Warum Stromsparen, um zu sparen, sinnlos ist

27. Dezember 2021

Der monatliche Stromverbrauch wird theoretisch errechnet und hat mit dem echten Verbrauch wenig zu tun.

Strom geht derzeit ordentlich ins Geld, seit Jahresbeginn hat sich der Kilowattstundenpreis mehr als verdoppelt. Da heißt es sparsam sein – vor allem, wenn der Stromlieferant einen flexiblen Tarif bietet, der sich monatlich ändert.
Wer freilich glaubt, er könnte am Jahresende billiger davonkommen, wenn er in Monaten mit hohen Preisen Strom spart, der täuscht sich. Denn der Stromverbrauch wird nicht nach den tatsächlich gelieferten Kilowattstunden (kWh) pro Monat abgerechnet, sondern nach einem rein theoretischen Verbrauch – und der kann sich deutlich vom tatsächlichen unterschieden.


Nehmen wir als Beispiel eine Erdwärmepumpe, mit der ein Haus geheizt und das Warmwasser erzeugt wird. Über zwölf Monate lag der Verbrauch bei 10.043 kWh. Im Oktober 2020, als der Strompreis bei 3,80 Cent/kWh lag (ohne Steuern und Netzabgabe), kam der vom Netzbetreiber Wiener Netze erhobene tatsächliche Verbrauch dem vom Stromanbieter nur angenommenen Verbrauch recht nahe: 840 kWh zu angenommenen 836 kWh. Der Kunde hat sich also ein paar Cent erspart.
Im Sommer 2021 aber, als die Strompreise bereits empfindlich anzogen, gingen Theorie und Praxis weit auseinander. Für die Monate Juli und August rechnete der Stromanbieter 1439 kWh ab, tatsächlich wurden aber laut Wiener Netze nur 619 kWh verbraucht. Bei einem Strompreis von dann 6,5 Cent/kWh zahlte der Kunde also 53 Euro netto mehr, als er tatsächlich verbraucht hatte.


Der Grund für diese enormen Differenzen: Die Stromzähler zeichnen nur den jährlichen Verbrauch auf, die Berechnung des monatlichen Verbrauchs erfolgt „auf Basis von Musterprofilen, die ein durchschnittliches Konsumentenverhalten darstellen“, wie die E-Control erklärt.
Egal also, ob jemand mit einem flexiblen Stromtarif in einem teuren Monat Strom spart und in einem billigen viel Strom verbraucht, abgerechnet wird stets nur der nach einem sogenannten Lastprofil angenommene theoretische Verbrauch. Sparen bringt in den teuren Monaten also nichts.

Zumindest so lang nicht, solang noch keine Smartmeter verwendet werden. Diese können den Verbrauch auf die Stunde genau abrechnen und dem Stromlieferanten die entsprechenden Daten liefern. Dann kann man beispielsweise bei teuren Spitzenzeiten die Waschmaschine ausgeschaltet lassen und erst dann waschen, wenn der Strom billiger ist.
Dass manche Kunden der Wiener Netze schon jetzt den tatsächlichen monatlichen Stromverbrauch kennen, hat mit halbklugen Stromzählern zu tun. Sie liefern bei der jährlichen Ablesung den monatlichen Verbrauch dazu. Mit dem kann man freilich nichts anfangen: Denn es gebe derzeit keine digitalen Plattformen, um diese monatlichen Verbrauchszahlen mit den Stromanbietern zu teilen, erklärt man bei den Wiener Netzen.

Von Norbert Rief

Die Presse

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