EZB: Banken müssen Klimarisiken entschlossener angehen

22. November 2021, Frankfurt
Das EZB-Gebäude in Frankfurt
 - Frankfurt/Main, APA/dpa

Viele Großbanken im Euroraum gehen Klimarisiken für ihr Geschäft nach Ansicht der EZB-Aufseher noch nicht entschlossen genug an. Anhand einer Analyse von 112 Geldhäusern kommen die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) zu dem Schluss, dass die Institute zwar „erste Schritte zur Einbeziehung klimabezogener Risiken unternommen haben“. Allerdings erfülle „keine Bank auch nur annähernd alle Erwartungen der Aufsichtsbehörden“, bilanzierte die Bankenaufsicht am Montag.

Die Hälfte der in der Analyse berücksichtigen Banken geht nach EZB-Angaben davon aus, dass Klima- und Umweltrisiken in den kommenden drei bis fünf Jahren einen wesentlichen Einfluss auf ihr Risikoprofil haben werden. „Bemerkenswert ist, dass alle Banken, die der Ansicht waren, sie seien keinen klimabezogenen Risiken ausgesetzt, erhebliche Mängel bei der Bewertung ihrer Risiken aufwiesen“, schreibt die EZB.

In Summe sehen die Aufseher noch Nachholbedarf. Die Hälfte der Banken habe keine konkreten Maßnahmen geplant, um Klima- und Umweltrisiken in ihre Geschäftsstrategien zu integrieren. Fast alle Banken hätten zwar Pläne zur Verbesserung ihrer Praktiken entwickelt. „Die Qualität dieser Pläne ist jedoch sehr unterschiedlich, und die Fortschritte sind zu langsam.“

Der Vize-Chef der EZB-Bankenaufsicht, Frank Elderson, mahnte: „Die Banken müssen sich dringend ehrgeizige und konkrete Ziele und Zeitpläne – einschließlich messbarer Zwischenziele – setzen, um ihre derzeitigen und künftigen Klima- und Umweltrisiken zu mindern.“ Die Aufseher wollen solche Risiken schrittweise auch in ihre Vorgaben für Kapitalpuffer von Geldhäusern einbeziehen.

Die EZB beaufsichtigt seit November 2014 die größten Banken und Bankengruppen im Euroraum direkt. Derzeit sind dies 113 Institute, die für fast 82 Prozent des Marktes im Währungsraum der 19 Länder stehen.

APA/dpa

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