Based Targets“-Initiative, empfehlen die BCG-Berater. „Das erlaubt es den Unternehmen, die eigenen Ambitionen objektiv einzustufen und zu bestätigen, letztlich auch gegenüber externen Stakeholdern“, sagt Stock.

APA

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